Lokales

Vor 50 Jahren zerschellte eine fliegende "Superfestung" am Teckberg

OWEN

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Heute vor 50 Jahren, am 11. Juni 1955, passierte in Le Mans das größte Unglück in der Geschichte des Motorsports: Ein "Silberpfeil"

ANDREAS VOLZ

schießt in die Zuschauermenge, 82 Menschen sterben. Rund um die Teck sorgt allerdings noch eine andere Katastrophe für Gesprächsstoff. In der Nacht zuvor, am Freitag, 10. Juni, war gegen 23.20 Uhr eine amerikanische Militärmaschine vom Typ B 29 am Gelben Felsen gegen den Teckberg geprallt. Das Flugzeug ging sofort in Flammen auf, alle zehn Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Bereits am Samstag berichtet der Teckbote über den Absturz der "Superfestung", wie die B 29 als Nachfolgemodell der "fliegenden Festung" B 17 genannt wird. Weitere Details folgen wie in allen baden-württembergischen Zeitungen in der Montagsausgabe am 13. Juni 1955. Die Angaben in den verschiedenen Artikeln sind widersprüchlich, nicht nur in Bezug auf die genaue Absturzstelle, sondern auch auf die Ursache. Mit Hilfe von Zeitzeugen lässt sich nachträglich zumindest der Ort des Unglücks bestimmen: auf der Höhe zwischen Gelbem Fels und Sattelbogen, in der Nähe des Gelben Felsens.

Bei den ungünstigen Witterungsbedingungen, die damals herrschten, sind sich die Zeitungen allerdings einig. So berichtete der Teckbote am 13. Juni: "In zwei Abteilungen suchte nun die Polizei die Unfallstelle, die eine im Lenninger Tal und die andere über Bissingen, Ochsenwang, Diepoldsburg und Sattelbogen. Trotz starker Scheinwerfer war die Sichtweite sehr gering. Wiederholt rutschten die Polizeibeamten auf dem glitschigen, lehmigen Boden aus. Während im Tal allgemein die Sichtverhältnisse gut waren, herrschte ab 600 Meter undurchdringlicher Nebel."

Das Wetter und die schlechte Sicht waren wohl auch eine wesentliche Ursache für den Absturz der viermotorigen "Superfortress", die in Molesworth im englischen Cambridgeshire zu einem nächtlichen Übungsflug gestartet war. Der Flug sollte offenbar nach Fürstenfeldbruck führen, wo das Flugzeug den Angaben einer Zeitung zufolge stationiert war. Übereinstimmend sind die Berichte, wonach die B 29 kurz vor dem Unglück versucht haben muss, in Echterdingen zu landen. Wegen des dichten Nebels war die Landeerlaubnis auf dem Stuttgarter Flughafen allerdings verweigert worden.

Anschließend hat die Maschine aus nicht genau geklärter Ursache die notwendige Flughöhe nicht mehr erreicht. Sie flog über Nürtingen in Richtung Lenninger Tal, wo sie schließlich nachdem Owen überflogen war am Teckberg zerschellte. Die einen Zeitungen schreiben von einem Motorschaden, der möglicherweise durch das Streifen von Bäumen bei Nürtingen entstanden sein könnte, andere Berichterstatter dementieren "angebliche Beobachtungen", dass das Flugzeug schon vor dem Aufprall in der Nähe des Gelben Felsens gebrannt habe. Fest steht wiederum, dass die US-amerikanische B 29 durch den Absturz Feuer fing und explodierte. Die Einzelteile des Flugzeugs wurden über mehrere hundert Meter verteilt. Von der zehnköpfigen Besatzung konnten später nur noch die verkohlten Leichen geborgen werden.

War das schlechte Wetter einerseits wohl die wichtigste Ursache des Unglücks, so sorgte es andererseits dafür, dass eine ganz andere Katastrophe ausblieb, wie im Teckboten vor 50 Jahren zu lesen stand: "Die alarmierten Löschzüge der Feuerwehren in Kirchheim, Owen und Unterlenningen konnten an der Unfallstelle nichts mehr ausrichten, da der strömende Regen eine akute Brandgefahr verhindert hatte." Gänzlich gebannt war die bedrohliche Situation demselben Bericht zufolge allerdings noch nicht: "Da jedoch im weiten Umkreis Benzindämpfe aufstiegen, besteht nach wie vor Feuer- und Explosionsgefahr."

Trotz dieser Gefahr ließen sich aber viele Schaulustige an jenem Wochenende nicht davon abhalten, sich ein persönliches Bild von der Katastrophe zu machen. So heißt es in der Ausgabe des Teckboten vom Montag, 13. Juni 1955: "Nach Eintreffen der amerikanischen Wachmannschaften übernahmen diese von der deutschen Polizei den Sicherungsdienst. Das ganze Gelände wurde wegen der noch bestehenden Explosionsgefahr abgeriegelt. Dennoch versuchten immer wieder deutsche Zivilisten, an die Unglücksstelle vorzudringen, wobei es zum Teil zu unliebsamen Auseinandersetzungen kam. Ein junger Mann machte sich mit mitgebrachtem Werkzeug an die Demontage eines weiter geschleuderten Motors und konnte nur mit Gewalt an seiner Arbeit gehindert werden."

Für die amerikanische Armee bedeutete die Bergung der tödlich verunglückten Soldaten und der weit verstreuten Flugzeugteile in jeder Hinsicht ein hartes Stück Arbeit, wie der Chronist im Teckboten schreibt: "In den nächsten Tagen werden die Wrackteile abtransportiert. Der Abtransport wird sich dadurch in die Länge ziehen, weil das Gelände sehr schwer zugänglich ist." 50 Jahre später erinnert nicht mehr viel an das Unglück allenfalls die vielen "neuen" Austriebe an den Baumstämmen, die damals abrasiert und verkohlt waren. Aber die Schwierigkeiten der Bergungstrupps kann sich heute noch lebhaft vorstellen, wer in dem unwegsamen Gelände unterwegs ist.