Lokales

Was für Aussichten. . . 

Vor dem gleichen Problem wie Ohmden standen in den vergangenen Jahren auch schon andere Kommunen: Was tun mit dem alten Wasserturm? Ein Blick in die nähere und weitere Umgebung zeigt: Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Das Paradebeispiel für eine gelungene Umnutzung eines Wasserturms in der näheren Umgebung liegt sozusagen direkt um die Ecke im Nachbarlandkreis Göppingen: 2007 quasi schon dem Abriss geweiht, ist der Reinhold-Maier-Turm in Börtlingen heute ein Vorzeigeobjekt. Zu verdanken hat er sein Weiterbestehen der Börtlinger Bevölkerung. Die wehrte sich nämlich vehement gegen den Abriss des Wahrzeichens. Tatsächlich gelang es, in Verhandlungen mit der Landeswasserversorgung und dem Verband Region Stuttgart Fördermittel zu erhalten. Heute ist das schicke, grün-weiß gestreifte Bauwerk, das auch „Schwäbischer Leuchtturm“ genannt wird, ein Aussichtsturm direkt am Kaisersträßle. Und nicht nur das: Paare können sich dort bei einer ganz besonderen Hochzeitsfeier das Ja-Wort geben, Adrenalinjunkies haben zu bestimmten Terminen Gelegenheit, sich von dem Bauwerk abzuseilen.

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Dass sich aus einem Wasserturm auch ein Kunstwerk machen lässt, zeigen gleich zwei Beispiele. So etwa in Lichtenwald im Kreis Esslingen. Zwar ist der Wasserturm dort nach wie vor in Betrieb. Trotzdem ist er etwas ganz Besonderes. Als vor 20 Jahren die Renovierung des Turms anstand, kam die Idee auf, ihn künstlerisch zu gestalten. Mithilfe von Spenden aus der Bevölkerung und mit Unterstützung eines Sponsors verschönerte ein Künstlerehepaar den Hochbehälter mit 30 000 Mosaiksteinen. Seither zieren golden gefasste, überlaufende Wassertropfen den Turm.

In ganz besonderem Glanze erstrahlt derzeit der Altdorfer Wasserturm im Landkreis Böblingen. Per Großformat-Diaprojektoren werden Licht und Formen auf den Turm gezaubert. Dieses Kunstprojekt ist Teil der dortigen Freiluftausstellung Scoulptura.

Eine zusätzliche Aufgabe hat ein zumindest noch in Teilen für die Wasserversorgung genutztes Exemplar im sächsischen Eilenburg erhalten: Dort wurden im Zuge der Sanierung des Turms Nistplätze für Mauersegler, Dohlen und Falken geschaffen.

Schon fast eine Ruine war der Wasserturm in Gifhorn in Niedersachsen gewesen, nachdem er jahrelang stillgelegt war. Dann sprangen private Investoren in die Bresche: Sie bauten den Turm um und eröffneten ein Panorama-Café.

Im rheinischen Langenfeld hat sich dagegen eine Baufirma dem denkmalgeschützten Wasserturm angenommen. In ihm und einem Anbau schafft sie Privatwohnungen. Ebenfalls ein Wohngebäude geworden ist der Wasserturm im Kieler Stadtteil Ravensberg – allerdings eines der Luxusklasse. War das Kulturdenkmal nach seiner Stilllegung zunächst als Veranstaltungsort genutzt worden, sind dort nun edle Eigentumswohnungen zu finden.

Andere Türme werden als Jugendzentren, Galerien, Restaurants oder Begegnungsstätten genutzt.

Eines steht fest: Bei den meisten dieser Wassertürme sind die Rahmenbedingungen ganz anders als in Ohmden. Sie sind größer und prächtiger, stehen unter Denkmalschutz, gelten als stadtbildprägende Wahrzeichen, liegen mitten im Grünen und hatten ohnehin schon eine Plattform in luftiger Höhe. Mit solchen Pfunden kann das Ohmdener Exemplar auf seinem begrenzten Grundstück mitten im Wohngebiet natürlich nicht wuchern. Aber wer weiß –vielleicht reiht sich ja auch der Funktionsbau in der Trinkbachgemeinde bald in die Liste der ganz besonderen Wassertürme ein  . . .