Lokales

Weihnachtliche Klänge auf dem Oberlenninger Marktplatz

Der Marktplatz ist ein besonderer Ort. Er bringt die Menschen zusammen. Markten heißt handeln: Auf dem Rathausplatz mitten im Dorf haben drei Oberlenninger Vereine am dritten Advent ein weiteres Fenster geöffnet für die Teckboten-Weihnachtsaktion "Gemeinsam für eine gute Sache" mit dem stattlichen Reinerlös von 1 154,12 Euro.

ERIKA HILLEGAART

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LENNINGEN Ein wirklich schöner Brauch: Die "weihnachtlichen

O:STERN.TI_Klänge" ertönen seit 18 Jahren auf dem Marktplatz zur Freude vieler Zuhörer zum Wohle einer guten Sache. Der Liederkranz stimmt in die festliche Zeit ein, der Musikverein spielt altvertraute Lieder, die kleinen und großen Besucher werden von den Mitgliedern des Albvereins verwöhnt.

Wieder weihnachtete es sehr auf dem Marktplatz an diesem dritten Advent. Mit Melodien aus nah und fern eröffnete der Liederkranz Oberlenningen das traditionelle Treffen. "Wie das Licht Hoffnung bringt, alles Dunkle bricht", hieß es im Eingangslied programmatisch für diesen Adventsnachmittag. Der alpenländische Andachtsjodler gesungen vom neu gegründeten Männerchor und der nachfolgende Gospelsong sind kein Widerspruch in dieser Zeit, die mehr ist als stille Vorfreude, denn "Zueinander führt der Weg".

Ein Hauch von Budenzauber lockte zahlreiche Schau- und Kauflustige an. Die Frauengruppe des Albvereins hatte wieder ein Jahr lang gebastelt, gestrickt und genäht. Ihre wohlfeile Ware haben sie zu Markte getragen. Socken gab's und Topflappen, Plüschtiere Schäflein und Schnauzerle , Stroh- und Perlensterne, Sternenwichtel und kleine Schutzengel, Weihnachtskarten, Schlehen- und Brombeerliköre, den Nikolaus gar mit Klangstäben. Das Angebot fand guten Absatz. Der Glühwein und der Kinderpunsch wärmten, der Christstollen schmeckte Alt und Jung.

Rund um den Weihnachtsbaum mitten auf dem Platz belebten die Kinder das Markttreiben mit ihrer fröhlichen Erwartung "Niklaus ist ein guter Mann, bringt den Kindern, was er kann". Ja, er kam und brachte, was er konnte. Alljährlich sorgt der spendenfreudige "Sigelmarkt" für diese Kinderüberraschungen. Hundert Päckle seien es gewesen mit "Apfel, Nüss und Mandelkern" mit Früchten und Leckereien. Und in die Spendenkassen fiel so mancher Groschen, mancher Euro.

"Tochter Zion" der Bläserklang weckte Erwartung und Erinnerung. Vor Jahr und Tag hatte der Musikverein Oberlenningen mit diesem Brauch der "Weihnachtsklänge auf dem Marktplatz" begonnen, den seit 18 Jahren die beiden anderen Vereine mitgestalten und den Rathausplatz am 3. Advent zu einem Ort für Waren, Worte und weihnachtliche Weisen machen. Weit über 23 000 Euro Spenden sind in diesen Jahren erwirtschaftet worden.

In einem Gedichtvortrag wurde die "Weihnachts-Frühlingsstunde" beschworen; tatsächlich schien ein wenig die Sonne und der Raureif ringsum verklärte milde das Licht. Die Jugendgruppe des Musikvereins gab dann den Ton an mit bekannten Weihnachtsliedern. So kann die junge Generation spielerisch in die Tradition hineinwachsen, in die Verantwortung für diesen "Markt der mitmenschlichen Möglichkeiten". In den vorangegangenen Jahren wurde für krebskranke Kinder, für die SWR - Herzenssache, für eine Knochenmarkspende, die Behindertenwerkstatt Linsenhofen, für die Hochwasseropfer in Unterlenningen, für die Erneuerung des Lenninger Freibads, für den örtlichen Krankenpflegeverein und die Diakoniestation sowie für Teckboten-Aktionen gespendet - für manche Organisation oder gemeinnützigen Verein oft mehrmals.

Die aktuellen Projekte der 25. Teckboten-Weihnachtsaktion stellte Steffen Schroeder, der erste Vorsitzende des Musikvereins, kurz vor. Bekanntlich sind die Spendenempfänger heuer der Verein "Gemeinsam statt einsam", der eine Wohngruppe für Demenzkranke gründen will, der Blinden- und Sehbehindertenverband mit Sitz in Beuren und das Projekt Tandem der Stiftung Paulinenpflege. Bürgermeister Michael Schlecht würdigte das ehrenamtliche Engagement der Vereine und wünschte in seiner kurzen Ansprache, dass dieses traditionelle Treffen weiterhin gepflegt werde.

Langsam verlor der Spätnachmittag sein Licht. Am großen Christbaum leuchteten die Lichterketten heller: Zeit für das beliebteste Weihnachtslied mit der sizilianischen Melodie, für "Stille Nacht". Die Bläsergruppen stimmten an, die Sänger und Marktbesucher stimmten mit ein. Eine Stunde später, als die Nacht hereingedrungen war, da lagen "Markt und Straßen verlassen, still erleuchtet jedes Haus".

Bürgernahe Aktionen des Gemeinsinns werden künftig zunehmend an Bedeutung gewinnen, wenn der Rotstift der Kämmerer immer spitzer wird. Die Oberlenninger haben sich wieder spendenfreudig gezeigt. Traditionen pflegen, ergänzen, zukunftsfähig machen, das sind die Adventslichter, die leuchten und wärmen.