Lokales

War Messerattacke versuchter Totschlag?

Beim Streit um ausstehenden „Lohn“ plötzlich auf Kontrahenten eingestochen

Bernd Winckler

Kirchheim. Am 6. November vergangenen Jahres verhandelte das Kirchheimer Amtsgericht gegen den 40-jährigen Mann wegen Körperverletzung. Er soll am späten Nachmittag des 17. Januar 2007 zunächst in seiner Wohnung in der Eisenbahnstraße verbalen Streit mit einem Mann bekommen haben, für den er Holzarbeiten erledigt hatte. Es sei dabei um eine restliche Lohnzahlung, allerdings für die Leistungen einer Schwarzarbeit, gegangen.

Der Streit endete mit einem Messerstich gegen das Opfer, wobei die Kirchheimer Richter den Fall nun nicht mehr als Körperverletzung, sondern als versuchten Totschlag einstuften.

Am jetzt dafür zuständigen Landgericht Stuttgart wird nun sei gestern gegen den 40-Jährigen deswegen verhandelt. Mit Faustschlägen ins Gesicht habe er nach dem verbalen Streit den Mann traktiert und dann plötzlich ein 30 Zentimeter langes Messer gegen ihn eingesetzt. Mehrere Versuche, damit in die Brust des Opfers einzustechen, scheiterten an der heftigen Gegenwehr.

Danach sei der Mann ins Freie geflüchtet und rannte 200 bis 300 Meter die Stuttgarter Straße entlang, um dem Messer-Angreifer zu entkommen. Allerdings sei er dabei an ei- ner Verkehrsinsel gestolpert und von dem Angeklagten deshalb eingeholt worden. Und der soll jetzt laut Anklage erneut auf den am Boden liegenden mit dem Messer eingestochen und ihm dabei bis zu zwei Zentimeter lange Schnitte am Halsbereich zugefügt haben, die im Kirchheimer Krankenhaus behandelt werden mussten. Dabei habe er geäußert: „Ich bring euch alle um.“

Erst als ein dritter Mann mit einer Schreckschusspistole im Anschlag erschien und den Angeklagten damit bedrohte, habe dieser von seinem Opfer abgelassen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schnittverletzungen beim Opfer immerwährende Narben hinterlas- sen und begründet damit eine „schwere Körperverletzung“, die allerdings auch als versuchter Totschlag verurteilt werden könnte.

Der Angeklagte selbst machte vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer Notwehr geltend. Er gibt an, dass der andere ihn zuerst angegriffen und auch verletzt habe. Weil das Opfer auf ihn eingeschlagen habe, wollte er ihm die Schläge zurückgeben. Das Messer habe er nur deshalb bei sich gehabt, „um mich damit zu schützen“. Aber er habe nur den Messerrücken als Schlagwerkzeug benutzt und von „umbringen“ habe er nichts gesagt.

Mithilfe eines Sachverständigen zur Frage des Alkoholspiegels zur Tatzeit und der Vernehmung von vorerst 14 Zeugen wollen sich die Richter ein genaues Bild des Tatablaufs verschaffen. Es sind Verhandlungstage bis Ende des Monats terminiert.

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