Lokales

Vorsicht bei "gefährlichem Reifenschrott"

Drei, zwei, eins meins: "Lebensgefährlicher Winterreifen-Schrott wechselt derzeit für teures Geld bei Onlineauktionen den Besitzer", warnt Alfred Hiller, Pressesprecher der Kraftfahrzeug-Innung.

NÜRTINGEN "Da sind zum einen Uraltreifen im Angebot, die seriöse Autohäuser und Reifenhändler längst ausgemustert haben, zum anderen verkaufen Privatleute überalterte Reifen, die nicht mehr als Winterreifen taugen. Manche Angebote machen aber auch den Eindruck, dass hier bewusster Betrug mit Winterreifen begangen wird", meint der Fachmann von der Kfz-Innung Nürtingen-Kirchheim.

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Für einen wintertauglichen Reifen gelten zwei Regeln: Erstens sollte er möglichst noch mit mindestens vier Millimetern Profil in den Winter gehen. "Wer nach Österreich in den Skiurlaub will, sollte das besonders ernst nehmen, denn dort ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Winterreifen mindestens vier Millimeter Profiltiefe haben muss." Der Grund ist ein Technischer: "Unterhalb von vier Millimetern sind die Lamellen, die die Griffkanten des Reifens vergrößern, nicht mehr vollständig vorhanden, also greift der Reifen auch nicht mehr richtig."

Zweitens sollte der Reifen maximal fünf Jahre alt sein, dann ist die einstmals weiche Mischung verhärtet und der Reifen taugt höchstens noch im Sommer: "Jemanden Winterreifen aus den 90er-Jahren anzudrehen, wie sie beispielsweise bei Onlineauktionen immer wieder angeboten werden, grenzt schon an eine kriminelle Handlung", sagt Alfred Hiller. Prinzipiell sei es einfach, das Alter eines Reifens zu erkennen. Dafür gibt es die DOT-Nummer. Die ist seit dem Jahr 2000 vierstellig. 3201 heißt dann beispielsweise, dass der Reifen in der 32. Kalenderwoche des Jahres 2001 hergestellt worden ist: "Aus Expertensicht ist das eigentlich schon zu alt".

Kritik übt die Kraftfahrzeug-Innung daran, wie leicht es ist, Reifenschrott online zu stellen, "weil niemand die Kunden ausreichend schützt". Die DOT-Nummer beispielsweise ist bei einigen Auktionsanbietern in der Schablone vorgesehen, mit der die Reifen in die Auktion eingestellt werden: "Aber wenn einer das Feld nicht ausfüllt, kann er die Reifen trotzdem anbieten. Es fehlt jeglicher Warnhinweis. Aus Sicht eines seriösen Händlers müsste es für ein Auktionshaus aber eine Selbstverständlichkeit sein, Angebote ohne DOT-Nummer und Millimeter-Angabe zur Profiltiefe gar nicht zuzulassen."

Reifenschrott an Schnäppchenjäger zu verschachern wird Anbietern damit sehr leicht gemacht. Natürlich gilt das auch für beschädigte Reifen, beispielsweise von Unfallwagen "von denen keiner weiß, welche Schäden sie innerlich haben" oder für geklaute Räder: "Die einen können einem leicht um die Ohren fliegen, die anderen bringen eventuell die Polizei ins Haus."

Der gute Rat der Kfz-Innung an alle Online-Fans heißt deswegen: "Auf die Seriosität des Anbieters achten, seriöse Menschen verkaufen keine Winterreifen mit vier Millimetern Restprofil und auch keine Altreifen."

pm