Lokales

Vorbildrolle für die Stadt gefordert

Kirchheimer „Klimaschutzbericht“ stellt sich als Auflistung von Projekten und Zielen dar

Der erste Kirchheimer Klimaschutzbericht offenbart eines: Klimaschutz ergibt sich aus komplexen Zusammenhängen. Auf allen Ebenen muss daran gearbeitet werden, mit Blick in die Zukunft, aber schon jetzt und heute. Dass Kirchheim eine Menge angestoßen hat, nahmen die Stadträte wohlwollend zur Kenntnis. Sie wollen aber die Stadt noch deutlicher in einer Vorbildrolle sehen.

Irene strifler

Kirchheim. Eigentlich sei der Titel „Klimaschutzbericht“ für die Zusammenstellung der Verwaltung nicht ganz zutreffend, meinte Bürgermeister Riemer im Technischen Ausschuss. Im Grunde handle es sich um eine Beantwortung von Anfragen und Anträgen der SPD und der Grünen Alternativen aus den Haushaltsberatungen für 2008.

Gerade die Grünen Alternativen waren es dann auch, die sich mit dem Bericht sehr „zufrieden“ zeigten. Zwar hatten sie Klimaschutzziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 30 Prozent gefordert. – Ein Ansatz, für dessen Realisierung viele Räte konkrete Maßnahmen und eine Selbstverpflichtung der Stadt vermissten. Doch Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen Alternativen sah das Gremium auf dem richtigen Weg: „Wir wollten erreichen, dass wir gemeinsam in diese Richtung weitergehen, diesen Konsens haben wir jetzt.“

Der Konsens wurde offenkundig, nachdem Redner aller Fraktionen den Klimaschutzbericht lobend zur Kenntnis genommen hatten und aus der Beschreibung des Ist-Zustandes die Forderung nach konkreten Maßnahmen für die Zukunft abgeleitet hatten. Dass globaler wie auch lokaler Klimaschutz auf breiter Basis ein wichtiges Anliegen sei, machte Günter Riemer nachdrücklich klar. Die Stadt stehe verantwortungsbewusst hinter der Daueraufgabe Klimaschutz und setze dabei weniger auf den Effekt einzelner Leuchtturmprojekte.

Im Rahmen städtebaulicher Planungen schlägt sich Klimaschutz beispielsweise im Grundsatz der Flächensparsamkeit oder der Festsetzung klimarelevanter Rahmenbedingungen in Bebauungsplänen nieder sowie in der Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien durch Öffentlichkeitsarbeit. Unter dem Punkt „Solarenergie auf Dächern städtischer Gebäude“ wird auf die Bürgersolaranlagen verwiesen.

Das Energiekonzept für alle städtischen Gebäude befindet sich in der Phase ständiger Verfeinerung und erbringt im Energiebericht (siehe unten) messbare Vergleichswerte. Aus vorbildhaften Klimaprogrammen wurde manches übernommen, etwa die Energieberatung für Privatpersonen oder die Stelle für Energiemanagement. Weiter hat sich die Stadt etliche Teilaspekte auf die Fahnen geschrieben. Dazu gehört die Förderung von Projekten mit erneuerbaren Energien wie etwa die geplante Holzhackschnitzelanlage Schafhof oder auch die Förderung umweltfreundlicher Mobilität, die über eine bessere Taktung des Busverkehrs und andere Ideen erreicht wird.

Der Antrag der Grünen Alternativen, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren, krankt derzeit an der Problematik der Datenerhebung. Diese ist nur möglich für kommunale Liegenschaften. Doch genau der Punkt CO2-Emission bewegte die Räte stark. SPD-Fraktionsvize Martin Mendler erinnerte daran, dass auch die Bundesregierung die CO2-Reduzierung bis 2020 um 30 Prozent anstrebe und schlussfolgerte: „Das sollte doch das Mindeste sein, was wir als Stadt wollen!“ SPD-Fraktionschef Walter Aeugle, auch als Kreisrat tätig, verwies auf die Emissionsminderungsstrategie des Landkreises.

Hanns-Karl Schüle, sachkundiger Bürger in Umweltfragen, beurteilte die Zusammenstellung aller Aktivitäten im Klimaschutzbericht positiv, gab aber zu bedenken, dass so manche Maßnahme sinnvoll sei, ohne zunächst direkt dem Klimaschutz zu dienen. Wichtig sei die Akzeptanz in der Bevölkerung. Dem schloss sich auch Bürgermeister Riemer an, der einräumte, über Klimaschutz lasse sich endlos philosophieren. Um Konkretes zu erreichen solle der Gemeinderat Ziele vorgeben, gerne auch im Rahmen der Haushaltsdiskussion.

Die kurze Diskussion, ob denn zuerst Mittel zur Verfügung gestellt und dann Ziele formuliert werden müssten oder andersherum, blieb offen. Einzelne Räte regten unterdessen schon mal konkrete Maßnahmen an. So schlug Ulrich Kübler (Freie Wähler) Energieerziehung an Kirchheimer Schulen vor. Fraktionsvorsitzender Hagen Zweifel monierte, dass die Stadt in Sachen Erdwärmeförderung viel zu wenig aktiv sei und verknüpfte die Forderung nach einem intensiveren Engagement auf diesem Feld mit deutlicher Kritik an so manchen Fotovoltaik-Einrichtungen. Albert Kahle (FDP/Kibü) ging das Thema CO2-Ausstoß vom Blickwinkel flüssigeren Straßenverkehrs an und fand so den Bogen zum Kreisverkehr um den Alleenring.

„Klimaschutz ist eine extrem feinmaschige Angelegenheit, der wir uns alle stellen müssen“, fasste Stadtplaner Gernot Pohl die Breite der Diskussion zusammen. Vorerst blieb es jedoch bei der bloßen Kenntnisnahme des Berichts.

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