Lokales

"Wasser-Raum" bewusst erlebbar gemacht

KIRCHHEIM "Lauter/Boote" so der Titel der Installation von Bertl Zagst, die den Winter über bei der Lauterbrücke an der Max-Eyth-Straße zwischen Kirchheimer Postgebäude und Gerberstraße zu sehen sein

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FLORIAN STEGMAIER

wird. Die bootsförmigen Körper aus weißem, auf ein filigranes Stahlgerüst gespanntem Gewebe gefertigt befinden sich nicht, wie man zunächst vermuten könnte, auf dem Wasser, vielmehr wurden sie über den Fluss gespannt und vermitteln den Eindruck eines schwerelosen Schwebens.

Die Objekte, die zudem nicht in Strömungsrichtung, sondern quer dazu ausgerichtet sind, werden an diesem Ort dem Wechsel von Tages- und Jahreszeiten, auch diversen Witterungseinflüssen ausgesetzt sein, sich somit stetig verändern und neue Eindrücke hinterlassen, letztlich ihr direktes Umfeld den Fluss, die Vegetation, die Architektur widerspiegeln und dem Betrachter bewusst machen.

Diese Qualität, nämlich städtischen Raum hier insbesondere den "Wasser-Raum" der Lauter, die Kirchheim zu großen Teilen unsichtbar, da kanalisiert, durchzieht wieder bewusst erlebbar zu machen, rückte auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in den Mittelpunkt ihres Grußworts zur Eröffnung der Installation auf der Lauterbrücke.

Bertl Zagst zeigte sich erfreut darüber, dass seine in Kirchheim entstandenen "Boote" nun auch im Bereich der Lauter "angekommen" seien. Er machte die zahlreichen Besucher darauf aufmerksam, dass die Lauter einstmals die Hauptlebensader der Siedlung gewesen war, heute jedoch kaum noch wahrgenommen werde. Nur noch wenige offene und ungeformte Orte lassen sie zutage kommen, bevor sie wieder unter einer Brückenkonstruktion oder einer wassertechnischen Anlage verschwindet.

Neben der Stadt Kirchheim galt der Dank des Künstlers nicht zuletzt seinen Helfern, die ihm bei der handwerklichen Realisierung der Installation unterstützt hatten.

Parallel zur Lauter-Installation ist Montag bis Freitag im Kunstraum Kornstraße 4 zu den üblichen Öffnungszeiten eine begleitende Dokumentation zu sehen. Großformatige Fotoausdrucke erinnern an ähnliche Projekte bei Rechberghausen, Tauberbischofsheim und Esslingen.

Die Dokumentationsausstellung liefert aber auch Eindrücke vom Entstehungsprozess der Objekte. So wird der Besucher in der Kornstraße 4 gleich von einem Diptychon empfangen es handelt sich um die Holzplatten eines Werktisches, auf dem Zagst Schweißarbeiten durchgeführt hat. Nun stehen die Brandspuren nicht nur als bloße Zeugen des künstlerischen Prozesses da, sie sind selbst zu Individuen geworden, die mit ihrem archaischem Charakter enigmatisch-zeichenhaft dastehen.