Lokales

Weg ist frei für zukunftsorientierte Lösung

Um Kosten zu senken, neue Märkte zu erschließen und Know-how zusammenzuführen werden sich die Esslinger Kreiskliniken auf Partnersuche begeben. Der Krankenhausausschuss des Kreistags hat in seiner jüngsten Sitzung Landrat Heinz Eininger grünes Licht gegeben, mit Kooperationspartnern zu verhandeln.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Die Krankenhauslandschaft ist zurzeit gewaltig im Umbruch. Nicht zuletzt aufgrund der Gesundheitsreform und steigender Kosten im Gesundheitswesen, müssen die Kliniken schauen, wie sie finanziell überleben. Neben der Versorgung der Patienten genießt deshalb die Frage der Wirtschaftlichkeit oberste Priorität. Das ist bei den Kreiskliniken nicht anders als beim Städtischen Klinikum Esslingen oder der Klinik am Eichert in Göppingen oder bei vielen anderen mehr. Nicht ohne Not wurde im Unterland eine "Gesundheitsholding Heilbronn-Franken" gegründet, vereinigten sich Krankenhäuser im "Klinikverbund Südwest" oder bildeten die "Klinikholding Neckar-Schwarzwald". Ähnliches steht auch im Landkreis an, wollen Landrat Heinz Eininger und der Geschäftsführer des Eigenbetriebs Kreiskliniken Esslingen, Franz Winkler, ohne Sorgen in die Zukunft blicken.

Ein Grund mehr für die Kreiskliniken, sich nach Partnern umzuschauen. Das ist nicht nur Wille der Kreisverwaltung. Dies wurde vom Krankenhausausschuss des Kreistags in jüngster Sitzung ausdrücklich unterstützt. Landrat Heinz Eininger setzt dabei auf Kooperationen mit anderen Kliniken, aber auch mit niedergelassenen Ärzten.

Ein Instrumentarium, um den Landkreis in seinen Verhandlungen mit möglichen Kooperationspartnern voranzubringen, sah der Krankenhausausschuss in der Umwandlung des Krankenhaus-Eigenbetriebs in eine gemeinnützige GmbH. "Es ist schon fünf nach zwölf", drängte der Sprecher der Freien Wähler, Eugen Beck, die Kreisverwaltung, möglichst rasch auf Brautschau zu gehen.

Dass der Landkreis seine Hausaufgaben erledigte, zeigte die Sitzungsvorlage. Dort führt der Landrat mögliche Kooperationspartner auf. Für ihn kommen insbesondere das Städtische Klinikum Esslingen in Betracht, gefolgt von der Filderklinik und den Kliniken in den benachbarten Landkreisen Göppingen, Reutlingen und Rems-Murr sowie die Stuttgarter Kliniken, der Klinikverbund Süd-West und das Universitätsklinikum Tübingen. Dabei bezieht er auch ein Netzwerk von niedergelassenen Ärzten, ambulanten Diensten und Sanitätshäusern in seine Überlegungen mit ein.

Um die Kreiskliniken und mögliche Kooperationspartner gesellschaftsrechtlich unter einen Hut bringen zu können, zeichnete Heinz Eininger den Weg über eine gemeinnützige GmbH zu einer kommunalen Klinikholding an die Wand. Die Kreiskliniken könnten dann Servicegesellschaften, etwa im Bereich der Reinigung und Verpflegung, gründen, wären kooperations-, beteiligungs- und holdingfähig und könnten unter bestimmten Voraussetzungen auch Mehrwertsteuer einsparen, zählte der Verwaltungschef die Vorteile auf. Allerdings waren sich alle Fraktionssprecher im Ausschussrund darüber im Klaren: "Eine neue Rechtsform allein spart noch nichts ein. Das erbringen Synergieeffekte mit anderen Krankenhäusern".

"Wir müssen dringend die GmbH vorbereiten", war sich Bernd Most, FDP, mit CDU und Grünen einig. So beauftragte der Krankenhausausschuss die Verwaltung, mit möglichen Partnern zu verhandeln und die dafür rechtlichen und sachlichen Voraussetzungen zu klären. In einem zweiten Punkt sagten die Kreisparlamentarier Landrat Eininger zu, nach Abschluss der Verhandlungen die notwendigen gesellschaftsrechtlichen Umwandlungen und damit eine "zukunftsorientierte Lösung" zu schaffen.

"Wir wollen die Verhandlungen zügig voranbringen, ich möchte dabei aber gerne auf Befindlichkeiten möglicher Partner Rücksicht nehmen", nahm Landrat Eininger den Auftrag des Gremiums gerne an, zeigten doch seine Ausführungen im Ausschuss, dass sowohl Kreisverwaltung als auch die Geschäftsführung der Kreiskliniken nicht unvorbereitet in die Kooperationsverhandlungen gehen.

"Zügig gegensteuern"Guter Dinge war Heinz Eininger, dem durch das Reformpaket und die steigenden Kosten im Gesundheitswesen drohenden Loch von 4,2 Millionen Euro im kommenden Jahr im Säckel des Eigenbetriebs Kreiskliniken "zügig gegensteuern" zu können. 295 000 Euro konnten bereits auf dem Gebiet Haus- und Hygiene-Service am Klinikum Kirchheim-Nürtingen sowie der Psychiatrie Nürtingen eingespart und weitere 754 000 Euro können im Verpflegungsbereich in allen vier Standorten zurückbehalten werden. Mit zusätzlichen Einsparungen rechnet der Eigenbetriebs-Geschäftsführer in der Haustechnik sowie bei der Reorganisation von Laborleistungen.

"Die Kreiskliniken sind kein Sanierungsfall", betonte Geschäftsführer Winkler, "wir haben 2005 ausgeglichene Ergebnisse erwirtschaftet und werden dies auch 2006 erreichen". Entscheidend wird 2007 werden.