Lokales

Waschanlage für die S-Bahn in Plochingen

Mit blitzblanken Zügen will die Bahn alle WM-Gäste durch die Region befördern. Hilfsmittel für diese Art von Imagewerbung ist eine neue Außenreinigungsanlage für S-Bahn-Züge, die gestern im Werk Plochingen eingeweiht wurde. Die 7,5 Millionen Euro teure Anlage hilft der Bahn auch dabei, die gestiegenen Anforderungen an den Umweltschutz zu erfüllen.

HARALD FLÖSSER

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PLOCHINGEN Das haben Sie sauber hingekriegt, gratulierte Plochingens Bürgermeister Eugen Beck zur rechtzeitigen Fertigstellung, eine Woche vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft. Launig fügte er hinzu: Was aus Plochingen kommt, ist blitzsauber.

Die neue Anlage umfasst eine Waschhalle, in der die S-Bahnen gereinigt werden, eine Halle, in der Graffiti beseitigt werden, sowie ein Technikgebäude. Mit dieser landesweit modernsten Reinigungsanlage können die rund 150 S-Bahn-Züge, die in Plochingen stationiert sind, künftig schneller und unabhängig vom Wetter gereinigt werden. Bei der 28 Jahre alten Vorgängeranlage sei bei Minusgraden kein Betrieb möglich gewesen, erklärte Werner Faulhaber, der technische Leiter der S-Bahn Stuttgart.

Die hohe Investition war auch aus Gründen des Umweltschutzes notwendig. Die neue vollautomatische Reinigung kommt mit 40 Prozent weniger Chemie und 30 Prozent weniger Wasser aus. Etwa die Hälfte des beim 40-minütigen Waschgang verbrauchten Wassers kann wiederverwertet werden. Die Fahrzeugwäsche erfolgt mit vier einzelnen Waschmaschinen, ähnlich wie in einer Autowaschanlage mit rotierenden Bürsten. Für die Beseitigung von Graffiti-Schmierereien wurde eine eigene Halle gebaut. Die Werke der Sprayer werden nach wie vor in Handarbeit abgeschrubbt. Dank einer besseren Belüftung bleiben den Arbeitern nun lästige Gerüche erspart.

Etwa eine Million Euro gibt die Bahn jedes Jahr allein in der Region Stuttgart aus, um Graffiti von den Zügen zu entfernen. "Uns war wichtig, dass wir zur WM fertig werden", sagte Hans-Albrecht Krause, der kaufmännische Leiter der S-Bahn Stuttgart. Aber auch den 330 000 Stammkunden, die an Werktagen die S-Bahn benutzen, müsse man ansprechende Züge bieten.

Die äußere Erscheinung spielt eine wichtige Rolle. Das bestätigte Jürgen Scherm, Ministerialrat im Innenministerium. Das Land habe sich anfangs geziert, einen hohen Zuschuss zu bezahlen, räumte er ein. Doch die nun bereitgestellten 4,7 Millionen Euro seien eine gute Investition für das Image des ÖPNV. Umso bedauerlicher sei es, wenn der Bund nun Regionalisierungsmittel kürzen sollte. Das Land werde sich dafür einsetzen, dass diese Kürzungen abgemildert werden, sagte Scherm.

Ins gleiche Horn blies Regionaldirektor Bernd Steinacher. Die Menschen würden immer älter, deswegen steige die Bedeutung der S-Bahn. Wir dürfen bei der Mobilität in der Region keine Abstriche machen, sagte Steinacher. Wenn im ÖPNV Kürzungen vorgenommen würden, passe das überhaupt nicht in die Zeit. "Wir dürfen im Bedienungsstandard nicht zurückgehen." Steinacher lobte die Arbeit der Bahn. Die S-Bahnen in der Region Stuttgart gehörten zu den pünktlichsten in der ganzen Republik. Er räumte ein, dass man in punkto Sauberkeit im Kundenurteil bisher nicht die gewünschten Noten erhalten habe.

Ein dickes Lob zollte auch Plochingens Bürgermeister Beck der Bahn. Gerade beim Umweltschutz habe sie mit der neuen Außenreinigungsanlage Vorbildliches geleistet.