Lokales

Weder politischnoch "räsonirend"

KIRCHHEIM Heute vor 175 Jahren, am Freitag, 20. Januar 1832, ist die "Nro. 1" des "Wochenblatts für

Anzeige

ANDREAS VOLZ

den Oberamtsbezirk Kirchheim unter Teck" erschienen. Die kleinformatige Ausgabe bestand aus vier Seiten. Auf der Titelseite (siehe Seite 16 der vorliegenden Ausgabe) war außer dem Zeitungskopf die Genehmigung des königlichen Oberamts "zu Herausgabe eines Intelligenz-Blattes mit Ausschluß politischer und räsonirender Artikel" zu lesen sowie eine Ankündigung in eigener Sache, in der der "Stein- und Buchdruckerey-Inhaber" Johann Franz Schwarz als Unterzeichneter "um gefällige Theilnahme an dem nunmehr bei ihm erscheinenden Wochenblatt" bat.

Der Genehmigung zufolge hatte das Blatt die Aufgabe, jeden Freitag amtliche Bekanntmachungen "auf eine leichtere Weise an die LokalBehörden und zur Kenntniß des Publikums" zu bringen. Verleger J. F. Schwarz wiederum versprach, "daß die Redaction sich angelegen seyn lassen werde, neben der Anzeige der in Kirchheim Gebornen und Gestorbenen auch gemeinnützige, oder zur anständigen Unterhaltung dienende Aufsätze aufzunehmen".

Der Bezugspreis für die erste Kirchheimer Zeitung betrug 24 Kreuzer im Vierteljahr. Wie den "Brod- und Fleischtaxen" auf Seite 4 der Erstausgabe zu entnehmen ist, entsprach das dem Preis von vier Pfund Rindfleisch. Außer Preisangaben für Getreide und Lebensmittel nahmen Ankündigungen privater Nachlassverkäufe sowie die amtlichen Geburts- und Sterberegister breiten Raum ein. Bei den Todesfällen sind neben Sterbetag und Namen auch Beruf, Todesursache und das genaue Alter angegeben. Ein Beispiel: "Den 18. Nachts 1 Uhr. Herr Christian Friedrich Beck, erster MädchenSchullehrer und MusikRektor dahier, am Magenschlag und gastrischem Fieber. geb. in Owen an Teck den 6. Jan. 1758. also 74 Jahre 13 Tage alt."

Die eigentliche Rubrik "Amtliche Bekanntmachungen" der Erstausgabe ermuntert die Leser unter anderem "zu größerer Theilnahme" an der "Würtembergischen Sparkasse" sowie an der "vaterländischen HagelVersicherungs-Gesellschaft". Private Vorsorge war also schon vor 175 Jahren geboten "um so weniger für die Zukunft auf Unterstützung von öffentlichen Cassen und Collecten gerechnet werden darf".