Lokales

Warnung vor "Krankheitswelle"

Die Arbeitsgruppe Diabetes und Sport hat der Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts den Kampf angesagt. Auf die Initiative einer Gruppe von Ärzten und Vertretern des öffentlichen Gesundheitswesens hin wurden im Kreis in den vergangenen drei Jahren 15 Diabetiker-Sportgruppen ins Leben gerufen. Nun sollen die Betroffenen zu mehr Bewegung animiert werden.

SIMONE DEITMER

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Acht Millionen Menschen sind in Deutschland von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen. Bis 2010 rechnen die Mediziner mit 14 Millionen Patienten es rollt eine gigantische Krankheitswelle auf das Land zu. Diabetologe Dr. Thomas Klein, Facharzt für Innere Medizin am Paracelsus-Krankenhaus in Ruit, fürchtet: "Das Gesundheitssystem wird unter den Kosten vollkommen zusammenbrechen." Immer häufiger sei die Erkrankung auf falsche Lebensweise zurückzuführen. Was früher Altersdiabetes genannt wurde, tritt heute bereits bei 16-Jährigen auf. Die Folge sei, dass sich die Lebenserwartung der Betroffenen im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes bei unzureichender Behandlung um ein Drittel reduziere. Die Amputation von Gliedmaßen, Dialyse-Therapie oder Erblindungen können ebenfalls folgen.

Dieses düstere das die Vertreter des Gesundheitswesens vorhersagen, ist durch immer stärker auftretende Risikofaktoren bedingt. Falsche Lebensweise und Ernährung nehmen in der Bevölkerung weiter zu, so Klein. Das Rezept, das diese Entwicklung stoppen kann, klingt einfach und logisch: Ein gesunder Lebenswandel, sind sich die Fachleute einig, kann der Erkrankung vorbeugen. Konkret heißt das: mehr Bewegung und gesunde Ernährung. Diese Formel hilft nicht nur präventiv, sondern mildert auch die Folgeerscheinungen bei Erkrankten.

"Auch alte Menschen können Sport treiben", appelliert der Kardiologe und Vorsitzende des Diabetes-Schulungsvereins Kirchheim/Nürtingen, Dr. Norbert Smetak. Patienten rät er, mindestens drei Mal pro Woche gemäßigt Sport zu treiben. Die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit, wie verringerte Sterblichkeit, Senkung des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels sowie gesteigerte Insulinsensivität seien erwiesen. Die Sportgruppen für Diabetiker unter Anleitung von geschultem Fachpersonal seien ein wichtiger Bestandteil der Diabetiker-Versorgung, so die Mediziner.

Auf Initiative einiger Vertreter des Gesundheitssystems und der Krankenkasse AOK hin sind im Bereich Esslingen 15 Gruppen eingerichtet worden. Weitere im Raum Kirchheim und Nürtingen sollen folgen. "Ziel ist es, die Diabetiker aus ihrer Lethargie zu holen", sagt Dr. Detlef Kollmeier, Chefarzt am Krankenhaus Plochingen. Die Erfahrungen, die bisher in den Gruppen gemacht wurden, sind positiv: "Die Patienten fühlen sich besser, sie bewegen sich gern, es gab nie Komplikationen und aufgegeben hat bisher keiner", so Kollmeier.

Den finanziellen Beitrag für die Sportgruppen übernehmen nach einer Überweisung durch den Arzt anfangs die Krankenkassen. Ziel der Initiative ist es, noch mehr Sportgruppen zu etablieren und vor allem mehr Betroffene zu erreichen. Generell wünschen sich die Ärzte, dass sich bereits Kinder mehr bewegen und dass gesunde Ernährung in der Schule eine größere Rolle spielt.