Lokales

Vorfreude auf ein Abenteuer am Kap ohne Draufgängertum

Seine Wohnung ist gekündigt, das Auto bereits verkauft. "Ich explodiere vor Vorfreude", bekennt der 22-jährige Jürgen Siefer aus Dettingen. Dabei erwarten ihn bei seinem einjährigen Südafrikaaufenthalt keine unbeschwerten Urlaubstage, sondern zuerst ein internationales Schulungscamp und anschließend fünf Monate Projektarbeit in Pretoria.

PETER DIETRICH

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DETTINGEN "Eine Auszeit nehmen, Gott näher kennen lernen, den eigenen Charakter weiterentwickeln", beschreibt der junge Industriekaufmann seine Motivation. Im Schulungscamp werde er mit Leuten aus Asien, Amerika und Europa zusammenarbeiten, das sei eine große Herausforderung für die Persönlichkeit. Der Gedanke an einen Wechsel reife bei ihm bereits seit zwei Jahren, den Ausschlag habe dann sein Freund Norman Wetz gegeben, der letztes Jahr von einem Südafrikaaufenthalt zurückkam: "An seiner Reife, seinen Erfahrungen habe ich gesehen, dass das eine gute Sache ist."

Organisiert wird der Aufenthalt von "Operation Mobilisation" mit Sitz im badischen Mosbach was trotz des ungewöhnlichen Namens nichts mit einer mobilen Klinik zu tun hat, sondern eine internationale christliche Jugendbewegung ist, die junge Leute aus verschiedensten Kirchengemeinden für ein bis zwei Jahre rund um die Welt schickt. Von dort sollen sie mit erweitertem Horizont und um einige multikulturelle Erfahrungen reicher zurückkehren.

"Machen Sie es, so lange Sie jung sind", hörte Jürgen Siefer an seiner Arbeitsstelle bei Arnold Müller in Kirchheim, und sein Chef stellte ihm bei entsprechender Wirtschaftslage eine spätere Wiedereinstellung in Aussicht. Unterstützung erfährt Siefer auch von Freunden, von der Verwandtschaft und von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kirchheim, bei der er bisher ehrenamtlicher Jugendleiter war.

Die Erfahrungen dabei kommen ihm auch in Pretoria zugute, doch bedeutet es trotzdem eine große Umstellung: Kümmert sich das Jugendcafé in Pretoria, wo er wahrscheinlich tätig sein wird, doch um kindliche Klebstoffschnüffler und Drogenabhängige. Auch sind Arbeitslosen- und Kriminalitätsrate extrem hoch. Wer sein Leben liebt, geht dort besser nachts nicht hinaus auf der Straße.

Leichtsinniges Draufgängertum? Damit wäre Jürgen Siefer völlig falsch beschrieben. Er überlegt sich sehr gut, was er macht: "Ich werde einen ganz billigen Laptop mitnehmen im Bewusstsein, dass ich ihn vielleicht nicht mit zurückbringe." Das Gerät braucht er vor allem zum Kontakt nach Deutschland, den er auf "80 bis 90 Prozent E-Mail, der Rest Briefe und Telefon" schätzt. Das Handy bleibe auf jeden Fall hier.

Zurück lässt Siefer auch ein "Basisteam", das sich um den Informationsfluss und die Organisation in der schwäbischen Heimat kümmert. Was die finanzielle Seite betrifft: Ähnlich wie die südafrikanische Landbevölkerung mit einem Monatsdurchschnitt von 80 Euro bezieht Siefer während des Jahres nur ein sehr geringes Einkommen, dennoch sind für Reisekosten, Unterbringung und Sozialversicherung rund 700 Euro pro Monat an Unterstützung aufzubringen.

Bis es im Januar endgültig losgeht, stehen noch eine weitere Impfung, eine Untersuchung bei der Berufsgenossenschaft und ein wenig Eng-lischlektüre bevor: Jürgen Siefer nimmt es gelassen, genau wie die vor ihm liegende Unsicherheit. Am schlimmsten ist für ihn wohl die vorläufige Trennung von seiner Freundin Elisabeth. Sie sei zwar traurig, stehe jedoch hinter seiner Entscheidung. Außerdem komme sie aus Erlangen und sei daher schon bisher eine Fernbeziehung gewohnt: "Jetzt sind es eben 10 000 Kilometer mehr."

INFOAm Mittwoch, 17. November, um 20 Uhr informiert Jürgen Siefer in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kirchheim (Steingauzentrum) über seine Reise.