Lokales

"Was noch fehlt, sind junge Männer . . ."

Ein Frauentrio lenkt seit dem Jahr 2001 den Schlierbacher Seniorentreff. Mit großem Erfolg: Mehr als 40 Besucher strömen einmal pro Woche in die Begegnungsstätte im Bürgerhaus. Auch sonst sind die Senioren recht umtriebig, unternehmen Ausflüge und blasen an Fasching wieder zum Rathaussturm.

BORIS-MARC MÜNCH

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SCHLIERBACH Es wird geredet, gelacht, gesungen und gestrickt beim Seniorentreff im Bürgerhaus. Die Spieler schauen beim Kniffel nicht auf und würfeln bis der Kopf raucht. An einem anderen Tisch haben sich einige Männer gefunden und spielen Skat, während ein paar Stühle weiter die Neuigkeiten vom "Flecka" ausgetauscht werden.

Insgesamt 44 Mal haben sich die Senioren im vergangenen Jahr getroffen. Im Schnitt suchen 43 Besucher jeden Donnerstag ab 14 Uhr die Begegnungsstätte im Bürgerhaus auf und bleiben dort bis 18 Uhr. Zwei Drittel sind allein stehende Frauen, die froh sind, wenn sie mal mit jemand reden können.

Dass der Seniorentreff in Schlierbach so gut läuft, ist einem Frauentrio zu verdanken: Emilie Ambach (61), Irene Kerner (64) und Ute Gneiting (50) übernahmen im Jahr 2001 die Leitung, nachdem Willy Mayerle aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Ohne die drei Frauen wäre die beliebte Begegnungsstätte, die Bürgermeister Paul Schmid 1991 ins Leben gerufen hatte, auf der Kippe gestanden.

Die drei Frauen waren aus dem Kreis der Teilnehmer vorgeschlagen worden. Sie führen die Initiative mit den 16 ehrenamtlichen Helfern wie einen Verein. Sie kochen Kaffee, decken die Tische ein, bestücken die Spülmaschine, schenken den Kaffee an den Tischen aus und machen später auch "rein Schiff". Auch die Ausflüge müssen organisiert werden, ob es nun eine Dampferfahrt auf dem Neckar ist oder der Besuch einer Besenwirtschaft. Tradition hat bei den Senioren der Rathaussturm an Fasching. "Da gehen wir ganz professionell in die Bütt", sagt Irene Kerner lachend.

Im Mittelpunkt steht aber nach wie vor der Treff in der Begegnungsstätte. Der soll künftig noch ausgebaut werden. "Viele Ältere können nicht mehr auf die Ausflüge mit, weil sie sich schwer tun beim Laufen", erklärt Ambach.

Kommunikation ist Schwerpunkt beim Seniorentreff. "Es kommen viele zu mir und erzählen, dass sie heute noch mit niemand geredet haben", berichtet Ambach. Früher seien die Senioren noch häufiger in die Familie integriert gewesen als heute. Umso mehr fieberten die Senioren dem Treff entgegen und seien ganz traurig, wenn das gemütliche Beisammensein in den Ferien ausfällt.

Lustig geht es am Binokeltisch zu: Dort sitzen jeden Donnerstag vier Frauen und zwei Männer. Mit 93 ist Gertrud Kerner die älteste. Das Spielen steckt ihr im Blut, was auch Tochter Irene merkt, wenn sie mal eine Runde mitklopft. Die Mutter sage dann immer zu ihr, "Mädchen, Du musst noch viel lernen beim Binokel". So viele Tische mit guter Laune, und es sind immer noch ein paar Plätzchen frei, wirbt die Führungs-troika. "Was noch fehlt, sind junge Männer, die uns die Tür aufhalten", sagt Ambach schmunzelnd.

Die 61-Jährige ist die treibende Kraft des Treffs. Die ehemalige Sekretärin einer Schlierbacher Firma macht die Kasse und kümmert sich um die Organisation: "Nach 40 Jahren Beruf ist der Treff der richtige Anreiz für mich, etwas zu tun", stellt Ambach zufrieden fest. Die Senioren zahlen für die Begegnungsstätte keine Beiträge. Der Raum wird von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Speis und Trank wird zum Selbstkostenpreis angeboten. Daneben gehen gelegentlich Spenden ein.

Im Frühherbst des vergangenen Jahres feierten die Senioren ihren insgesamt 500. Treff. Es werden wohl noch sehr viele weitere folgen, denn das Frauentrio harmoniert einfach ganz prächtig miteinander: "Wir denken alle in die gleiche Richtung und haben eine fröhliche Natur", betont Gertrud Kerner, die den Seniorentreff schon in seinen Anfängen miterlebte.