Lokales

Waldinventur ergibt ein „gut“ bis „sehr gut“

Neidlinger Gemeinderat informiert sich ausgiebig über den Gemeindewald

Der weiße Jura mit seinem basischen Boden puffert den sauren Regen, außerdem ist die Nährstoffversorgung exzellent. Deshalb geht es dem Neidlinger Wald deutlich besser als dem in vielen anderen Gemeinden.

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Peter Dietrich

Neidlingen. Weil es sich zumeist um naturnahen Buchen-Mischwald handelt, ist Forsteinrichter Oliver Braun auch bei einem zu befürch­tenden Temperaturanstieg um ein bis eineinhalb Grad optimistisch. Insgesamt 267 Hektar bedeckt der Neidlinger Gemeindewald. Dem theoretischen Rück- und Ausblick auf jeweils ein Jahrzehnt in der jüngsten Gemeinderatssitzung ging eine gemeinsame Waldbegehung voraus. Jahrzehnt? Ja, denn der in der Politk oft vermisste lange Atem ist in der Waldwirtschaft zu finden, sie plant in größeren Zeiträumen. Dies ist auch nötig, der Altersaufbau des Neidlinger Waldes zeigt es: Rund 50 Hektar sind mit Bäumen bewachsen, die zwischen 120 und 140 Jahre alt sind, weitere 40 Hektar mit Bäumen zwischen 80 und 100 Jahren. Wobei es, wie Braun betonte, um „keine sozialistische Planwirtschaft“ gehe, denn bei Preisänderungen auf dem Holzmarkt oder anderen Entwicklungen wird flexibel reagiert.

Vergleicht man die Vorratsfestmeter von 2007 mit denen von 1997, trifft man auf fast identische Werte. Das bedeutet, dass nur so viel Holz genutzt wurde, wie gleichzeitig nachgewachsen ist. Trotzdem soll im kommenden Jahrzehnt etwa zehn Prozent weniger Holz geschlagen werden wie zuvor. Weil die Bewirtschaftung in den Hanglagen schwierig ist, erbrachte die Bewirtschaftung des Neidlinger Gemeindewalds bis ins Jahr 2006 ein Defizit. Weil anschließend die Holzpreise stiegen, konnte 2007 ein kleiner Überschuss erwirtschaftet werden. Sollten die Preise so bleiben wird es auch 2008 einen kleinen Gewinn geben.

Am mit Abstand häufigsten vertreten ist die Buche, das soll auch in Zukunft so bleiben. Nur vier Prozent der Bäume sind Fichten, es sollen noch weniger werden. Braun beschrieb die Fichte als „labile Baumart mit mäßiger Wuchsleistung“, die „mit Trockenperioden und Rotfäule zu kämpfen“ habe. Anders der Ahorn, der langfristig zunimmt. Für Ahornholz guter Qualität, entgegnete Braun kritischen Nachfragen aus dem Gemeinderat, ließen sich gute Preise erzielen, sogar höhere als bei der Buche.

Von Schäden durch Schnee- und Eisbruch, Trockenheit und Insekten blieb der Neidlinger Wald im vergangenen Jahrzehnt weitgehend verschont. Nur etwa vier Prozent der Nutzung entfielen auf Sturmholz. Zwar sorgte Rehwild für einigen Verbiss, doch es wuchsen ständig so viele Buchen, Eschen und Ahornbäume nach, dass dies vom Wald zu verkraften war. Zahlreiche Schutzzäune wurden abgebaut, neue Kulturzäunungen sind nicht geplant. Sie seien, erläuterte Braun, zum einen teuer und zum anderen oft nicht dicht. Nur einzelne Bäume sollen wenn nötig geschützt werden. Bei der Jungbestandspflege bescheinigte Braun dem Neidlinger Wald einen „guten“ Pflegezustand, bei der Durchforstung sogar einen „sehr guten“. Damit kann der Waldsein dreifaches Ziel gut erreichen: Für Braun stehen die Erzeugung hochwertigen Holzes und der Schutz von Boden, Wasser, Klima, Luft sowie Tier- und Pflanzenwelt im Vordergrund. Dem untergeordnet sei das dritte Ziel, der Erhalt des Waldes für die Erholung der Menschen.

Zurückhaltend war in jüngster Zeit die Nachfrage der Neidlinger nach Brennholz. Wer solches bestellt hat, wird es daher mit Sicherheit bekommen, wurde dem Gemeinderat versichert.