Lokales

Wehmut und Neuanfang

Für die Linde am Wellinger Kirchle gibt es keine Hoffnung mehr. Pilze haben dem Wurzelwerk so stark zu schaffen gemacht, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss. Mit der Neugestaltung des Platzes befasste sich der Gemeinderat nun während seiner jüngsten Sitzung.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Es herrscht Trauerstimmung in Notzingen und Wellingen, zumindest bei den "Urgesteinen". Dass die altehrwürdige Linde am Wellinger Kirchle gefällt werden muss, will manch Alteingesessener nicht akzeptieren. Von seinem Beschluss, die Linde im Februar zu fällen, rückte der Gemeinderat nicht ab die Sachzwänge sind eindeutig. Bürgermeister Jochen Flogaus brachte zum Beweis zwei Fotos der Linde mit, die klar und deutlich die extreme Neigung des Baumes verdeutlichen. Stand die Linde in den Vierzigerjahren noch senkrecht vor dem Turm des Kirchles, so neigt sie sich nun bedenklich in nördliche Richtung.

Ist die Linde gefällt, soll ein neuer Baum an dieser Stelle gepflanzt werden. Damit die neue Linde nicht gleich wieder mit den Pilzen infiziert wird, muss nicht nur das Wurzelwerk der alten entfernt, sondern auch der Boden vollständig ausgetauscht werden. Zwangsläufig wird dadurch die Natursteinmauer und das Betonpflaster an der Südseite entfernt.

Jochen Flogaus schlug vor, einen Landschaftsarchitekten mit der Planung des Platzes zu beauftragen. Dies fiel bei den Gemeinderäten auf fruchtbaren Boden. "Wir sollten Nägel mit Köpfen machen und Planung und Konzeption einem Fachmann überlassen. Das tut niemand weh", sagte Eduard Bosch. Im Hinblick auf "eines der schönsten Gemeindefeste" wünscht er sich einen schönen Platz und eine nicht allzu kleine Neupflanzung. "Der Baum sollte was gleichsehen", erklärte er.

"Wir bauen was für mindestens zwei Generationen, da sollte die Planung schon Hand und Fuß haben", sagte Herbert Hiller. Auch Erhard Reichle sprach sich für einen Planer aus. "Architekt Lengtat ist bodenständig und weiß, was wir im Ort brauchen. Dem fällt was für den besonderen Platz ein", ist er sich sicher. Günther Barz sprach sich ebenfalls für eine professionelle Planung aus, um dann aus verschiedenen Varianten wählen zu können. Er würde zudem gerne den Förderkreis Wellinger Kirchle früh in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen. "Der Verein hat viel geleistet", meinte er anerkennend. Damit sprach er Jürgen Wagner aus der Seele, der diese Gruppierung ebenfalls nicht übergangen sehen will. "Wir brauchen fremde Ideen", ist Rudolf Kiltz überzeugt. Dazu sei die Planung eines Architekten unerlässlich. "Dann ist noch lange nicht gebaut, denn schließlich entscheiden wir, wie der Platz später aussehen soll", sagte er weiter.

In der Bürgerfragestunde zu Beginn der Gemeinderatssitzung regten Mitglieder des Förderkreises Wellinger Kirchle an, auf dem Vorplatz auf mögliche Fundamente einer Vorgängerkirche zu achten. Dank einer Ansicht des Kieser'schen Forstlagerbuchs aus dem 17. Jahrhundert fanden die Förderkreismitglieder heraus, dass die Kirche ursprünglich in anderer Richtung stand. Bürgermeister Flogaus versprach, die ausführende Firma darauf hinzuweisen.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat, Architekt Lengtat mit der Planung zu beauftragen.