Lokales

Weilheimer Obstbau-"Urgestein" verabschiedet

Während der Mitgliederversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Weilheim wurde das langjährige Mitglied Hans Bazle aus dem Ausschuss verabschiedet. Er ist seit 50 Jahren Mitglied des Vereins und seit 45 Jahren in der Vorstandschaft tätig. Der Vorsitzende Karl Bölz nannte Hans Bazle ein "Urgestein" und würdigte die außergewöhnlichen Verdienste um die Arbeit im Obstbau.

WEILHEIM "Wir haben Hans Bazle viel zu danken. Er war immer Ansprechpartner für die Obstbauern im Weilheimer Raum, wo er sich auch jahrelang um die Obsterfassung kümmerte", sagte der Erste Vorsitzende Karl Bölz und fügte hinzu: "Aus beruflicher Erfahrung konnte er immer den richtigen Tipp zum Pflanzenschutz im Obstbau und in der Landwirtschaft weitergeben."

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Zu Beginn der Versammlung hatte Karl Bölz im Jahresbericht die Situation im Obstbau in Erinnerung gerufen: Auch 2004 habe sich die Trockenheit fortgesetzt. März und April hätten sich ziemlich kühl gezeigt. Mitte April seien Kirschen und Birnen in voller Blüte gestanden. Ganze Heerscharen habe es hinausgezogen, um diese wundervolle Blütenpracht im Albvorland zu genießen. Mit Nachtfrösten habe es während der Blüte keine Probleme gegeben. Die bis in den August andauernden hohen Temperaturen hätten Anfang Juni schon hochsommerliche Werte bis 33 Grad erreicht. Die Bäume und Pflanzen seien dadurch wieder dem Trockenstress ausgesetzt gewesen. "Die Erträge beim Tafelobst und Streuobst waren sehr gut", betonte Karl Bölz.

Die Preise für Mostäpfel bezeichnete er hingegen als "beschämend". So seien nur 5,50 Euro pro Doppelzentner bezahlt worden. Für Obst mit Herkunftsnachweis habe es acht Euro pro Doppelzentner gegeben, allerdings seien nur 54 Tonnen angenommen worden. Als weiteres Problemn strich er den Absatz von Mostbirnen heraus, da sie 2004 an den Sammelstellen nicht angenommen worden seien. "Ich kann nicht verstehen, warum nicht mehr Birnensaft auf den Markt gebracht wird vor allem vor dem Hintergrund, dass er für manchen bekömmlicher ist als Apfelsaft. Mit dieser Entwicklung ist der Rückgang der landschaftsprägenden Streuobstwiesen programmiert. Jeder schätzt das Blütenmeer der Verbraucher allein hat es in der Hand, diese Kulturlandschaft zu erhalten."

Auch 2004 sei der Schädlingsbefall ein Thema gewesen. Als großes Problem habe sich wieder die Kirschfruchtfliege erwiesen, die in den letzten Jahren rapide zugenommen habe und zu deren Bekämpfung auch dieses Jahr kein geeignetes Mittel zur Verfügung stehe. Für den Erzeuger werde es deshalb immer schwieriger, madenfreie Kirschen anzubieten.

Pflegeeinsätze, Schnitt- und Veredlungskurse einschließlich Markungsputzete und nicht zuletzt das Engagement im Rahmen des Kinderferienprogramms gehörten zu einer Reihe von Aktivitäten, die Schriftführerin Judith Hüller auflistete: "Ein voller Erfolg waren die durch den Verein geleitete Wanderung am Kirschblütentag zur Limburg und die Vereins-Blütenwanderung." Als absolutes Highlight des vergangenen Jahres hob Judith Hüller den dreitägigen Ausflug ins Salzburger Land heraus: Sonne, Berge, Kaiserwetter, Geselligkeit und beste Laune alles habe gepasst.

Der Verein zählt 232 Mitglieder, darunter 49 Ehrenmitglieder. Karl Bauer, Fritz Bernauer, Karl Hepperle und Walter Kuch wurden für 40 Jahre geehrt. Für 25-jährige Mitgliedschaft gab es sieben Ehrungen. Nachdem Kassierer Ernst Mack die Finanzsituation des Vereins dargestellt hatte, stand Einstimmigkeit hoch im Kurs; so bei der von den Kassenprüfern Gerhard Schumacher und Karl Maier beantragten Entlastung von Kassierer und Vorstandschaft und bei den Wahlen, wobei Vorsitzender Karl Bölz, stellvertretender Vorsitzender Karl Maier, Kassierer Ernst Mack und Schriftführein Judith Hüller auf weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt wurden. Auch der Ausschuss wurde bestätigt: Dazu gehören Wolfgang Bertsch, Karl Fischer, Horst Lauster, Heiner Mack, Gerhard Schumacher und Jörg Weissinger. Bernd Bauer wurde als Nachfolger für den scheidenden Hans Bazle ebenso einstimmig als Beisitzer gewählt. Freudig zur Kenntnis nahmen die Mitglieder die Ankündigung eines Vier-Tages-Ausflugs nach Dresden.

Anschließend nannte Christoph Ulmer von der gleichnamigen Baumschule in Weilheim in seinem Fachvortrag über Streuobstwiesenbäume einige interessante Zahlen: 70 Prozent der baden-württembergischen Apfelernte stamme aus dem Streuobstbau. Der Verbrauch an Apfelsaft betrage pro Bundesbürger und Jahr zwölf Liter. Die Stadt Weilheim habe seit 1985 fast 9 000 hochstämmige Obstbäume gefördert. Nach einem Diavortrag von Hans Bazle über die fachlichen und geselligen Vereinsunternehmungen im Jahr 2004 schloss Karl Bölz die Versammlung mit dem Wunsch, dass die Bezuschussung hochstämmiger Obstbäume beibehalten und dadurch ein Anreiz für den Erhalt der Streuobstwiesenlandschaft geschaffen wird.