Lokales

Wallach Willi vor den Löwen gerettet

Wallach Willi sollte von den Löwen in der Wilhelma verspeist werden, Hund Remus wartete im Tierheim aufs Sterben. In ihrem neuen Zuhause sind beide aufgeblüht, dank ein paar Tierfreunden, die auf einem Aussiedlerhof am Reichenbacher Ostring einen Platz für sie gefunden haben.

KARIN AIT ATMANE

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REICHENBACH Eigentlich suchten Marion Bauer und ihr Mann Erwin nur ein Häuschen am Ortsrand, mit zwei Boxen für ihre Pferde. Jetzt besitzen sie ein Vierfamilienhaus und einen Stall, in dem 15 Pferde stehen, eigene und Pensionsgäste, darunter ein paar alte und kranke. Geplant war das nicht, aber es nahm seinen Lauf, als das Ehepaar sich entschloss, den ehemaligen Hof von Martin Christ am Reichenbacher Ostweg zu kaufen. Der war ein paar Nummern größer als die Vorstellungen der Bauers, bot aber die Chance, in der Gegend zu bleiben. Einige der bisherigen Pensionspferde blieben, Bekannte mit ihren Tieren kamen hinzu und schon war der Stall voll.

Drin stehen Shetland-Pony Ronja, das wegen einer Fehlstellung der Hüfte behindert ist, und Elmar, das ausgemusterte Schulpferd eines Reitvereins. Ebenso Bauers Vollblüter Kasper und der 21-jährige Sammy, die früher als Rennpferde ein hartes Los hatten. Die Stallbelegung zeigt schon: "Da haben sich ein paar Leute getroffen, die ähnlich veranlagt sind. Die können alle nicht zuschauen, wenn ein Tier leidet", sagt Marion Bauer.

Der nächste Notfall ließ nicht auf sich warten. Margit Fahrion und Ronald Watzl, inzwischen ebenfalls mit mehreren Tieren auf dem Hof wohnend, trafen auf Willi: ein stattlicher Schimmel mit Stockhöhe 1,70 Meter, aber wegen seiner Arthrose nicht mehr für die Besitzerin interessant. Willi wäre geschlachtet und den Löwen in der Wilhelma gefüttert worden. Doch bei den "Tierverrückten" vom "Bauernhof" schrillte die Alarmglocke. Aber wohin mit dem imposanten Kerl, wenn alle Boxen belegt sind? In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde durch Umräumen und Umbauen eine Box für den Wallach geschaffen. Dafür mussten die Meerschweinchen und der Hase umquartiert werden.

Noch einer bekam nicht nur sein Gnadenbrot, sondern ein neues Leben geschenkt: Hund Remus, ein Bouvier, der seine ersten zehn Lebensjahre eine Firma bewacht hatte, immer an der Kette, bis ihm das Halsband eingewachsen war. Danach siechte er im Tierheim in Göppingen dahin. Dort haben Bauers ihn öfter gesehen. Nach ihrem Umzug holten sie ihn zu sich, "eigentlich zum Sterben". Nun trottet der zottelige Kerl gemütlich seine Runden auf dem Hof. Er ist schwerhörig und wegen Schilddrüsenproblemen auf Medikamente angewiesen, aber sichtlich aufgeblüht. Die zahlreichen kahlen Stellen, die er aufwies, sind wieder behaart mit schwarzem Fell, während er sonst schon ergraut ist.

Remus genießt geduldig und gutmütig sein Dasein: "Der ist unheimlich dankbar", sagt sein Frauchen, "der verträgt sich mit allen. Dabei könnte ich verstehen, wenn der böse geworden wäre, bei allem, was er durchgemacht hat". So fängt für Marion Bauer der Tag erst richtig an, wenn sie abends aus dem Büro kommt. Auch ihr Mann hätte sich früher kaum träumen lassen, dass er alte Pferde und einen halb tauben Hund versorgen würde, ebenso wie drei Mutterschafe und diverse andere Tiere. Sicher ist nur, dass immer was los ist: "Entweder musst du nachts um halb drei noch zum Tierarzt oder sonstwas", sagt die Hobbybäuerin, die mit ihrer Situation rundum glücklich ist: "Anders könnte ich mir es nicht vorstellen", sagt sie.

pm