Lokales

„Wahlkampf gab es eher selten“

Kommunalpolitik gestern und heute – Ein Gespräch mit dem Dettinger Ex-Gemeinderat Norbert Häuser

Norbert Häuser war zwanzig Jahre lang Gemeinderat in Dettingen. Der ehemalige Schulleiter mochte sachliche Auseinandersetzungen. Politischer Wahlkampf war ihm eher unangenehm.

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Antje Dörr

Dettingen. „Keine Parteien im Gemeinderat“ – so lautete ein Wahlkampfslogan im Jahr 1984, als Norbert Häuser zum ersten Mal mit einer Partei in den Dettinger Gemeinderat einzog. Der ehemalige Schulleiter der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule, der zwanzig Jahre für die CDU/FWV-Fraktion im Ratsrund saß, ist schon 2004 nicht mehr zur Wahl angetreten, das Ehrenamt ist Geschichte. Dennoch erinnert er sich gut an diesen Slogan, weil er so etwas wie Wahlkampf verkörperte, und zwar in einer Form, die Norbert Häuser später nie wieder erlebt hat. „Es war mir unangenehm, in diese Ecke gestellt zu werden“, beschreibt der ehemalige Gemeinderat eine der wenigen negativen Erinnerungen an diese Zeit.

Rückblick: 1984 kandidierten Häusers Christdemokraten zum ersten Mal für den Dettinger Gemeinderat. Das war nicht allen recht. „CDU-nahe Leute, die bei der FWG saßen, wollten das verhindern“, erinnert sich Norbert Häuser. „Das war richtiger Wahlkampf.“ Den Spruch „Keine Parteien im Gemeinderat“ fand er unsinnig. Um das zu verdeutlichen, habe er die anderen Gemeinderäte gefragt, ob sie etwa glaubten, dass er vor jeder Abstimmung Helmut Kohl um Erlaubnis bitten müsse. Die CDU ging schließlich mit der FWG zusammen, die ebenfalls Mühe hatte, die Liste zu füllen. „Damit konnten wir dem Vorwurf der Parteipolitik den Wind aus den Segeln nehmen.“

Diese aufgeheizte Stimmung ist in Norbert Häusers Erinnerung einmalig geblieben. Bei den folgenden Wahlen ging es friedlich zu – ein Trend, der sich bis heute fortsetzt. Dafür sieht Häuser mehrere Gründe. Einmal sei es schlicht die Überlastung der Gemeinderäte, der Spagat zwischen Ehrenamt, Beruf und Familie, der keine Zeit für Wahlkampf lasse. Der ehemalige Gemeinderat hat noch eine weitere These: „Der Wahlkampf verläuft dann ruhig und nüchtern, wenn es kein heißes Thema gibt.“ Außerdem sei zu viel Polarisierung gar nicht erwünscht. Um alle Bevölkerungsschichten zu erreichen und niemanden abzuschrecken, würden am Wahlprogramm vorher die Ecken und Kanten abgeschliffen. Zuletzt verhinderte auch die Nähe der Gemeinderäte einen wirklichen Wahlkampf. Die meisten Volksvertreter im Dettinger Ratsrund treten schon seit Jahren oder auch Jahrzehnten an. „Man kennt sich untereinander“, sagt Norbert Häuser. „Auch das führt dazu, dass man sich nicht so beharkt.“ Schließlich müsse man ja später wieder zusammenarbeiten.

Norbert Häuser hat sein Ehrenamt gerne ausgeübt, auch wenn er manchmal Niederlagen einstecken musste. Dazu zählt für ihn ein Vorfall im Dettinger Wohnbaugebiet Stiegeler Weg, wo es nicht gelang, eine Stromleitung, die direkt an der Grenze zum Baugebiet verlief, verlegen zu lassen. Auch das nie zustande gekommene dritte Gymnasium, das die beiden Kirchheimer Gymnasien entlasten sollte, gehört dazu. Insgesamt überwiegen aber positive Erinnerungen. Er habe im Ratsrund Demokratie gelernt, sich von den Bürgermeistern viel für seine spätere Führungsfunktion als Schulleiter abgeschaut. Er sei mit Themen in Berührung gekommen, die ihn sonst niemals beschäftigt hätten. Das Interesse an der Natur, die ihn kürzlich dazu gebracht hat, Biosphären-Botschafter zu werden, sei erst in der Gremienarbeit gewachsen. Und nicht zuletzt sei durch die Gemeinderatstätigkeit Dettingen für ihn, der in Backnang aufgewachsen ist und erst seit 1976 in der Gemeinde lebt, zur Heimat geworden.