Lokales

Wachstum in schwierigem Umfeld

Fröhlich und bunt war der Bericht von acht Indern über das Leben in ihrer Heimat. Aus dem armen südostindischen Bundesstaat Andhra Pradesh vermittelten sie beim Indienabend der evangelischen Kirchengemeinde in Owen viel von der indischen Kultur und der sozialen Hilfe durch die kleine christliche Kirche.

OWEN Eigentlich sind die Christen in Indien eine verschwindend kleine Minderheit im Land mit der weltweit zweitgrößten Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen. Dennoch können sie konkrete Zeichen der zuwendenden Liebe setzen. Zum Beispiel war die Nethanja-Kirche die einzige Organisation, die nach der Flutkatastrophe in den Fischerdörfern im nördlichen Gebiet von Andhra Pradesh Hilfe leistete. Etwa 1 000 Fischer und Angehörige sind in dieser Region ums Leben gekommen, fast alle haben ihre Existenz verloren, berichtete Bischof Dr. Singh Komanapalli.

Anzeige

Er und seine Mitarbeiter konnten vor Ort helfen durch die Spenden des Vereins "Kinderheime Nethanja Narsapur / Christliche Mission Indien", dessen Vorsitzender Pfarrer Dr. Heiko Krimmer aus Dettingen ist. Mit Reis, Kleidung und Notunterkünften konnte sofort geholfen werden. Seither geht es darum, Fischerboote, Hütten und Verdienstmöglichkeiten zu schaffen sowie Witwen und Wai-sen zu versorgen. Etwa 80 Kinder haben in den bestehenden Kinderheimen Aufnahme gefunden, 20 weitere werden in ihren Dörfern von jungen Witwen versorgt.

Der Schwerpunkt des Indienabends war aber nicht die Not der Menschen, sondern die Farben-pracht, die Musik und die Freude. So haben zwei mitgereiste Kinderheimmädchen beeindruckende Tänze aufgeführt. Fünf Mitarbeiter aus Kinderheim, Bibelschule und Kirche beeindruckten durch ihre mitreißenden fröhlichen Lieder und nahmen die Besucher durch eine Kulturschau in die verschiedenen Berufe und Gesellschaftsschichten Indiens hinein.

Der Bischof berichtete auch von den kleinen christlichen Gemeinden. Innerhalb von 33 Jahren sind mehr als 100 000 Menschen zum Glauben an Jesus Christus gekommen und haben sich taufen lassen. Aber sie haben dadurch Nachteile: Die indische Verfassung benachteiligt Nicht-Hindus, maoistische Terroristen bedrängen die kleinen Gemeinden im Dschungel und Hindu-Fanatiker bedrohen die Christen mit Brandstiftung und Mord. Und trotzdem wächst die Kirche, die ganz in der indischen Tradition verwurzelt ist und keine Kopie einer europäischen oder amerikanischen Kirche ist. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass keine ausländischen Missionare in der Nethanja-Kirche arbeiten, sondern einheimische Pastoren und Bibelfrauen an der eigenen Bibelschule ausgebildet werden.

Weil die Owener Kirchengemeinde im Jahr 2004 zwei Familien aus der Schuldsklaverei freigekauft hat, berichtete Bischof Singh über die Situation der "Dalit", Menschen der untersten Stufe im indischen Kastensystem. Mit bis zu 500 Euro kann eine ganze Familie freigekauft werden und mit einem eigenen Stück Land sowieeiner Hütte, Ziegen und Wasserbüffeln ausgestattet werden, sodass sich die befreite Familie selbst ernähren kann. Dadurch werden auch Kinder von der Arbeit frei und können eine Schule besuchen. 80 Familien wurden in den letzten zwei Jahren freigekauft, sowohl Hindus als auch Christen.

In einer Spielszene wurde Einblick in eine typische Familiensituation gewährt, wobei die Inder beim Publikum für Lacher sorgten, als sie den Kindern in der Schule das Zählen auf Deutsch beibrachten. Die indische Gruppe ist mit einem ähnlich gestalteten Abendprogramm nochmals zu erleben am morgigen Mittwoch, 20. Juli, um 20 Uhr im Dettinger Gemeindehaus im Pfarrgarten.

egFoto: Ekkehard Graf