Lokales

Weg frei für gemeindepsychiatrisches Zentrum

Vielfältige Hilfen für psychisch kranke Menschen unter einem Dach: In der Sielminger Hauptstraße 1 ist der Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis eingezogen und hat damit den Weg für das vom Land geforderte Gemeindepsychiatrische Zentrum auf den Fildern geebnet.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

Anzeige

KREIS ESSLINGEN "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", freut sich Reha-Geschäftsführer Albrecht Schumacher, dass mit dem Kauf des Hauses durch den Verein die Hilfen für psychisch Kranke gebündelt und damit noch effektiver werden. In dem zentral gelegenen Haus in Filderstadt-Sielmingen sind nun der Sozialpsychiatrische Dienst Filder (SpDi), die Soziotherapie, eine Tagesstätte mit Beschäftigungsangebot, das Ambulant Betreute Wohnen und eine betreute Wohnung für drei Personen untergebracht. Außerdem ist der Integrationsfachdienst für die Filder und den Raum Nürtingen eingezogen, der schwerbehinderte Menschen am Arbeitsplatz betreut und Arbeitgeber berät sowie Zuschüsse vermittelt. "Wir haben auch die Voraussetzungen geschaffen, dass die Psychiatrische Institutsambulanz bei uns unterkommen kann", erläutert Albrecht Schumacher. In ihr bekommen chronisch psychisch Kranke medizinische Behandlung.

"Durch die enge Kooperation der verschiedenen Dienste können wir Synergieeffekte erzielen", so lautet die Überzeugung von Wolfgang Swobodnik. Er ist für die inhaltlich-konzeptionelle Arbeit verantwortlich. Dies sei umso wichtiger in Zeiten, in denen öffentliche Mittel immer weiter zurückgeschraubt würden, betont Albrecht Schumacher. So haben sich die Krankenkassen 2002 komplett aus der pauschalen Finanzierung durch Land und Kommunen zurückgezogen. Dadurch entsteht dem Reha-Verein eine Finanzierungslücke. "Die individuell verordnete und stark medizinisch ausgerichtete Soziotherapie aber trifft nur auf einen geringen Teil unserer Klientel zu und ist zudem nicht kostendeckend finanziert", erklärt Marita Scheuermann, die organisatorische Leiterin der Einrichtung. Schon jetzt sei der Anteil, den Träger wie der Reha-Verein für den SpDi aufbringen müssten, von ursprünglich acht auf rund 30 Prozent gestiegen.

Albrecht Schumacher hat wenig Verständnis dafür, dass sich die öffentliche Hand immer weiter aus der Finanzierung der ambulanten Hilfen für psychisch Kranke zurückzieht: "Es ist eindeutig belegt, dass die ambulante Versorgung stationäre Klinik- und Heimaufenthalte um rund 70 Prozent reduziert. Die ambulanten Hilfen kommen die öffentliche Hand unterm Strich wesentlich günstiger als stationäre Betreuung."

Wenn vor Ort eine Betreuung gewährleistet sei, würden Klinikaufenthalte wenn nicht verhindert, so doch zumindest wesentlich kürzer, weiß Wolfgang Swobodnik. Und Marita Scheuermann berichtet von einer Frau, die durch die Betreuung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst so stabilisiert werden konnte, dass seit fünf Jahren kein Klinikaufenthalt mehr nötig war. "Vorher verbrachte sie drei Viertel des Jahres in der Klinik."

Rund 150 Personen betreute der Sozialpsychiatrische Dienst Filder pro Jahr, nach den Kürzungen, die zwangsläufig Personalreduzierungen zur Folge hatten, sind es noch etwa 90 Betreuungen. In den 17 Jahren seines Bestehens erfuhren rund 2500 Menschen dort Hilfe für ein Leben außerhalb der Klinik.

Bisher hatte der SpDi seine Bleibe in einem städtischen Gebäude in Leinfelden, das die Stadt kostenlos zur Verfügung stellte. Ein städtischer Zuschuss erleichterte den Umzug, der notwendig geworden war, weil die Stadt das Gebäude Marktplatz 7 selbst nutzen möchte. Nun hofft Albrecht Schumacher auf ein ähnliches Zeichen von der Stadt Filderstadt. "Ein Sachkostenzuschuss würde uns sehr helfen, denn wir müssen wegen unseres ausgedehnten Einzugsgebiets allein rund 11 000 Euro Fahrtkosten pro Jahr für Hausbesuche aufbringen."

Mit dem Haus, dessen Kauf zu einem Drittel von der Aktion Mensch unterstützt wurde, hat der Reha-Verein jetzt langfristige Planungssicherheit. Außerdem bietet das Gebäude Erweiterungsmöglichkeiten für weitere betreute Wohnungen.

Das neue Domizil in der Sielminger Hauptstraße 1 wird am kommenden Dienstag, 15. Februar, ab 17 Uhr offiziell eingeweiht. Dann können auch die neuen Räume besichtigt werden.