Lokales

Vor dem Sandburgenbau ist Anpacken angesagt

Ein Matschbereich mit Sand und Steinen zum "Dreckeln", zwei Pumpen und flache Bachläufe, die zum Spielen einladen: Die Entwurfsplanung für einen naturnahen Wasserspielplatz im Lautergarten hat im Dettinger Gemeinderat weitgehend Anklang gefunden bei den Kosten allerdings rümpften die meisten Räte die Nase.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

DETTINGEN "Der Wasserspielplatz besteht aus mehreren Teilen", erläuterte Landschaftsarchitekt Harald Fischer den ersten Bauabschnitt für den künftigen Ortsteilspielplatz im Lautergarten. Zwei Edelstahl-Pumpen, die auf Podesten aus strapazierfähigem Hartholz platziert sind, laden Kinder dazu ein, Wasser zu fördern. Durch flache Bachläufe hindurch fließt das Wasser weiter in eine Matschzone mit Sand und fest verankerten Findlingen. "Das ist ein Bereich, wo die Kinder wirklich dreckeln können", beschrieb Harald Fischer, "wie an einem Strand". Seiner Ansicht wird das geplante Spielparadies im Lautergarten bei fast allen Altersgruppen Gefallen finden, sozusagen "von null bis 99".

In erste Linie sollen aber die Jüngeren von dem Angebot profitieren: "Der Wasserspielplatz ist eher für Kinder von fünf bis zehn Jahren geeignet", so Fischer. Entlang des Wehrwegs soll ein Maschendrahtzaun die Anlage begrenzen, zur Lauter hin ist ein stabiler, unüberwindbarer Stabgitter-Zaun vorgesehen. Ein Damm schottet den Matschbereich von der Uferböschung ab, der Hang wird ingenieurbiologisch abgesichert. "Für die ganze Maßnahme wird kein Baum fallen", versicherte Fischer, dass der Bestand an Grün im Lautergarten erhalten bleibt.

Die Kosten für die Anlage hat Harald Fischer mit rund 90 000 Euro berechnet. "Wir gehen davon aus, dass wir mit 27 000 Euro Fördermitteln beglückt werden", informierte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann darüber, dass das Land sich finanziell beteiligen werde. Einsparpotenzial ergibt sich auch von anderer Seite: "Wir beabsichtigen, den Spielplatz mit Hilfe von bürgerschaftlichem Engagement herzustellen." Das Netzwerk "Dabei", Eltern und Berufsschüler könnten bei der Bepflanzung und dem Bau des Zauns helfen, um den Preis für den Spielplatzbau zu drosseln.

Dennoch: Die Summe erschien den meisten Bürgervertretern schlichtweg zu hoch. Roland Sigel (CDU/FWV) bekräftigte seine grundsätzliche Zustimmung zum Konzept. "Wir sollten aber versuchen, die Kosten zu minimieren", sagte er und betonte: "Das sind unser aller Steuergelder." Er schlug vor, der Entwurfsplanung zuzustimmen, die Arbeiten aber erst auszuschreiben, wenn die Verwaltung sämtliche Einsparmöglichkeiten durch ehrenamtliches Engagement überprüft habe.

Dem schloss sich Ramona Glensk (SPD) an, nicht ohne das Konzept für den Lautergarten zu loben: "Ich finde die Idee ganz klasse." Ihrer Ansicht nach würde ein solcher Erlebnisspielplatz eine Lücke im Angebot für Kinder schließen. "Und es gibt auch viele erwachsene Männer, die gerne Sandburgen bauen", ergänzte sie.

Walter Neuhäuser (CDU/FWV), der bei den Haushaltsberatungen dem Projekt eher skeptisch gegenübergestanden hatte, revidierte seine Meinung und lobte Fischers Entwurf. Er bat den Planer, das Marienbrünnele unterhalb des Wehrwegs nach Möglichkeit zu erhalten. "Wir wollen es nicht wegnehmen", versicherte Fischer. Im Moment sehe es jedoch so aus, als ob die Quelle versiegt sei.

Dietmar Vogt (SPD) brach eine Lanze für den Bau des Wasserspielplatzes "Die Diskussion erinnert mich sehr an die über die Liegewiese im Hallenbad. Da hat man auch rumgemacht wegen ein paar Euro." Sein Wunsch ist es, das Projekt zu realisieren: "Das werden wir auch noch schultern", kommentierte Vogt die Kostendiskussion.

Rainer Haußmann erinnerte daran, dass der Wasserspielplatz nur eine erste Maßnahme auf dem Weg zum Ortsteilspielplatz im Lautergarten sei. Später könne ein Abenteuerspielplatz mit Fort und Hangelmöglichkeiten für ältere Kinder und Jugendliche das Angebot ergänzen. Aus Kostengründen sei vorerst aber nur ein erster Bauabschnitt möglich.

"90 000 Euro für Kinder bis zehn und ihre Väter scheint mir etwas hoch gegriffen", kritisierte Peter Bayer (FWG) die hohen Kosten. Gleichzeitig sicherte er zu, dass die FWG die Bepflanzung der Uferböschung übernehmen werde. Seine Fraktionskollegin Bärbel Weinacht zeigte sich ebenfalls skeptisch, nicht nur der Kosten wegen: "Die Zielgruppe ist nicht so ganz das, was wir uns vorgestellt haben. Unsere Gruppe hätte gerne ein Angebot für Kinder von acht bis zwölf Jahren gesehen."

Bereits vor sechs Jahren hat die Gemeinde ein Spielplatzkonzept ausgearbeitet. "Wir wollten fußläufig von jedem Baugebiet in Dettingen aus einen Kleinkinderspielplatz haben", rief Haußmann in Erinnerung. Zwei Ortsteilspielplätzen einer in der Sulzburgstraße auf dem Guckenrain und einer im Lautergarten sollen dafür sorgen, dass die Angebote unabhängig von der aktuellen Altersstruktur in den einzelnen Baugebieten geschickt auf die Gemeinde verteilt sind. Nachdem der erste Bauabschnitt auf dem Guckenrain umgesetzt ist und der Spielplatz in der Kanalstraße aufgewertet wurde, nimmt die Gemeinde nun den Lautergarten in Angriff. Dem Antrag von Roland Sigel, der Entwurfsplanung zuzustimmen und die Verwaltung mit der Suche nach weiteren Einsparmöglichkeiten zu beauftragen, stimmte das Ratsrund geschlossen zu.