Lokales

Vorsorge auch ohne akute Gefahr nötig

Der Winter hatte uns lange Zeit fest im Griff. So langsam aber will der Frühling ins Land ziehen. Der bringt wohl keine Schneeglätte oder spiegelglatte Straßen dafür könnte Hochwasser drohen. Dies allerdings nur wenn zur derzeitigen "Wärme" auch noch Regen kommen würde. Da sind sich die Meteorologen allerdings noch nicht sicher, vielleicht kehrt ja sogar nochmals der Frost zurück.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN Schnee in rauen Mengen, so viel wie schon seit Jahren nicht mehr bestimmte das Bild in unserer Region in den letzten Wochen. Gerne gesehen von den Wintersportlern, gehasst von den Autofahrern. Wie es nun scheint hat es zunächst einmal ein Ende mit Zuwachs für die weiße Pracht. Das Thermometer kletterte in die Pluszone, Schmelzwasser läuft über die Straßen, von den Feldern und in Bäche und Flüsse. Akute Hochwassergefahr besteht dadurch allerdings zurzeit noch nicht, da müsste es schon gewaltig regnen, um die Flüsse über die Ufer treten zu lassen. So sieht es auch Bernhard Dittrich vom Amt für Katastrophenschutz beim Landratsamt in Esslingen derzeit noch ganz gelassen. Unter Druck käme er erst, wenn zum Tauwetter sich der Regen gesellt und die noch munter dahinplätschernden Flüsse dann ganz schnell zu reißenden Strömen werden.

Unvorbereitet wird es allerdings den "Katastrophenchef" und seine Mannen nicht treffen. Der im Ehrenamt noch als Kreisbrandmeister den freiwilligen Feuerwehren im Kreis Esslingen vorsteht, ist rund um die Uhr mit der Hochwasser-Vorhersagezentrale vernetzt. So bekommt Dittrich alle notwendigen Daten per SMS auf sein Handy überspielt.

Wenn dann irgendwo ein Pegel den Meldewasserstand übersteigt, dann wird Dittrich davon unterrichtet. Danach tritt laut Planung der Hochwasservoralarm in Kraft. Im Lagezentrum des Landratsamtes tritt der Krisenstab zusammen, die eventuell vom Hochwasser bedrohten Gemeinden werden von dort aus informiert. Ausrüstung und Material müssen dann sofort auf Vollständigkeit geprüft werden.

Abteilungskommandant Michael Grininger von der Kirchheimer Feuerwehr weiß zu berichten, dass man sich auch in der Teckstadt schon "etwas" auf ein eventuelles Hochwasser eingestellt hat. So steht die Zentrale in der Henriettenstraße in Kontakt mit dem Tiefbauamt und dem Bauhof der Stadt Kirchheim. Sollte von dort eine Warnung kommen, werden die gefährdeten Zonen abgefahren. Gefahr könnte so zum Beispiel im Bereich Freihof durch Lauter und Lindach lauern. Auch werden in den Bächen die Rechen kontrolliert und bei größeren Wassermengen dann auch hochgezogen, um einen Rückstau zu verhindern. Sandsäcke sind noch keine gefüllt, die lagern nämlich im Tiefenbachtal zwischen Nürtingen und Beuren und können dort von den Hilfsorganisationen abgeholt werden. In zwei Bunkern des aufgelassenen Bundeswehr-Depots warten 70 000 gefüllte Sandsäcke auf ihren möglichen Einsatz. Unter Umständen können die Sandsäcke sogar große Reisen antreten. 30 000 davon wurden vor drei Jahren zum verheerenden Elbe-Hochwasser nach Hamburg geschickt.

Eine Nummer kleiner ist da der Neckar, und niemand glaubt, dass dieser sich je wieder so gebärden könnte wie zuletzt 1978. Damals wurde zum Beispiel in Kirchentellinsfurt ein Pegelstand von knapp sechs Metern gemessen. Dittrich ist sich sicher, dass von dieser Seite her keine Überraschungen mehr zu erwarten sind. "Da wurde in den vergangenen Jahren ziemlich hochgerüstet." Allerdings glaubt der Fachmann, in den vergangenen Jahren eine Häufung der kleinen, lokal begrenzten Hochwasser festgestellt zu haben. Diese kleinflächigen Überschwemmungen verlässlich vorherzusagen, ist Dittrichs Worten zufolge extrem schwer. Ein Sturm, dazu ein kräftiger Regenguss reicht oft und schon heißt es Land unter. Wie zuletzt in Wendlingen und Kirchheim, als nicht versickertes Hangwasser die Tallage überschwemmt hat.

Um Überraschungen vermeiden zu können, haben die Gemeinden im Landkreis seit Beginn dieses Jahres einen Zugriff auf ein maßgeschneidertes Vorwarnsystem, erläutert Katastrophenschutz-Boss Dittrich. "Da kann jede Gemeinde selbst festlegen, wann die lokale Vorwarnstufe in Kraft tritt. Wer auf dem Erfassungsbogen des Deutschen Wetterdienstes "schwere Sturmböen ab 90 km/h" oder "Starkregen" ankreuzt, wird per SMS, Fax oder E-Mail gewarnt, wenn die entsprechende Wetterlage zu erwarten ist. Bis es allerdings derzeit zu einer Alarmierung kommt, muss noch viel Wasser Lauter oder Lindach hinunterfließen.