Lokales

Weichen stellen vor 2013

Familien mit kleinen Kindern zieht es offenbar nach Weilheim: Die Kinderzahlen in der Limburgstadt liegen bis zum Jahrgang 2005 immer deutlich über den Geburtenzahlen. Das wirkt sich insbesondere in den Kindergärten aus. Sie platzen vor den Sommerferien aus allen Nähten. Unter Dreijährige werden deshalb vorübergehend an die Freien Träger verwiesen.

ANKE KIRSAMMER

Weilheim. „Ob der Trend von Zuzüglern auch für spätere Jahrgänge anhält, müssen wir sehen“, sagte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer während der Kindergartenausschusssitzung, in der zunächst die Bedarfsplanung für die Betreuung von Kindern ab dem dritten Lebensjahr vorgestellt wurde. Fast in allen Weilheimer Kindergärten müssen die Belegungszahlen gegenüber der letztjährigen Hochrechnung nach oben korrigiert werden. Insgesamt geht die für Kindergärten zuständige Vertreterin der Verwaltung, Anette Deißler-Völlm, davon aus, dass für das gesamte Stadtgebiet 293 Kindergartenplätze ausreichen. Die Hepsis auer Verhältnisse bezeichnete Hermann Bauer als geradezu „paradiesisch“. Die dortige Gruppe ist nur zu Spitzenzeiten mit 25 Kindern belegt.

Ein Engpass drohte in den kommenden Jahren allerdings insbesondere dem Kindergarten Lerchenstraße: Den viergruppigen Kindi würden nach derzeitigem Stand im Juli 2008 und 2009 bei 100 Plätzen voraussichtlich 103 beziehungsweise 104 Sprösslinge besuchen. Auf Vorschlag der Verwaltung fasste der Ausschuss deshalb den Beschluss, in der Einrichtung von nun an vorrangig Kinder ab drei Jahren aufzunehmen. Momentan stehen dort sechs Plätze für Kinder ab zwei Jahren zur Verfügung, die insgesamt zwölf Plätze belegen. Sie sollen künftig an die Freien Träger verwiesen werden. Angebote gibt es beim Freien Kindergarten, bei der Rasselbande und dem Spielgruppenverein. Sie werden ebenso wie Waldkindergarten und Freier Kindergarten auch weiterhin von der Stadt bezuschusst. Außerdem ist beabsichtigt, künftig auch die Betreuung durch Tagesmütter finanziell zu unterstützen. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, mit umliegenden Gemeinden Kontakt aufzunehmen, um zu einer einheitlichen Regelung zu kommen. Als Vorbild dienen die Kommunen um Nürtingen, die jeweils pro Betreuungsstunde einen Zuschuss bezahlen.

Konkrete Gedanken macht sich die Weilheimer Verwaltung bereits darüber, wie sich der ab 2013 gültige Rechtsanspruch für 35 Prozent der Ein- bis Dreijährigen auf einen Betreuungsplatz einlösen lässt. „Das Thema reicht weit in die Zukunft hi nein“, so Bürgermeister Hermann Bauer. Deshalb habe die Stadt ein eigenes Konzept erarbeitet. Vorstellen kann sich Bauer, in einem städtischen Wohnhaus beim Kindergarten Lerchenstraße eine Kinderkrippe mit zwölf Plätzen einzurichten, die möglichst bereits im Herbst 2009, spätestens aber 2010 in Betrieb geht. Die Kosten dafür schätzt die Verwaltung auf 92 000 Euro. „Damit schaffen wir natürlich nicht für jedes dritte Kind einen Platz“, betonte der Schultes. „Wir können aber auch nicht auf Vorrat bauen, sondern denken an einen stufenweisen Ausbau, der abhängig ist von der Nachfrage.“ Angedacht ist außerdem, vom Jahr 2009/2010 an, die vierte Gruppe in dem Kindergarten in eine Ganztagsgruppe umzuwandeln, weil die bisher einzige Ganztagsgruppe im Kindergarten Bahnhofstraße längst nicht mehr ausreicht. Die Möglichkeit zum Essen und Schlafen könnte ebenfalls im Wohngebäude Lerchenstraße 42 geschaffen werden. Kostenpunkt: 130 000 Euro. Bauer relativierte die Ausgaben: „Für das Haus stünden ohnehin Sanierungsmaßnahmen in Höhe von rund 70 000 Euro an. „Falls nötig, könnten wir im Kindergarten Egelsberg eine weitere Ganztagsgruppe einrichten“, so der Rathauschef. Die Kosten dafür werden auf 145 000 Euro geschätzt. Unisono begrüßten die Ausschussmitglieder die Überlegungen der Stadt und empfahlen dem Gemeinderat, den Vorhaben zuzustimmen. Das Ratsgremium wird sich im April oder Mai mit dem Konzept der Verwaltung befassen.

Von den gewachsenen Anforderungen an das Personal berichtete Gabi Jans, Leiterin des Kindergartens Bahnhofstraße. Sämtliche Erzieherinnen der 13 Weilheimer Kindergartengruppen hätten sich im vergangenen Jahr intensiv mit dem Orientierungsplan beschäftigt. „Das Thema Bildung und der Blick auf das einzelne Kind sind deutlich in den Mittelpunkt gerückt“, so die Erzieherin. „Zusätzliche Teamsitzungen, eine detaillierte Dokumentation, intensive Entwicklungsgespräche mit den Eltern, volle Gruppen, zahlreiche Kinder mit deutlichem Förderbedarf – die Veränderungen, mit denen wir zu tun haben, sind zeit- und arbeitsaufwendig“, erklärte Gabi Jans. Sie stellte sich damit hinter einen Antrag des Gesamtelternbeirats auf Überprüfung beziehungsweise Aufstockung des Personals an den Kindergärten. Derzeit sind die Gruppen in der Regel mit einer vollen Kraft und einer mit 67 Prozent angestellten Zweitkraft ausgestattet. Hermann Bauer sah indes keinen Spielraum für weitere Mehrausgaben. „Wir liegen über den Empfehlungen, die bei der Zweitkraft eine halbe Stelle ansetzen.“ Er hofft vielmehr auf sinkende Kinderzahlen ab dem Jahr 2009/2010 und stellte damit kleinere Gruppengrößen in Aussicht.

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