Lokales

"Weil wir im Winde treiben. . ."

Wir werden umgetrieben, nicht mehr von Erinyen, den Rachegöttinnen der antiken Sagen, die Menschen nicht mehr losließen, die Unrecht getan hatten, sondern sie Furien gleich ihr ganzes Leben lang vor sich hertrieben wie ein Sturm die Blätter.

Wir werden heute eher umgetrieben von der Angst davor, arbeitslos zu werden, abhängig zu werden von der Hilfe anderer, nicht mehr selber entscheiden zu können, unser Leben nicht mehr in der Hand zu haben, nicht mehr zu können, wie wir wollen. Wir werden umgetrieben vom Zwang, nützlich zu sein. Irgendeinen Wert muss unser Leben ja doch haben. Getrieben vom Zwang zu zeigen, wozu wir gut sind, wo wir einzigartig sind und somit unserem Leben einen Sinn zu verschaffen.

Anzeige

Dabei ist unserem Dasein der Sinn schon gegeben. Martin Luther schrieb, dass, indem Gott uns liebt, wir für Gott liebenswert werden. Der Sinn unseres Lebens sei deshalb, uns von Gott lieben zu lassen und so befreit von dem Zwang unseren Wert selber zu schaffen, Gott, uns selber und unsere Mitmenschen zu lieben, weil wir aus Freude und Erleichterung gar nicht anders können als Gott, uns selber und unsere Mitmenschen zu lieben.

Nicht die Angst und die Sorge sollen uns treiben, sondern die Freude, die daraus kommt, geliebt zu werden von Gott. Denn: "Was wir auch tun, wir tun es aus der Liebe, die Christus uns geschenkt hat. Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, Neues hat begonnen" (2. Kor 5,14.17). Unsere Würde, unseren Wert bringen wir schon mit in diese Welt, weil Gott uns liebt. Renate Kath Dekanin des Kirchenbezirks und Pfarrerin an der Kirchheimer Martinskirche