Lokales

Vorliebe für Western

WEILHEIM Ein vertrautes Bild in der Neidlinger Straße. Wilhelm Bachofer, den seine Verwandten, Freunde und Nachbarn "Helm" nennen, tritt aus seinem Haus auf den Gehsteig. Alixe, seine geliebte Berner

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HANS-JÜRGEN TRUÖL

Sennenhündin, zerrt an der Leine. Beide streben der Mühle und den Obstwiesen unterhalb der Limburg zu. Am morgigen Dienstag feiert Wilhelm Bachofer im Kreise seiner Familienangehörigen seinen 90. Geburtstag. Obwohl ihn so manches Wehwehchen plagt und er in jüngster Vergangenheit etliche gesundheitlich brenzlige Situationen überwinden musste, wirkt der Jubilar körperlich wie geistig erstaunlich rüstig. Er werkelt wie eh und je in Haus und Garten. Und wenn er zur Vorsicht aufgefordert wird, damit er nicht stürzt, kommt die schlagfertige Antwort: "I ben doch koin alter Ma!"

Einem Fläschle am Abend ist der Jubilar nicht abgeneigt. Maßvoller Genuss von Bier oder Wein zählt für ihn zu den Rezepten, um ein hohes Alter zu erreichen. Die tägliche Lektüre der Zeitung und Fernsehen-Vorliebe: klassische Western tragen zu seiner geistigen Frische bei.

Wilhelm Bachofer hat wie viele Menschen seiner Generation kein leichtes Leben führen können, sondern musste viele Herausforderungen meistern. Geboren wurde er am 22. August 1916 als Sohn von Henriette und Andreas Bachofer. Sein Vater war Metzger, deswegen hieß er in Weilheim nur "Metzgers Helm". Er war das jüngste von sechs Kindern. Mit 14 begann seine Lehre als Maschinenschlosser bei der Weilheimer Firma Faber & Becker. 1936 kam er zum Arbeitsdienst und musste für einen Monatslohn von 3,50 Reichsmark Wege und Böschungen bauen. Als 1939 die Deutschen den Zweiten Weltkrieg anzettelten, wurde der 23-Jährige als Soldat eingezogen. Während des Krieges kam der Weilheimer in ganz Europa herum. Er endete für ihn mit sechs Wochen in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Im Mai 1945 Neuanfang in Weilheim. Wilhelm Bachofer arbeitete bei ,seiner' Firma Faber & Becker als Kraftfahrer, denn als einer von wenigen hatte er einen Lkw-Führerschein.

Mit "Hörst du mein heimliches Rufen!" warb er auf dem Akkordeon um seine Nachbarin Hildegard Schwarz: Mit Erfolg. 1947 heiratete das Paar, 1952 wurde ihre Tochter Heiderose geboren, heute Architektin und Malerin.

Kontinuität und Zuverlässigkeit zeichnen den Jubilar aus: Er arbeitete bei Faber & Becker insgesamt 52 Jahre lang. Seit seiner Geburt lebt er im gleichen Haus. Doch 1995 ein schwerer Schicksalsschlag: Seine Frau starb an einer heimtückischen Erkrankung.

Dank der Berner Sennenhündin Alixe schöpfte Wilhelm wieder Lebensmut. Sie wurde zu seiner treuen Weggefährtin. Seine Vorliebe fürs Basteln insbesondere von Flugzeugmodellen und Vogelhäuschen seinen schwäbischen Witz und seine Schlagfertigkeit hat Wilhelm Bachofer auch mit 90 nicht verloren. Ein Beispiel gefällig? Wenn ihm seine Tochter erzählt, dass sie gerade ein neues Bild malt, kommentiert er trocken: "Wohl abschtrakt? Do ka ma nix falsch mache!"