Lokales

Weichenstellung für optimale Bildung und Betreuung

Am Ende der Diskussion konnten sich die Lenninger Gemeinderäte doch noch auf einen Konsens einigen: Ein grundsätzliches Ja für eine Ganztagesgruppe im Kindergarten Unterlenningen, wenn auch mit einem Sperrvermerk versehen, was die Detailplanung der Finanzmittel betrifft.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Ein finanzielles Harakiri strebt auch Lenningens Bürgermeister Schlecht nicht an. "Ich weiß über unseren Verwaltungshaushalt Bescheid", erklärte er während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Gleichzeitig gab er jedoch zu Bedenken, dass auch eine Gemeinde wie Lenningen die Augen nicht vor gesellschaftlichen Veränderungen verschließen kann. Auch wenn es Totschlagargumente gäbe, so führt seiner Ansicht nach nichts an einer Zukunftsinvestition vorbei und somit auch nichts an der Einführung einer Ganztagesbetreuung im Kindergarten. "Wir können eine Lösung finden", sieht der Schultes optimistisch in die Zukunft.

Zunächst gab Hauptamtsleiter Günther Kern die Ergebnisse einer Umfrage unter Eltern bekannt. Erstaunlich viele beantworteten den Fragebogen und 19 Eltern bekundeten ein konkretes Interesse an einem Ganztagesplatz. 16 Eltern würden ihr Kind in den Unterlenninger Kindergarten zur Ganztagesbetreuung schicken, zehn sogar schon ab Sommer 2005. "Das ist eine gute Zahl für den Anfang", sagte Günther Kern, was klar den Bedarf verdeutlichen würde.

"Wir haben uns deshalb für den Unterlenninger Kindergarten entschieden, weil wir davon ausgehen, dass die meisten Eltern nach Kirchheim orientiert sind und wir für die Gesamtgemeinde nun einmal nur eine Ganztagesbetreuung anbieten können", begründete Günther Kern. Für das erste Kind muss in Lenningen 70 Euro pro Monat und Kindergartenplatz bezahlt werden, für die Ganztagesbetreuung rechnet der Hauptamtsleiter mit prinzipiell dem doppelten Satz entsprechend die Staffelung für die weiteren Kinder in einer Familie. Eltern könnten ihren Schützling von 7 bis 17 Uhr dort unterbringen, für Mittagessen wird gesorgt und Schlafplätze werden vorhanden sein. Angedacht ist, dass die Ganztagesgruppe in eine bestehende Gruppe integriert wird.

"Sowohl der Arbeitsplatz als auch die Großeltern sind in den meisten Fällen nicht mehr um die Ecke. Wir müssen meiner Ansicht nach deshalb ein Angebot schaffen, auch wenn ich die Antwort schuldig bleibe, wo das Geld herkommt. Wir müssen bereit sein, solche Dinge zu finanzieren", machte Michael Schlecht seinen Standpunkt deutlich.

Er sprach damit Inge Kodera aus der Seele. "Das wäre ein großer Fortschritt für unsere Gemeinde. Es freut mich vor allem für die Frauen, dass wir an diese Sache herangehen", erklärte sie. Der gleichen Ansicht ist auch Georg Zwingmann. "Es geht um die Bildung. Die lernintensivste Zeit eines Menschen ist im Alter zwischen null und sechs Jahren. Da brauchen die Kinder eine optimale Betreuung und Erziehung", erklärte er und erinnerte an die PISA-Studie und neueste Erkenntnisse der OECD. "Von den Gemeindefinanzen her gesehen, müsste ich nein sagen, wegen des strukturellen gesellschaftlichen Wandels muss ich zustimmen", sagte Jürgen Rau. Seiner Ansicht nach sollte Lenningen klein anfangen und die Sache dann weiterverfolgen. "Wir haben keine andere Möglichkeit", so Jürgen Rau.

Anderer Ansicht ist dagegen Kurt Hiller. "Grundsätzlich bin ich für eine Ganztagesgruppe, aber so kann ich nicht zustimmen", erklärte er. Weshalb plötzlich eine Leitung für den Kindergarten eingesetzt werden soll, ist ihm nicht verständlich, ebenso sind ihm die Zuschüsse zu hoch. "Wir müssen wissen, auf was wir uns da einlassen, wir brauchen konkrete Zahlen", forderte der Vater von vier Kindern. Ein Dorn im Auge ist ihm, dass die Gemeinde Doppelverdiener, die ihr Kind in die Ganztagesgruppe schicken, noch stärker bezuschussen will, als solche Familien, bei denen die Frau zu Hause bleibt. Auch Karl Boßler und Gerhard Bächtle sahen in erster Linie die finanziellen Aspekte einer Ganztagesgruppe, die unmittelbar mit den Personalkosten gekoppelt sind.

"Uns muss klar sein: Wir entscheiden heute, ob wir eine Ganztagesbetreuung wollen oder nicht ob wir die Bildungschancen für unsere Kinder erhöhen wollen oder nicht. Das alles braucht eine Leitung, da diese die konzeptionelle Planung übernimmt", redete Georg Zwingmann dem Gremium ins Gewissen.

"Es geht darum, dass wir ein Signal nach außen senden", plädierte Bürgermeister Schlecht eindringlich dafür, dem Gesamtkonzept zuzustimmen. Er schlug vor, dem Grundsatzbeschluss einen Sperrvermerk hinzuzufügen, was die Detailplanung bei zusätzlichen Finanzmitteln anbelangt. Bei einer Enthaltung stimmte der Lenninger Gemeinderat diesem Vorschlag und damit der Einrichtung einer Ganztagesgruppe im Kindergarten Unterlenningen zu.