Lokales

Was feiern wir eigentlich?

Warum veranstalten wir am Silvesterabend eigentlich ein Feuerwerk und lassen die Sektkorken knallen? Was gibt es da eigentlich zu feiern? Vielleicht ist es ja einfach nur die Sehnsucht der Menschen nach einem echten Neuanfang. Wir wünschen uns, dass die Fehler und Probleme des vergangenen Jahres jetzt keine Rolle mehr spielen und wir noch einmal von vorne anfangen können. Wir feiern das neue Jahr als neue Chance in unserem Leben. Leider kommt dann meist am nächsten Morgen schon wieder die Ernüchterung und wir müssen mit Erschrecken feststellen, dass doch irgendwie alles beim Alten geblieben ist. Die Menschen, mit denen wir zu tun haben, sind immer noch die selben, unser Kontostand hat sich mit dem Jahreswechsel nicht schlagartig verbessert und auch wir selbst haben immer noch genauso viele Schwächen und Defizite wie im vergangenen Jahr. Ist also der Jahreswechsel nur eine schöne Illusion, aber eigentlich gar kein Neuanfang? Feiern wir in der Silvesternacht also etwas, dass es gar nicht gibt?

Die Jahreslosung für das neue Jahr weist in eine andere Richtung: Das Bibelwort, das für alle Christen über 2007 als Verheißung steht, stammt von dem Propheten Jesaja und lautet: "Gott spricht: Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?" (Jesaja 43, 19a).

Anzeige

Dieses Wort war ursprünglich einmal an die Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft gerichtet. Sie waren nach einem schlimmen Krieg aus ihrer Heimat vertrieben worden und mussten jetzt im Land ihrer Feinde leben. Kein Wunder, dass die meisten resigniert hatten und von der Zukunft nichts mehr erwarteten. Da tritt der Prophet Jesaja als Hoffnungsbote auf und präsentiert ihnen eine Botschaft, die von einer ganz anderen, positiven Zukunft erzählt.

Wenn wir diese Verheißung der Bibel auch für uns in Anspruch nehmen, dann heißt das: Es ist nicht notwendig, dass wir selbst einen Neuanfang produzieren oder uns anstrengen, es in Zukunft besser zu machen. Gott selbst ist es, der in unser Leben eingreifen und etwas verändern möchte. Wenn wir uns auf sein Wirken einlassen, dann müssen wir nicht mehr an unserer scheinbar ausweglosen Situation resignieren.

Gott sagt uns mit diesem Wort zu, dass die Veränderung, nach der wir uns sehnen, schon begonnen hat. Vielleicht sehen wir noch nichts davon, aber es ist ähnlich wie bei einer Pflanze, deren Wachstum zunächst unsichtbar in der Erde beginnt, bis dann nach einiger Zeit in kleines Pflänzchen sichtbar wird. Und mit der Zeit wächst dieses Pflänzchen dann zum großen Strauch oder zur herrlichen Blume heran. "Gott spricht: Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?" Als Christen nehmen wir diese Verheißung der Bibel ernst und verlassen uns darauf. Gott kann und will die Situationen in unserem Leben verändern und verbessern, die uns Mühe machen. Seine Liebe schenkt uns immer wieder die Chance zu einem Neuanfang und langsam aber sicher kann sich auch in unserem Leben etwas Positives und Großes entwickeln. Das ist dann wirklich ein Grund zum Feiern!

In diesem Verständnis wünsche ich Ihnen ein gutes und gesegnetes Jahr 2007. Pastor Volker Seybold Evangelisch-methodistische Kirche, Kirchheim