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Was (und wer) 2004 besonders "ins Gewicht" fiel

"Das Jahr 2004 kann so schlecht nicht gewesen sein", kommentierte Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich mit einem Augenzwinkern das Ergebnis des traditionellen Silvesterwiegens. Hat sich doch das Durchschnittsgewicht der 125 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die sich heuer dem "Wagnis, sich auf die Waage zu stellen" aussetzten, gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Pfund leicht erhöht.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Ebenfalls in bester Tradition nutzte Heirich, der ja in der Funktion als OB erstmals Gastgeber der Veranstaltung war, die Gelegenheit, die Gewichtsveränderungen in heiteren Worten in Zusammenhang mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktualitäten zu stellen. Auf das Siegerpodest schaffte es dieses Jahr erneut Volkmar Klaußer, der Nürtinger Stadtwerke-Chef. "Ich habe hart trainiert, um den Titel zu verteidigen", meinte er scherzhaft noch vor der Bekanntgabe des Ergebnisses. Am Ende wurde es dann aber doch noch knapp, denn Neu-Stadtrat Thomas Kress lag mit 274 Pfund nur vier Pfund hinter Klaußer mithin eben jene vier Pfund, die Letzterer im Vorjahresvergleich zugelegt hatte.

Bei den Frauen war Stadträtin Dr. Franziska Schaal die Leichteste, vor Ortschaftsrätin Gerda Laux aus Raidwangen. Um mit nur 95 Pfund im Nürtinger Gemeinderat bestehen zu können, brauche es eine gehörige Portion Kraft, zollte der OB Franziska Schaal seinen Respekt. Vorjahressiegerin Trude Maier, Verlegerin der Nürtinger Zeitung, war dieses Jahr nicht mit dabei.

Das Rennen um den leichtesten Teilnehmer machten zwei Jugendgemeinderäte unter sich aus: Stefano Cataldo (19) lag mit 116 Pfund knapp vor Fabian Hiller (118 Pfund).

Die Oppositionsarbeit in Berlin müsse ein hartes Brot sein, meinte OB Heirich im Hinblick auf die Gewichtsverschiebungen bei den Nürtinger Bundestagsabgeordneten. Während Michael Hennrich (CDU) zwei Pfund weniger auf die Waage brachte, hatten Rainer Arnold (SPD) um zwei und Uschi Eid (Bündnis 90/Grüne) um ein Pfund zugelegt. Arnold selbst führte die Zunahme auf 186 Pfund auf das leckere schwäbische Essen zurück: "In Berlin nehme ich immer ab, hier nehme ich zu." Hennrich dagegen war trotz Abnahme sogar etwas enttäuscht über seine 178 Pfund: "Nur zwei Pfund weniger, das steht in keinem Verhältnis zu dem hohen Aufwand an Arbeit und Sport." Uschi Eid konnte mit ihren 118 Pfund "gut leben", die sie wie immer ohne Schuhe als einzige übrigens auf die Waage brachte.

Der OB selbst, seit fast genau zwölf Monaten im Amt, konnte sich seinen Gewichtsverlust von vier auf 170 Pfund nicht so recht erklären: "Vermutlich habe ich die meinem Stellvertreter Rolf Siebert rübergeschoben, der hat nämlich vier Pfund zugelegt." Letzterer führte sein "maßvolles Wachstum" jedoch auf die Feiertage zurück.

Dass es ohne die "Bürde des Amtes" langsam wieder hoch gehe mit dem Gewicht, sehe man an seinem Vorgänger, spielte Heirich auf die mit einem Pfund freilich nur minimale Gewichtszunahme von Alfred Bachofer an. Bachofer selbst war denn auch mit sich zufrieden: Als Ruheständler könne er jetzt noch konsequenter Sport betreiben und so sein Gewicht "in gewohnten Dimensionen halten." Vor allem Windsurfen habe es ihm neben Laufen, Schwimmen und Inline-Skaten angetan.

Das Rentner-Dasein genießt seit September auch Peter Lächler, Ex-Vorstandsmitglied der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Er hat im Vergleich zum Vorjahr allerdings gleich zehn Pfund abgenommen. Auf die Frage nach dem Grund meinte Lächler, er müsse seither viel mehr schaffen: "Meine Frau setzt mich ein."

Die Turbulenzen in Stuttgart haben sich offensichtlich nicht auf das Körpergewicht der beiden Nürtinger Landtagsabgeordneten Jörg Döpper (CDU) und Dr. Ulrich Noll (FDP) niedergeschlagen, stellte OB Heirich fest. Noll, der vor zwei Jahren noch den Rekord beim Abnehmen geschafft hatte, legte wieder um zwei auf 166 Pfund zu. Döpper nahm sogar vier Pfund zu und liegt damit auch im direkten Vergleich der beiden Politiker vorne, die im Vorjahr beide exakt gleichviel gewogen hatten. Döpper kündigte deshalb sogleich an: "Die Pfunde müssen wieder weg."

Während Landkreis und Kommunen über schlechte Finanzen klagten, nähmen die Oberhäupter zu, so Heirich im Hinblick auf Gewichte von Landrat Heinz Eininger (186 Pfund, plus zwei), Bempflingens Bürgermeister Berndt Heidrich (178 Pfund, plus zwölf) und Großbettlingens frisch wiedergewähltem Schultes Martin Fritz, dessen zwei zusätzliche Pfunde trotz regelmäßigen Joggings vermutlich mangels Gegenkandidaten im Wahlkampf geschuldet sind. Der Landrat meinte, er nehme bei Stress eher zu als ab, weshalb er angesichts der Probleme wie Hartz-IV-Umsetzung und Haushalt mit diesem Ergebnis gerechnet habe.

Bei aller Heiterkeit, die das gesellschaftliche Ereignis wieder prägte, erinnerte Otmar Heirich aber auch an die schlimmen Nachrichten derzeit aus Südostasien, die betroffen machten. Es sei dringend notwendig, den von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen durch Spenden zu helfen. Mit Blick auf das neue Jahr sagte er, es gelte, mit Optimismus die Herausforderungen anzugehen.