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Waren Kandidatennicht erwünscht? Zum ...

Waren Kandidatennicht erwünscht?

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Zum Artikel "Chemische Keule zu teuer und nicht erwünscht", im Teckboten vom 17. Mai:

Der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine hatte eingeladen, doch nur die CDU-Abgeordneten kamen. Im Artikel heißt es dann bedauernd, dass dies "die einzigen der Einladung gefolgten Politiker" waren. Stellt sich die Frage, wer denn tatsächlich eingeladen wurde. Waren es, wie in der Einleitung formuliert, nur die Abgeordneten aus Bund und Land, so waren ja immerhin zwei von vier lokalen Abgeordneten da. Sollten aber tatsächlich "Politiker" eingeladen werden, so hätte eine Einladung an die bereits nominierten lokalen Landtags- und Bundestagskandidaten sicher nicht geschadet (bis 2001 waren es immerhin vier Landtagsabgeordnete im Wahlkreis).

Als FDP-Landtagskandidat kann ich nur sagen: wenn ich irgendwohin eingeladen werde, komme ich oder sage begründet ab. Auf der Homepage des Obst- und Gartenbauvereins Notzingen heißt es: " . . . lud die Bundes- und Landespolitiker aller Fraktionen [ . . . ] ein." Dazu kann ich anbieten, dafür die vorhandenen innerparteilichen Kontakte zu nutzen. Aber auch dazu müsste ich von einem solchen Termin wissen. Das geht bei allem Bemühen leider nicht, wenn ich erst hinterher davon aus der Zeitung erfahre . . .

Frank Schweizer

Kirchheim, Weileräcker

Selbstmord mitMesser und Gabel

Mit dem, was der Einzelne isst, entscheidet er über seine Gesundheit und über das Ende seines Daseins. Der technische Fortschritt und das Bestreben der Menschen, den Fortschritt bis zum Äußersten zu nutzen, beschert uns einen "Gemeinsamer Selbstmord durch Strahlen".

Der Wunsch einer Minderheit unserer Gesellschaft, alle Möglichkeiten des technischen Fortschrittes für immer mehr Bequemlichkeit auszunutzen, gefährdet die ganze Gemeinschaft. Seit vielen Jahren wissen wir, dass die Strahlen von den Mobilfunkantennen schädlich sind. Besonders für Menschen, die in der näheren Umgebung eines solchen Sendemastes wohnen. Die Streitereien um die Höhe der Grenzwerte sind ein Beweis für die Schädlichkeit solcher Strahlen. Das Gewinnstreben der Betreiber, die Verantwortungslosigkeit der Politiker und die Trägheit der meisten Menschen lässt es aber zu, dass immer mehr Sendemasten aufgestellt werden. Das Gewinnstreben einer Minderheit unserer Gesellschaft ist der Grund für diese widersinnigen Installationen.

In Bissingen sprach in diesem Zusammenhang ein Gemeinderat von der "Wahl zwischen Pest und Cholera" und zur Auseinandersetzung in Ohmden wurde im Bericht angemerkt, dass "auch ein kleines Sümmchen der klammen Gemeindekasse ziemlich gelegen" komme.

Der Tanz um das Goldene Kalb wird immer hektischer. Das widersinnige und lebensfeindliche Verhalten der im Wohlstand lebenden Menschen steigert sich immer schneller. Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird. Die immer höheren Kosten für die Behandlung von Kranken und die Pflege der Alten werden uns auch immer mehr belasten.

Noch verhängnisvoller wird sein, dass wir mit dem Genießenwollen des so genannten Fortschrittes das Gefühl für gut und schlecht verlieren. Das als Instinkt bezeichnete Empfinden wird geringer werden und die Gleichgültigkeit gegen neue Gefahren größer. Die Abwehrreaktionen werden durch die Dauerbestrahlung nachlassen. Können wir etwas dagegen tun?

Kurt Reinhard

Kirchheim, Hindenburgstraße

Erfahrung der Freiheitund ihre Grenzen

Zum Leserbrief "Ethik ab der Klasse 1", im Teckboten vom 9. Mai:

"Dass eine spezielle Werteerziehung bereits ab Klasse 1 sinnvoll und notwendig ist, dürfte für alle, die Schüler täglich erleben, unbestritten sein". Damit wird die Forderung begründet, mehr Unterrichtsstunden für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Ich bestreite die Berechtigung dieser Forderung in mehrfacher Hinsicht. Wer Werteerziehung betreibt, versucht Schüler an Werte zu binden. Da diese einem ständigen Wandel unterworfen sind und nie ohne Ausnahmen gelten, taugen sie nicht zur Grundlegung von Erziehung. Werteerziehung unterstellt, jemand könne einen anderen zum Einhalten eines bestimmten Wertes erziehen. Jede Erziehungsabsicht findet aber ihre unüberschreitbare Grenze in der "Erfahrung der Freiheit" (Schiller) des Schülers. Die Erfolglosigkeit der Werteerziehung ist nicht Ausdruck einer Schwäche der Lehrer, sondern sie ist in der Aufgabenstellung selbst angelegt.

Der deutsche Begriff Bildung, durch Humboldt auf eine bis heute unüberbotene Weise fixiert, verknüpft systematisch sachliche, sittliche und ästhetische Gesichtspunkte, die es im Hinblick auf jede einzelne Handlung eines Menschen durch Lehrer und Schüler hervorzubringen gilt. Zu bedenken ist dabei, dass Bildung immer auf eine doppelte Grenze trifft, die mit dem Menschen selbst gegeben ist: es ist die Erfahrung der Freiheit des Sich-Bildenden, und die prinzipielle Vorläufigkeit menschlicher Erkenntnisse, Einsichten und Gestaltungen. Daraus folgt nicht, dass alles beliebig ist, sondern die pädagogische Führungsaufgabe des Lehrers, aus Anlass eines bestimmten fachgebundenen Themas das bis heute erreichte Wissen einzuholen, darauf bezogene heute mögliche Wertungen sorgfältig zu durchdenken, um dann zu wohl erwogenen Handlungen zu kommen, im Wissen um ihre Vorläufigkeit.

Ethik-Unterricht scheint das Versprechen zu beinhalten, junge Menschen besser machen zu können. Das ist der alte platonische Irrtum, den schon Sokrates skeptisch in Frage gestellt hat. Dieser wird durch mehr Stunden nicht behoben, sondern lediglich auf Dauer gestellt.

Henrik Westermann

Oberlenningen,

Wachterbergstraße

Die Sach- und Rechtslageist genau umgekehrt

Zum Artikel "Das Notariatswesen wird neu geordnet", im Teckboten vom 21. Mai:

Leider mehren sich die Anzeichen dafür, dass eine an Effizienz und Bürgernähe kaum zu überbietende Einrichtung des Landesteils Württemberg auf dem Altar der europäischen Gleichschaltung geopfert werden wird: Das württembergische Bezirksnotariat, das sich in vielen Jahrzehnten durch die Zusammenfassung von Notar, Nachlassrichter, Vormundschaftsrichter und Grundbuchrichter in einer Person hervorragend bewährt hat, wird wohl nicht mehr lange fortbestehen.

Was die Zerschlagung dieser Institution für den Rechtssuchenden an Nachteilen mit sich bringt, wird diesem wohl erst bewusst werden, wenn er künftig für die Bearbeitung eines Vorgangs mehrere Behörden in Anspruch nehmen muss.

Der Hinweis im Bericht vom 21. Mai, wonach "ein Teil der Gebühren der Bezirksnotare im Württembergischen der Landeskasse zugute" komme, bedarf jedoch einer Richtigstellung: der weitaus überwiegende Teil der von den württembergischen Notaren eingeforderten Gebühren für ihre Beurkundungstätigkeit steht von vorn herein zu 100 Prozent der Staatskasse zu. Lediglich bei einigen wenigen, zur Erhaltung des Rechtsfriedens besonders wünschenswerten Beurkundungen ist der Notar an den Gebühren beteiligt, jedoch steht auch hier der Staatskasse der weitaus größte Teil zu. Von dem hiernach dem Notar verbleibenden Anteil ist dann noch die tarifliche Einkommenssteuer zu entrichten.

Die Sach- und Rechtslage ist also genau umgekehrt: Der Bezirksnotar, der sich meist weit über seine beamtenrechtliche Dienstpflicht hinaus engagiert, erzielt überwiegend Einnahmen zu Gunsten der Landeskasse, an denen ihm als Leistungsanreiz ein sehr geringer Teil überlassen wird.

Dieter Straub

Aufsichtsführender Notar beim

Notariat Kirchheim unter Teck,

Kirchheim, Teckstraße

Kommt Förderprogrammtatsächlich vom Eis?

Zum Artikel "Geothermie Karl Ziummermann widerspricht Landes-SPD Die Förderung läuft weiter" im Teckboten vom 10. Mai und und zum Leserbrief "Wahrlich ein Rohrkrepierer", im Teckboten vom 12. Mai:

Die heftige Reaktion des CDU-Abgeordneten Zimmermann vom 10. Mai auf die Pressemitteilung seiner SPD-Landtagskollegin Carla Bregenzer zeigt, wie genau sie den Nerv getroffen hat. Ganz besonders deutlich wird das daran, dass er versucht, den Schwarzen Peter nach Berlin zu schieben.

Die direkte Bundesförderung für reine Wärmeerzeugungsanlagen wie die bodennahe Geothermie wurde ersetzt durch zinsgünstige Kredite bei der bundeseigenen KfW-Bank und durch neue Programme für nachhaltige Stromerzeugung. Jeder, der sich für erneuerbare Energienutzung interessiert, weiß, dass die CDU-Bundestagsfraktion alle Gesetzentwürfe zur Förderung abgelehnt hat. Dank der rot-grünen Bundestagsmehrheit wurde das Gesetz Realität und so werden heute Windkraft, Solarenergie, große und kleine Wasserkraft, Biogas- und Holzhackschnitzelanlagen sowie die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen gefördert.

Wäre es nach dem Willen der CDU gegangen, gäbe es das alles nicht. Aber das erscheint auch logisch, wenn man wie diese die Atomkraftwerke länger laufen lassen will, dann braucht man sich ja auch mit alternativer Energiegewinnung nicht anzustrengen, im Gegenteil. Die neue Umweltministerin will eine Laufzeit von 50 statt 32 Jahren. Ich bin gespannt, ob die Hoffnung trägt oder trügt, dass das Förderprogramm im Juni wieder vom Eis geholt wird, einen entsprechenden Antrag der SPD-Landtagsfraktion dazu wird es spätestens Anfang Juni geben. Wenn es auch beschämend wenig ist, so ist es doch besser als nichts.

Sabine Fohler

Reichenbach, In den Amseläckern

SPD-Zweitkandidatin

im Wahlkreis Kirchheim

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