Lokales

Vor den Augen des Schiedsrichters

Zwölf Feuerwehren bauen bei einer Ölalarm-Übung 14 Sperren an Flüssen und Bächen

„Wir brauchen noch zwei Tankwagen mit je 30 000 Litern Fassungsvermögen.“ Die eilige Durchsage an die Leitstelle Esslingen war nur Teil einer Übung. Am Freitagshof zwischen Wernau und Kirchheim hatte sich nicht wirklich ein See mit 50  Kubikmetern Kerosin gebildet. Doch die Ölalarm- und Ölwehreinsatzübung im Landkreis Esslingen wirkte auf Außenstehende ziemlich echt.

Ölalarm-Übung im Landkreis Esslingen - die Freiwillige Feuerwehr Plochingen errichtete im Plochinger Hafen eine Schwimmsperre.Fo
Ölalarm-Übung im Landkreis Esslingen - die Freiwillige Feuerwehr Plochingen errichtete im Plochinger Hafen eine Schwimmsperre.Foto: Peter Dietrich

Kreis Esslingen. Der Alarm kam um 18.25 Uhr. Automatisch ging im Plochinger Feuerwehrhaus das Licht an, zur Durchlüftung öffneten sich die Fenster. Eine weitere Änderung blieb unsichtbar: Normalerweise kommen nur etwa zehn Leute mit ihrem Schlüsselchip ins Haus. Ist dieses jedoch im Alarmzustand, kommen alle Feuerwehrleute he­rein. Dass es sich nur um eine Übung handelte, wussten die Herbeieilenden noch nicht. Der erste Feuerwehrmann zog sich nicht um, sondern besetzte sofort den Funkraum. Die anderen eilten zu den Fahrzeugen, nach etwa sieben Minuten war das erste unterwegs.

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Was war passiert? Ein Bagger, so die Annahme der Übung, hatte beim Freitagshof die NATO-Treibstofffernleitung Tübingen-Aalen beschädigt. Die Fernleitungsbetriebsgesellschaft (FBG) in Idar-Oberstein hatte daraufhin einen Druckabfall bemerkt. Etwa alle ein bis zwei Kilometer befinden sich Schieber in der Leitung, sie schlossen sich automatisch. Doch wo genau war das Loch?

Während ein Teil der Feuerwehrleute mit einer Begehung der Leitung begann, machten sich die anderen im großen Umkreis an den Bau von Ölsperren. Dies geschah an 14 Stellen gleichzeitig, von Neckartenzlingen und Nürtingen über Wendlingen und Wernau bis nach Reichenbach. Der Krummbach in Frickenhausen wurde genauso abgesperrt wie die Lauter in Wendlingen und der Talbach in Hochdorf. Insgesamt waren zwölf Feuerwehren an der Arbeit.

Aufgabe der Plochinger Feuerwehr war es, eine Schwimmsperre im Plochinger Hafen zu errichten. Mit dem Rüstwa­gen wurde der Anhänger mit der 120 Meter langen schlauchartigen Barriere an den Kai gefahren. Ein anderes Fahrzeug eilte mit dem Feuerwehrboot zum Schutzhafen. Das Boot zog eine Leine ans andere Ufer, an dieser zogen anschließend sechs bis acht Feuerwehrleute den Schlauch über den Neckar. „Es ist wichtig, gleichmäßig zu ziehen“, sagte der Kommandant Nikolaus Maurer. Sonst hätten die Feuerwehrleute gegen die Strömung keine Chance. Er will für seine Feuerwehr nochmals 100 Meter Sperre haben, dann könne sie noch schräger über den 80 Meter breiten Fluss geführt werden. „Sonst bildet sich in der Mitte des Flusses ein Bauch, dort sammelt sich dann das Öl.“ Am Kai stellten die Feuerwehrleute ihren Ölseparator auf. Weil der leichtere Ölfilm auf dem Wasser schwimmt, kann er abgesaugt werden, der Ölseparator trennt dann Öl und Wasser auf rein mechanischem Weg.

Dass es zwar kein Spiel, aber eben doch „nur“ eine Übung war, erkannten die Feuerwehrleute am Schiedsrichter. Mit dem Schreibblock in der Hand beobachtete er alles ganz genau. Die Presse war vorab informiert worden, Feuerwehr-Pressesprecher Carsten Ruick erläuterte jeden Schritt der unangekündigten Übung. „Auch die Leitstelle Esslingen hat vorher nichts gewusst“, sagte er.

Weiter zum südöstlichen Ortsausgang von Wernau, am Feldweg, waren im Dunkeln nur die Lichter der Feuerwehrautos zu sehen. Das Material für die Ölsperre lagert dort ständig vor Ort. Am Bodenbach, den sie mit Holzbohlen abgesperrt hatten, hätten die Feuerwehrleute das Öl abschöpfen können. Ein kleines Stück oberhalb befand sich das angenommene Leck. Dort leitete Alfred Wacker, stellvertretender Kommandant der Wernauer Feuerwehr, den rund zweistündigen Übungseinsatz der Feuerwehren. Doch was machte das Technische Hilfswerk (THW) auf der Wiese? „Es hat die Rolle der Baggerfirma übernommen“, erläuterte Wacker. Alles sollte so realistisch wie möglich sein. Nur die zwei Tankwagen, die kamen nicht tatsächlich angefahren.