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Wähler ließen sich nicht so mobilisieren wie vor fünf Jahren

KIRCHHEIM Gut gelaunt kommentierte der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann gestern den Wahlausgang: "Ich bin super erfreut, dass ich das

R. UMSTADT / A. VOLZ

Ergebnis von 2001 gehalten habe, das ist ein tolles Ergebnis." Verhältnismäßig früh hatten die Zahlen der Stadt Kirchheim vorgelegen. Dass sein Stimmenanteil dort um einen Prozentpunkt abgenommen hatte, erklärte er mit dem Verlust der Sonderbehörden durch die Verwaltungsreform. "Aber", zeigte er sich zuversichtlich, "die kleineren Ortsverbände werden es rausreißen, da macht die Verwaltungsreform nichts."

Offensichtlich wurde sein Optimismus belohnt. Das gilt auch für das Landesergebnis seiner Partei, mit dem er selbst durchaus gerechnet hatte. Allein seine "Oberschicht" in Stuttgart habe das nicht erwartet. "Die hatten ein schlechteres Ergebnis befürchtet", sagte Karl Zimmermann gestern in seinem Kirchheimer Wahlkreisbüro. Nachdem die Union die absolute Mehrheit nur knapp verpasst hatte, kam vom Kirchheimer Abgeordneten eine klare Koalitionsaussage: "Wie ich unseren Ministerpräsidenten kenne, hat er seine Fühler schon längst in Richtung FDP ausgestreckt."

Er selbst wolle sich auch im neu gewählten Landtag wieder um den Posten des Strafvollzugsbeauftragten seiner Fraktion bemühen, teilte Karl Zimmermann gestern weiter mit. Dabei will er sich besonders gegen die Privatisierung des Strafvollzugs einsetzen zumindest in dem Ausmaß, wie es die FDP plane. Auch wenn er sich den Vorwurf eingehandelt habe, ein Populist zu sein, beO:8030692.JP_steht Zimmermann weiterhin auf der Forderung, dass Eltern von strafgefangenen Jugendlichen kein Kindergeld bekommen und dass ausländische Häftlinge ihre Haft verstärkt in der Heimat verbüßen sollen. Die geringe Wahlbeteiligung veranlasste Zimmermann, darüber zu philospophieren, "ob wir in zehn oder 20 Jahren diese Form der demokratischen Wahlen noch so durchführen können". Seine Idee einer Wahlpflicht verwarf er selbst ziemlich schnell. Der andere Gedanke war eine weitere Ausdehnung der Legislaturperiode: "Wenn die Leute wahlmüde sind, liegt das vielleicht nur daran, dass wir einfach zu viele Wahlen haben."

So sehr sie einerseits die Stimmenverluste ihrer Partei schmerzen, so freut sich MdL Carla Bregenzer, SPD, andererseits doch über ihren Wiedereinzug ins Landesparlament. "Die Arbeit macht mir großen Spaß. Ich werde sie engagiert weitermachen und sehr viel vor Ort sein." Ihr gegenüber 2001 schlechtes Abschneiden bringt sie mit dem stimmenmäßigen Einbruch ihrer Partei in Verbindung. Die Ursachen dafür sieht sie in der historisch schlechten Wahlbeteiligung im Lande und in der Rolle der SPD innerhalb der großen O:2030693.JP_Koalition: "Wir sind die Verkünder unbequemer Botschaften." Siehe Thema Renten, siehe Thema Mehrwertsteuererhöhung. Bundesthemen bestimmten den Landtagswahlkampf, letztlich zu ungunsten der Sozialdemokraten. "Die Leute waren enttäuscht und resigniert", musste die Wahlkämpferin Carla Bregenzer erfahren. Ihrer Partei sei es nicht gelungen, die Menschen wie noch vor fünf Jahren zu mobilisieren. 2001 sei eine junge, dynamische Ute Vogt einem konservativen, unbeweglichen Erwin Teufel gegenübergestanden. In diesem Wahlkampf war die Konstellation eine ganz andere. Doch dieser gewaltige Stimmeneinbruch will Carla Bregenzer nicht Ute Vogt anlasten. "Sie muss nicht zurücktreten," verteidigt sie ihre oberste Parteigenossin im Land. Nach dem Wundenlecken wird heute Abend der Landesvorstand zusammentreten, die Wahl analysieren und auch über personelle Konsequenzen sprechen. Doch zuvor wird Carla Bregenzer auf dem Podium des Evangelischen Lehrertags in Stuttgart sitzen, Thema: "Gerechtigkeit in der Bildung". Ihre Wunschbeschäftigung im Garten muss warten, denn "die Fraktion ist kleiner geworden, die Arbeit nicht."

O:7030688.JP_Ironie des Schicksals: Ihre Partei erreichte zwar ihr Wahlziel, die drittstärkste politische Kraft im Musterländle zu werden, und Marianne Erdrich-Sommer, Kandidatin der Bündnis-Grünen, ist damit und mit ihrem Wahlergebnis von 12,19 Prozent im Wahlkreis Kirchheim "hoch zufrieden", dennoch schaffte sie den Sprung ins Stuttgarter Landesparlament nicht. "Es war ganz knapp, deshalb muss ich das zuerst verkraften." Geblieben ist die Freude über ihr "überdurchschnittlich gutes Ergebnis". Auch darüber, dass die Grünen die Wähler wieder zurückgewinnen konnten. "Wir haben die Wähler überzeugt, dass wir nicht am Tropf der SPD hängen und eine gute, eigenständige Politik machen." Natürlich kommt's dabei auch auf die Köpfe an. "Die Leute wählen Personen", ist die Wendlingerin überzeugt. 2001 hatte die SPD den "Ute-Vogt-Bonus", gestern wandten sich die Wähler von der SPD ab, analysiert Marianne Erdrich-Sommer. Wie dem auch sei, einen weiteren Wahlkampf wird es für die engagierte Grüne nicht geben. Mit Blick auf ihr Geburtsdatum meint sie: "Ich muss mir nicht jede Wahl antun."

Auch wenn es nicht zum Einzug ins Parlament reichte, hat der FDP-KanO:28020692.JP_didat Frank Schweizer gestern eine Zeit lang Landtagsluft geschnuppert. Mit seinem eigenen Abschneiden zeigte er sich auf telefonische Nachfrage von Stuttgart aus sehr zufrieden: "Ich habe persönlich zugelegt, und das zählt für mich. Ich gratuliere den Siegern und freue mich jetzt erst einmal auf eine wahlkampffreie Zeit mit Frau und Kind." Nachdem feststand, dass der Wahlkreis Kirchheim auch weiterhin von den beiden bisherigen Abgeordneten vertreten wird, zeigte sich Frank Schweizer dann doch etwas enttäuscht, wobei er sich aber zugleich als sportlich fairer Wahlkämpfer erwies: "Das ist schade. Ich hätte dem Wahlkreis wenigstens noch einen dritten Abgeordneten gegönnt egal ob von der FDP oder von den Grünen." Was er dann aber "bitter" fand, das war die niedrige Wahlbeteiligung im Land, die er als einen "Schlag ins Gesicht" bezeichnete.

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