Lokales

Vorschläge für Notarzt-Einsatz

DRK für Rettungswache am Flughafen – Alternative der Kliniken: paralleler Dienst

Mit dem Vorschlag, eine Rettungswache auf den Fildern zu bauen, hat das Deutsche Rote Kreuz die Krankenhausträger zu neuen Überlegungen veranlasst. Um die Einsatzfristen einzuhalten, können sich Filderklinik und der Landkreis als Träger des Ruiter Krankenhauses vorstellen, beide Rettungswachen parallel zu besetzen. Bisher wechselten sie sich wöchentlich ab. Dadurch wurde die 15-minütige Hilfsfrist nur in 87 Prozent der Fälle eingehalten, vorgeschrieben sind 95 Prozent.

Roland Kurz

Entschieden ist bei diesem Thema, das seit Jahren immer wieder mal diskutiert wird, bisher noch nichts. Ende April oder Anfang Mai wird der Bereichsausschuss darüber beraten. In diesem Gremium sitzen neben den Rettungsorganisationen und den Krankenhausträgern auch die Krankenkassen – also die Zahlmeister. Während AOK-Geschäftsführer Dieter Kress vor zwei Jahren noch die Zentralisierung der notärztlichen Bereitschaft als „unumgänglich“ bezeichnete, heißt es nun von der größten Kasse, man wolle die verschiedenen Modelle vor der Sitzung nicht bewerten. Die Qualität der Versorgung stehe im Vordergrund, sagte AOK-Vize Thomas Schneider. Die sei allerdings auch im Moment nicht schlecht, überwiegend gehe es nur um relativ knappe Überschreitungen der Fristen.

Belegt sind diese Überschreitungen in einem Gutachten. Darin wird auch empfohlen, einen zent­ralen Standort zu wählen. Das DRK ist im Januar vorgeprescht und hat in Aussicht gestellt, dass eine neue Rettungswache für zwei Millionen Euro bis Ende 2009 in der Nähe von Messe oder Flughafen stehen könnte. Dies sei wirtschaftlicher als drei Rettungswachen, meint Rafael Dölker, Geschäftsführer der Rettungsdienste GmbH. Dölker zählt auch die DRK-Rettungswache in Leinfelden mit, wo jedoch kein Notarzt stationiert ist. Die Stadt Filderstadt würde beim Wechsel mitspielen. Im Gewann Augenloch hätte sie ein eigenes Grundstück, auch mit dem zweiten Standort neben der Rettungsflugwacht könnte Bürgermeister Dieter Lentz „bestens leben“.

Von einem neuen Standort wenig begeistert sind die beiden Krankenhäuser beziehungsweise ihre Träger. Knackpunkt ist das Abstellen von Notärzten. Normalerweise arbeiten die im Paracelsus-Krankenhaus und in der Filderklinik mit – und rücken eben im Notfall aus.

Bei einem zentralen Standort „ist das für uns ein Problem“, sagt Franz Winkler, Geschäftsführer der Kreiskliniken. Er muss einen Arzt komplett von der Klinik abziehen, denn gesetzlich stehen die Kliniken in der Pflicht, den Notarzt zu stellen.

Auch Landrats-Vize Matthias Berg hält es für ideal, wenn der Notarzt an der Klinik sitzt. Außerdem bezweifelt er, dass vom Standort am Flughafen die Hilfsfristen zu hundert Prozent eingehalten werden. Er wird deshalb im Bereichsausschuss vorschlagen, Ruit und die Filderklinik zu zwei ständig besetzten Standorten zu machen. Bevor man am Flughafen eine neue Rettungswache baue, müsse man dieses Modell mit Blick auf Kosten und Zeit untersuchen. „Was sollen die Notärzte dort machen, wenn sie keinen Einsatz haben?“, weist Berg auf den Haken der zentralen Lösung hin.

Der Geschäftsführer der Filderklinik, Gerhard Ranger, wird im Bereichsausschuss den Vorschlag Bergs unterstützen. Wenn von Bonlanden und Ruit aus gefahren werde, könne man die Fristen einhalten. Er glaubt, dass die Doppelbesetzung an den Kliniken günstiger ist als der Aufbau neuer Kapazitäten. Da man nur in Stoßzeiten Zeitprobleme habe, könne man nachts wieder mit einem Standort arbeiten. Den Vorschlag, der keine große Investition erfordere, habe man bereits an den Bereichsausschuss weitergereicht. Bislang habe man aber keine Stellungnahme erhalten.

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