Lokales

„Vorne Ku‘damm, hinten Chiemsee“

Zukunftswerkstatt Neues Wohnen wird akitv für mehr Wohnqualität in Kirchheim

„Nachbarschaft schaffen und geeignete Wohnbedingungen anbieten muss das Ziel sein.“ Dies stellte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bei einer Pressekonferenz zum Thema „Neues Wohnen“ in den Mittelpunkt. Der Startschuss hierzu soll am Montag, 14. April, im DRK-Seniorenstift in der Osianderstraße fallen.

Anzeige

Rudolf stäbler

Kirchheim. Die Oberbürgermeisterin ist sich sicher, dass man in Kirchheim den demografischen Wandel schon früh erkannt und Fakten gesammelt habe. Von Anfang an sei klar gewesen, dass Wohn- und Stadtplanung eng zusammen gehören. Kirchheim, so die Oberbürgermeisterin weiter, habe im Durchschnitt mehr Ältere als in den umliegenden Kommunen und dies verlange viel Flexibilität beim „miteinander Wohnen.“ So habe man das Institut für Stadtplanung und Sozialforschung Weeber und Partner mit einer entsprechenden Planung beauftragt. „Es gilt Nachbarschaft zu leben.“ Und Matt-Heidecker wusste auch über die Wünsche zukünftiger Bauherrn zu berichten. „Vorne Ku‘damm und hinten Chiemsee“, sei manchmal das Wunschziel von Interessenten, die in der Teckstadt bauen wollen.

Dr. Rotraut Weeber sah es als zent­rale Aufgabe an, soziale und städtebauliche Zukunftskonzepte gleichermaßen in den Blick zu nehmen. Es werde ein Handlungspaket geschnürt, das bei den städtischen Ämtern Soziales und Stadtplanung gemeinsam und mit vereinten Kräften fachübergreifend vorangetrieben werden soll.

Mit der Zukunftswerkstatt sollen der Kirchheimer Bevölkerung neue Möglichkeiten eröffnet werden, selber in ihrer Stadt für sich und für andere zu bauen. Umgesetzt werden sollen neue Konzepte des Zusammenlebens, wie zum Beispiel Jung und Alt oder auch aktive Nachbarschaften von Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen, wie Hausgemeinschaften älterer Menschen oder von Familien mit Kindern. Ziel könne auch sein, mit anderen wohn- und gemeinwesenbezogenen Projekten neue Antworten zu finden auf eine sich verändernde Gesellschaft, die älter, vielfältiger, mobiler und brüchiger wird.

Verwirklicht werden sollen neue Konzepte des Planens und Bauens. Hiermit meint Dr. Rotraut Weeber unter anderem auch das Bauen zum Niedrigenergiestandard, kosten- und flächensparend geplante kleine Mehrfamilienhäuser, innovative Wohnkonzepte wie anpassungsfähige Wohnungen für alle Lebensphasen oder Wohnhäuser mit einer besonderen Architektursprache. Es gelte die Chancen zu nutzen, die das Bauen in Baugemeinschaften, aber auch in anderen Kooperationsformen, bieten: in bezahlbarem Rahmen realisierbares selbstgenutztes Eigentum oder Altersvorsorge zunächst zur Vermietung und nicht zuletzt Möglichkeiten, auch in Mehrfamilienhäusern ganz persönliche Wohnvorstellungen zu verwirk­lichen.

Den Prozess zum Ziel nannte das Institut für Stadtplanung „Zukunftswerkstatt Neues Wohnen in Kirchheim unter Teck.“ Sie soll als Plattform dienen, um Interessierte und Mitwirkende zu gewinnen, Bedürfnisse und Interessen zu sondieren und zu präzisieren, Möglichkeiten und gute Beispiele kennenzulernen, Alternativen zu vergleichen, Potenziale und Voraussetzungen in Kirchheim zu klären und umsetzungsfähige Projekte auf den Weg zu bringen. Dabei sollen nicht nur Möglichkeiten für Wohnungseigentümer, sondern auch für Mietwohnungen geschaffen werden.

In drei Etappen, so ist die Vorgabe, soll dann das Ziel erreicht werden. Die 1. Etappe ist der Sondierung gewidmet: Was machen andere? Was brauchen und wollen wir? Wer möchte mitmachen? Die Auftaktveranstaltung am Montag richtet sich an ein größeres Publikum. Sie hat das Ziel, das Thema vorzustellen, Inte­ressierte und Mitwirkende zu gewinnen.

Die Auftaktveranstaltung findet am Montag, 14. April, von 18 bis 21.30 Uhr im DRK-Seniorenzentrum Fickerstift, Osianderstraße 12 in Kirchheim statt. Nach der Begrüßung von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker wird es kurze Referate zu der Problematik geben. Gerhard Schiele, Leiter Forschung und Soziale Entwicklung der Sankt-Anna-Hilfe Meckenbeuren, referiert über „Aktive Nachbarschaften – Lebensräume für Junge und Alt“. Zum Thema „Baugemeinschaften – Erfahrungen aus der Praxis: Selbst ist die Gruppe!“ weiß Cord Soelhlke, Leiter des Stadtsanierungsamtes Tübingen und Projektleiter Südstadt, zu berichten. Sonja Wörtmann vom Projekt „Altenknüpfer“ im Scharnhauser Park in Ostfildern berichtet über eben dieses Projekt in ihrem Vortrag „Altenknüpfer – Netzwerke in einem Mehrfamilienhaus“. Es ist ferner geplant, dass sich im Verlauf des ersten Abends Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit gleichen Interessen zu Gruppen zusammenfinden, um „ihr“ Thema gemeinsam zu vertiefen.