Lokales

Wahllos um sich geschlagen

25-Jähriger wegen mehrfacher Körperverletzung angeklagt

Wegen mehrfacher vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzungen muss sich vor dem Stuttgarter Landgericht ein 25-jähriger alkohol- und drogensüchtiger Mann aus Holzmaden verantworten. Der berufslose Beschuldigte soll im Sommer vergangenen Jahres wahllos und ohne Grund mit Fäusten auf Passanten losgegangen sein und sie erheblich verletzt haben.

Anzeige

BERND WINCKLER

Holzmaden/Kirchheim. Die Richter der siebten Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht staunten bei der Vernehmung des Angeklagten nicht schlecht, als dieser berichtete, er trinke seit seinem neunten Lebensjahr exzessiv Alkohol. An seinem früheren Wohnsitz in Kirchheim habe er einfach in Supermärkten ins Regal gegriffen, um an den Alkohol zu kommen. Auch Zigaretten und Süßigkeiten waren dabei. „Die Polizei ging bei uns fast täglich ein und aus“.

Nach dem Alkohol kamen die Drogen. Und infolge der dann entstandenen Sucht wurde der inzwischen über 20-Jährige aggressiv und rabiat gegen Bekannte und Freunde. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er im April vergangenen Jahres in Holzmaden ohne Grund und mit einem Alkoholspiegel von 1,3 Promille einen Passanten auf der Straße mit Fausthieben erheblich verletzt haben. Am Holzmadener Sportplatz traf es einen 34-Jährigen, dem der Angeklagte am späten Abend des 14. April plötzlich ohne Vorwarnung Fausthiebe mitten auf die Nase und in das Gesicht verpasste, heißt es in der Anklage.

Schließlich habe er sich zwei Tage später unberechtigt auf ein privates Gartengrundstück begeben und dort den Besitzer mit drei bis vier Faustschlägen zu Boden geprügelt. Der Mann sei dabei im Gesicht erheblich verletzt worden, sagte der Staatsanwalt.

In der psychiatrischen Abteilung des Klinikums Kirchheim-Nürtingen, in dem der 25-Jährige anschließend landete, soll er anlässlich einer kleinen Geburtstagsfeier einen anderen Patienten ebenfalls mit Faustschlägen malträtiert haben. Nachdem er drohte, er werde ihm mit einem Messer den Hals aufschneiden, konnte ihn das Klinikpersonal letztlich überwältigen. Wegen diesen vier Fällen von Körperverletzungen war der Mann, der schon wegen anderer Delikte vorbestraft ist, bereits im November vergangenen Jahres am Nürtinger Amtsgericht angeklagt worden.

Im Verlauf der Verhandlung stellte das Gericht allerdings fest, dass der Beschuldigte infolge seiner Alkoholsucht und des permanenten Drogenkonsums möglicherweise nicht schuldfähig ist und daher in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen werden muss. Dies kann aber nur das Landgericht per Urteil veranlassen. Daher haben die Kirchheimer Richter den Fall nach Stuttgart abgegeben.

Die siebte Strafkammer hat nunmehr in einer mehrtägigen Verhandlung festzustellen, ob die Voraussetzungen für die Einweisung bestehen. Immerhin, so argumentierte der Staatsanwalt, müsse die Allgemeinheit vor dem Mann geschützt werden. Derzeit lebt der Beschuldigte in einem betreuten Altenheim und wird dort medikamentös ruhig gestellt.

Der Prozess wird am Dienstag, 15. Juni, mit Zeugenvernehmungen und einem Sachverständigen fortgesetzt.