Lokales

Wasserhochbehälter ist am Ende

Das marode Bauwerk wird durch einen Neubau ersetzt

Eigentlich hatte die Gemeinde Lenningen den Wasserhochbehälter Schopfloch sanieren wollen. Dazu hatte sie im Haushalt 160 000 Euro eingeplant. Doch die Ergebnisse eines Gutachtens des Ingenieurbüros RBS wave sind derart vernichtend, dass nun ein Neubau ansteht.

Lenningen. Der Wasserhochbehälter Schopfloch hat zwei Kammern: Die kleinere mit 100 Kubikmetern wurde im Jahr 1922 gebaut, das Bedienungshaus und die neuere Kammer mit 200 Kubikmetern in den Jahren 1958 und 1959. Bei der Sanierung eines anderen Hochbehälters wurde die Gemeinde mit unliebsamen Überraschungen konfrontiert. Daraus hat sie gelernt und ließ diesmal vorab eine umfassende Zustandsuntersuchung beider Kammern machen. Bürgermeister Michael Schlecht will es besser machen als die Stuttgarter Bahnhofsbauer, für die er einige kräftige Seitenhiebe übrig hatte: Sobald alles unumkehrbar sei, werde es plötzlich teurer.

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Das Ergebnis der Untersuchung: Die Decke der alten Wasserkammer ist undicht, es gibt starke Risse. Die Kammer ist nur durch eine kleine Öffnung zugänglich, die Wasserfläche lässt sich nicht überblicken. Rohre und Stahlträger sind korrodiert. Nach einer Begehung der geleerten älteren Kammer verweigerte das Gesundheitsamt die Wiederinbetriebnahme. Bei einer Sanierung bräuchte die alte Kammer eine komplett neue Stahlbetondecke. Dazu müsste, damit der Druck der Erde die Mauern nicht eindrückt, die komplette Kammer freigegraben werden. Das Wasserbecken bräuchte eine Auskleidung aus Edelstahl oder Kunststoff.

Derzeit wird Schopfloch dank Gesundheitsamt nur von der neueren Wasserkammer versorgt. Das bedeutet, dass es dort in nächster Zeit besser nicht brennen sollte. Denn das Speichervolumen von 200 Kubikmetern reicht nur für eines von beidem: Entweder wird die Bevölkerung mit Wasser versorgt oder es wird gelöscht. Eigentlich bräuchte Schopfloch, so eine Berechnung aus dem Jahr 2007, ein Speichervolumen von 400 Kubikmetern.

Auch in der neueren Wasserkammer gibt es Korrosion und feuchte Stellen am Dach. Auch hier besteht die Gefahr, dass Schadstoffe von außen im Wasser landen. Im Bedienungshaus sind Ziegel verwittert, Innen- und Außenwände sind feucht, es gibt von Algen befallene Fliesen und beschädigte Fenster. Die Technik ist veraltet, Datenübertragung nicht möglich. Karl-Heinz Buchholz von der RBS wave nannte im Gemeinderat noch weitere Mängel des Hochbehälters: Rohre haben einen Anstrich aus Bitumen, was nicht mehr zulässig ist, in den Wasserkammern fehlt eine Beleuchtung, ein Schaltschrank entspricht dem Stand der 1980er-Jahre.

Ist es sinnvoll, die alte Wasserkammer durch eine neue zu ersetzen und parallel die neue Kammer und das Bedienhaus zu sanieren? Buchholz riet ab. Zum einen wären sehr viele Arbeiten zu erledigen, zum andern würde eine Ersatzversorgung viele teure Provisorien erfordern. So käme diese Variante auf rund 520 000 Euro, vielleicht auch mehr.

Der komplette Neubau wäre mit 570 000 Euro kaum teurer. Platz gibt es in der Nähe genug. Er verlangt keine Provisorien und Schutzmaßnahmen, es entstünde ein neues Bauwerk nach dem Stand der Technik. Eventuell gäbe es für den Neubau sogar einen Zuschuss, diesen hat die Gemeinde vorsorglich bereits beantragt.

Ein Gemeinderat nach dem anderen folgte der Argumentation von Buchholz und sprach sich für den Neubau aus. Es gab deutliche Kritik, warum das Ausmaß der Schäden nicht vorher bekannt wurde. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte Bürgermeister Michael Schlecht. „Wir können glücklich sein, dass nichts passiert ist. Da hätte man schneller reagieren müssen.“ Ein Teil der Schäden sei erst zu sehen gewesen, als das Wasser abgelassen war, die Wasserqualität sei weiter in Ordnung gewesen.

Der Gemeinderat fasste noch keinen Baubeschluss. Aber einstimmig beauftragte er die RBS wave mit der Vorplanung.