Lokales

Wehren blicken auf außergewöhnlich ruhiges Jahr zurück

Als "absolut ruhig" bezeichnete Stadtbrandmeister Roland Schultheiß das vergangene Feuerwehrjahr. Zur Jahreshauptversammlung der Kirchheimer Gesamtwehr hatten sich am vergangenen Freitag die Mitglieder aller fünf Abteilungen in der Kirchheimer Feuerwache eingefunden.

ANJA WEISSINGER

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KIRCHHEIM Feierlich eröffneten die Fanfarenbläser des Spielmannszuges der Kirchheimer Feuerwehr die Hauptversammlung. Die insgesamt 16 großen und kleinen Musiker gaben mit dem bekannten Spiritual "Michael, row the boat ashore" den Auftakt. Neben den fünf aktiven Abteilungen aus Lindorf, Ötlingen, Jesingen, Nabern und Kirchheim, waren auch die Altersfeuerwehr, die Jugendfeuerwehr und der Spielmannszug der Einladung des Stadtbrandmeisters Roland Schultheiß gefolgt. Auch Vertreter von Polizei, Rotem Kreuz, Malteser-Hilfs-Dienst und Technischem Hilfswerk hatten den Weg in die Feuerwache gefunden.

Dem Bericht des Stadtbrandmeisters zufolge, kann die Gesamtfeuerwehr Kirchheim auf ein außergewöhnlich ruhiges Jahr zurückblicken: Im Gegensatz zu den 526 Einsätzen im Jahr 2002, und den 323 Hilfeleistungen im Jahr 2003, mussten die Kirchheimer Wehren im vergangenen Jahr glücklicherweise lediglich 276 Mal ausrücken. Nur 112 Mal war ein Feuer die Ursache für die Alarmierung. In 164 Fällen mussten die Männer und Frauen technische Hilfe leisten. Ein solch bemerkenswert ruhiges Jahr hat man in der Teckstadt schon lange nicht mehr erlebt. Zuletzt im Jahre 1986. Damals waren nur 273 Einsätze zu verzeichnen. Auf die Einsätze im Einzelnen ging der Stadtbrandmeister in seinem Bericht nicht ein. Ein Blick in die Jahreschronik führt jedoch vor Augen, dass sich die Kirchheimer Wehr auch in diesem "ereignisarmen" Jahr, vom Fritteusenbrand, über voll gelaufene Keller, Wohnungsbrände bis hin zum schweren Verkehrsunfall mit den verschiedensten Einsatzgebieten konfrontiert sah. Bei allen Einsätzen hatte der heilige Florian ein wachsames Auge auf seine Schutzbefohlenen: Alle Feuerwehrmänner und -frauen kehrten wohlbehalten vom jeweiligen Einsatz ins Magazin zurück. "Es ist erfreulich zu vermelden, dass wir auch in diesem Jahr keinen Rückgang bei den Angehörigen der Feuerwehr haben", betonte Roland Schultheiß. Zum Ende des Berichtsjahrs betrug der Personalstand 454. Besorgt zeigte sich der Stadtbrandmeister jedoch über den Rückgang der aktiven Mitglieder. Deren Zahl sei in den letzten Jahren stetig gesunken. Schultheiß hofft jedoch, dass es den einzelnen Abteilungen gelingen wird, diesem Trend mit guter Jugendarbeit entgegenzuwirken.

Neben den zahlreichen Übungen, die die Männer und Frauen regelmäßig abhalten, ist auch die Aus- und Weiterbildung beispielsweise zum Atemschutzgeräteträger oder Sanitäter wichtiger Bestandteil der Feuerwehrarbeit. Da die Kirchheimer Wehr die einzige sei, die alle Lehrgänge auf Kreisebene anbieten darf, habe sie sich zu einem regelrechten Schulungszentrum entwickelt. Allein im vergangenen Jahr wurden in Kirchheim rund 40 Prozent aller Lehrgänge im Landkreis ausgetragen. Treue Dienste leistete dabei die Atemschutzübungsanlage, die auch den Feuerwehrmännern und -frauen aus anderen Landkreisen seit genau zwanzig Jahren authentisch vor Augen führt, was es heißt, unter den widrigen Bedingungen eines Brandes mit Qualm und Hitze Menschen zu bergen und Feuer zu bekämpfen. Auch die Brandschutzerziehung für Kindergarten- und Schulkinder kam in Kirchheim nicht zu kurz. Insgesamt erfuhren 479 Kinder im vergangenen Jahr was zu tun ist, wenn es brennt. Von so viel "geballter Kraft bürgerschaftlichen Engagements" zeigte sich auch Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker beeindruckt und dankte der Wehr für ihren stets schnellen, kompetenten und professionellen Einsatz im Dienste der Sicherheit der Bürger. Besonders im Hinblick auf die gegenwärtige wirtschaftliche Situation fand sie auch lobende Worte für die Arbeitgeber, die Fehlzeiten ihrer Angestellten in Kauf nehmen. Weniger erfreut zeigte sie sich jedoch über die derzeitige finanzielle Lage der Stadt Kirchheim und kündigte eine Anhebung der Gewerbesteuer an, betonte jedoch, dass die Gelder in Maßnahmen fließen sollen, die "die Stadt aufwerten werden". Dies sei der einzige Ausweg, da "von Seiten des Landes und des Bundes keine Abhilfe in Sicht ist". Trotz der schwierigen Lage stellte sie die Anschaffung eines neuen Lastkraftwagens und neuer Atemschutzgeräte für die Kirchheimer in Aussicht, um eine leistungsfähige Wehr erhalten zu können. Die Abteilung Jesingen ist bereits seit Mai Besitzer eines neuen, modernen Tanklöschfahrzeuges. Mit Blick auf die Zukunft betonte die Rathauschefin die Wichtigkeit der Jugendfeuerwehren, die zum einen den Nachwuchs sicherten, zum anderen aber auch Werte wie Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein vermittelten.

Auch in diesem Jahr durfte die Oberbürgermeisterin wieder zahlreichen Feuerwehrmännern zu langjähriger Mitgliedschaft gratulieren: Für 25-jährige aktive Dienstzeit wurden aus der Abteilung Kirchheim geehrt: Ulrich Schmid, Michael Münster, Rolf Mayer und Hans Günter Winkler. Aus Lindorf Thomas Daginnus und Jürgen Martin, Walter Autenrieth aus Ötlingen und Martin Schöllple aus Nabern. Für 40-jährige Mitgliedschaft bedankte sich Matt-Heidecker bei Eberhard Rapp, Erwin Lang und Reinhold Knoblauch aus der Abteilung Kirchheim und bei Alfred Ziegler aus Nabern. Zur 50-jährigen Mitgliedschaft beglückwünschte die Oberbürgermeisterin aus der Abteilung Kirchheim Ernst Löffel, Karl Schmid, Walter Striebel, Frieder Häberlen, Rolf Schmid, Eugen Ott, Herbert Eberle, und Siegfried Weiler, außerdem Werner Gienger aus Jesingen. Kurt Allgaier, ebenfalls aus Jesingen konnte seine Ehrung für 50-jährige Mitgliedschaft krankheitsbedingt nicht entgegennehmen. Zur 60-jährigen Mitgliedschaft in der Kirchheimer Feuerwehr konnte Matt-Heidecker Karl Wannenwetsch gratulieren. Mit den Worten "Sie können stolz sein auf ihr Tun" dankte sie den Jubilaren für ihre Einsatzbereitschaft und ihr Engagement, mit dem sie "Impulse gesetzt" hätten und Vorbild geworden seien.