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"Was ist sozial gerecht?"

Die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer fordert "gleiche Bildungschancen für alle" und spricht sich deshalb vehement gegen die Einführung von Studiengebühren aus.

KIRCHHEIM Bregenzers christdemokratischer Landtagskollege Karl Zimmermann hatte in der Diskussion um die Studiengebühren soziale Ungerechtigkeiten verneint. Carla Bregenzer, hochschulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, sieht die sehr wohl: "Abgeordnete können die Studiengebühren für ihre Kinder problemlos bezahlen, der selbstständige Heizungsbauer oder die Friseurin, der Facharbeiter oder die Verkäuferin, für die jede zusätzliche Belastung ein Risiko ist, muss seine Kinder im Studium Schulden machen lassen." Mehr zu arbeiten, gehe in den meisten Fällen nicht, da die Studi-Jobs sonst versicherungspflichtig würden. Außerdem sei das Studium inzwischen so gestrafft, dass immer weniger Zeit zum Jobben bleibe. Also müssten junge Leute Darlehen aufnehmen. Und wenn sie dann nach dem Studium erst mal jede Menge Praktika und Aushilfsjobs machen müssten, würden die Schulden weiter wachsen. "Wer keine betuchten Eltern hat, der zahlt nach sechs bis neun Semestern Studium mindestens eineinhalb mal so viel wie die anderen", rechnet die SPD-Landtagsabgeordnete vor, "was ist daran sozial gerecht?" Benachteiligt würden dadurch vor allem Frauen, die immer noch deutlich weniger verdienten als Männer und deshalb auch durch längeres Zurückzahlen länger Zinsen zahlen müssten.

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Karl Zimmermanns Begründung, man müsse Studiengebühren erheben, weil die Nichtakademiker das Studium der Akademiker bezahlten, werde durch die Einführung von Studiengebühren ad absurdum geführt, schreibt Carla Bregenzer in ihrer Pressemitteilung. "Gerade Studiengebühren führen dazu, dass sich diese Tendenz verstärkt. Es werden damit nicht mehr, sondern weniger Nichtakademikerkinder an die Hochschulen kommen. Nichtakademiker müssen unterm Strich in Zukunft mehr bezahlen fürs Studium der Akademikerkinder und für das ihrer Kinder", widerspricht Carla Bregenzer.

Wer Studiengebühren mit Kindergartengebühren vergleiche, wisse offenbar nicht, wie teuer ein Studium heute schon ohne Gebühren ist. Durchschnittlich 754 Euro monatlich brauchen junge Menschen in Baden-Württemberg fürs Studium, so die Berechnungen der Studentenwerke. Sie brauchen sie unter anderem für Lehrbücher, Arbeits- und Labormaterialien, für die Studentenbude und das Essen. "Wenn der Landtagskollege und Strafvollzugsbeauftragte behauptet, dass Studiengebühren in anderen Ländern der Welt nicht zum Rückgang von Studierendenzahlen geführt haben, dann kann ich nur sagen: Schuster bleib bei deinen Leisten, denn internationale Studien und Diskussionen belegen genau das Gegenteil", so Carla Bregenzer.

pm