Lokales

Vorjahresergebnis konnte überboten werden

Zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Sammlungen können Vereine und Schüler im Landkreis Esslingen sein. Über 24 700 Euro konnten sie für die Anlage von neuen Kriegsgräberstätten in Osteuropa zusammenbringen und damit das gute Vorjahresergebnis noch um stolze 4,3 Prozent nach oben korrigieren.

NÜRTINGEN Erst seit 14 Jahren darf die deutsche Kriegsgräberfürsorge, deren Gründung im Jahr 1919 eine unmittelbare Folge des Ersten Weltkrieges war, in Osteuropa arbeiten. Der Volksbund arbeitet in praktisch allen Ländern des europäischen Ostens. Heute ist es auch möglich, in Belarus (Weißrussland) tätig zu werden. Die Zahl der Toten schätzt man auf 2,2 Millionen weißrussische Opfer. Damit ist ein Viertel der Bevölkerung umgekommen.

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Die Grablagenerfassung, Umbettungen sowie erste Bauarbeiten haben im Jahr 2004 begonnen. Viele Gräber sind zu erfassen und die Gefallenen auf noch zu bauenden Sammelfriedhöfen zu bestatten. Da immer mehr Zeitzeugen sterben, wird unter großem Zeitdruck gearbeitet. Auch Grabräuberei ist weit verbreitet. Häufig werden Erkennungsmarken aus den Gräbern entwendet und auf Militaria-Märkten verkauft.

Im Osten sind bisher 510 Kriegsgräberstätten für mehr als 420 000 Gefallene neu entstanden. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führt auch Grabnachforschungen durch, klärt Einzelschicksale, erteilt Auskünfte über Grablagen, vermittelt Grabschmuck und organisiert Fahrten zu Kriegsgräberstätten im Ausland. Grablagen von Gefallenen können auch im Internet unter www.Volksbund.de abgerufen werden.

Jugendliche der beteiligten Nationen waren in den vergangenen Jahren als Botschafter für Versöhnung und Frieden zwischen den ehemaligen Kriegsteilnehmern bei Arbeitseinsätzen auf Friedhöfen tätig. Seit 51 Jahren werden solche Jugendbegegnungen auf Soldatenfriedhöfen organisiert, 190 000 junge Menschen aus vielen Nationen haben daran teilgenommen. Für 2005 sind insgesamt 66 Jugendcamps in 18 Ländern geplant.

Ehrenamtliche Helfer der deutschen Kriegsgräberfürsorge waren auch im Kreisgebiet Esslingen unterwegs. Mit der Sammelbüchse baten sie um Spenden für die Errichtung von Kriegsgräberstätten in Osteuropa. An der konzertierten Aktion beteiligten sich Schulen, örtliche Vereine, Reservisten und Verbandsfreunde aus den Kreisgemeinden. In der Kernstadt von Kirchheim selbst wurde nicht gesammelt. Im Stadtteil Nabern waren Schüler der Grund- und Hauptschule Dettingen unterwegs und brachten 489 Euro zusammen. Diesen Betrag ist den Schülern Krystian Walter, Marvin Kedeinis, André Odehnal und Michael Schokatz zu verdanken, die alle in Nabern wohnen. In Jesingen sammelten traditionell die Schülerinnen und Schüler der dortigen Grund- und Hauptschule und konnten insgesamt 232 Euro zusammenbringen. Für die Große Kreisstadt Kirchheim stehen insgesamt nur 720,45 Euro zu Buche.

Der Vertrauensmann des Volksbundes für Kirchheim, Alt-Bürgermeister Erwin Kreher aus Nabern, begrüßte den Einsatz der Schüler in Nabern und Jesingen und dankte für deren Engagement. Mit dem ersammelten Betrag könnten nun 72 Gräber ein ganzes Jahr lang gepflegt werden. Erwin Kreher bedauerte, dass die Unterstützung durch die Schulen in der Kernstadt Kirchheim nicht gegeben sei. Man könnte sich hier ein gutes Beispiel nehmen an der benachbarten Stadt Nürtingen und Dettingen, wo aktive Schulen sehr gute Ergebnisse im Landkreis gesammelt hätten.

Auch in der Stadt Esslingen konnte keine Sammlung organisiert werden. Aus den Gemeinden des Kreises Esslingen wurden teils gute Ergebnisse gemeldet: In Bissingen wurden von den Konfirmanden 849 Euro gesammelt, in Dettingen wurden an der Teckschule 804 Euro, in Erkenbrechtsweiler 358 Euro und in Hochdorf 333 Euro gesammelt. In Kirchheim wurden 720 Euro, in Lenningen 710 Euro, in Neidlingen von den Landfrauen 1 181 Euro, in Neuffen 631 Euro, in Notzingen von den Kleintierzüchtern 1 461 Euro gesammelt. Das höchste Ergebnis im gesamten Kreisgebiet wurde in Nürtingen erzielt, wo Schulen und die Freiwillige Feuerwehr Raidwangen 5 517 Euro sammeln konnten.

In Ohmden wurden 330 Euro und in Owen an der Grund- und Hauptschule 522 Euro gesammelt.

Die Gemeinde Neidlingen erreichte mit 62 Cent das höchste pro-Kopf-Aufkommen im Landkreis Esslingen, gefolgt von Notzingen mit 42 Cent. Im gesamten Kreis Esslingen liegt das Sammelergebnis bei 24 700 Euro und damit um 4,3 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Der Dank des Volksbundes gilt den vielen fleißigen Sammlern, den engagierten Helfern in Schulen, Kirchen und Vereinen und den gebefreudigen Spendern in den Städten und Gemeinden des Landkreises, die auch in schwieriger werdenden Zeiten die Pflege der Kriegsgräber durch eine Solidaritätsspende unterstützt haben.

pm