Lokales

Warten können

Ich mag Pfeffernüsse. Vor einigen Jahren kaufte ich mir welche, sobald ich sie im Laden gesehen hatte vielleicht so etwa Mitte Oktober. Gleich eine große Tüte. Ein paar davon aß ich sofort auf, die anderen wollte ich aufheben für die Adventszeit, denn in diese Zeit gehören Pfeffernüsse für mich, in diese Zeit mit Kerzenschein, gemütlichem Zusammensitzen und Geschichten hören, mit Nüssen und Mandarinen und der Vorfreude auf Weihnachten. Das Verzichten machte mir nicht allzu viel aus, zumal ich die Nüsse ja schon hatte.

Als endlich die Adventszeit gekommen war, Anfang Dezember, kam die Enttäuschung: die Pfeffernüsse waren hart geworden und schmeckten nicht mehr. Ich hätte sie gleich essen sollen, im Oktober oder spätestens Anfang November. Und dann hätte ich neue nachkaufen sollen, und möglichst noch andere Leckereien dazu, die ja auch in diesem Jahr schon längst wieder in den Regalen stehen und beworben werden.

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Es ist nicht mehr nötig zu warten, alles ist jederzeit zu haben, ja es scheint sogar besser zu sein, nicht zu warten, sonst wird man noch enttäuscht oder kommt am Ende zu spät. So wird es uns zumindest vorgemacht. Aber so verlieren wir immer mehr das Gespür für Rhythmen und Rituale, für besondere Zeiten und dafür, auf etwas warten und sich freuen zu können. Wenn alles jederzeit zu haben ist, dann verliert der Augenblick, ein Tag oder auch ein Fest sein besonderes Gewicht, wird beliebig und letztlich langweilig.

Auch das wunderbare Fest der Geburt Jesu mit seiner besonderen Stimmung und Freude und der Verheißung, dass Frieden werden soll unter den Menschen und mit Gott. Es ist gut, sich zu erinnern: alles hat seine Zeit. Advent ist Zeit der Vorbereitung auf das Kommen Christi, Zeit in sich zu gehen und inne zu halten, nachzudenken, den Kindern zu erzählen und Buße zu tun, wie es in biblischer Sprache heißt. Advent ist im Dezember. Und Pfeffernüsse kaufe ich erst dann.

Juliane Baur

Pfarrerin in der evangelischen

Christuskirchengemeinde

in Kirchheim