Lokales

Weinkönigin am Bürrle

Im vergangenen Jahr glänzten bei der Weinbergbegehung in Weilheim Beeren mit Öchslerekorden. Gestern setzte die amtierende württembergische Weinkönigin Christine Warth dem Rundgang am Egelsberg die Krone auf. Seit Jahren hat die Familie, Besitzer eines Untertürkheimer Weinguts, knapp 50 Hektar am Bürrle gepachtet.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Termindruck hin oder her die 25-Jährige, die im vergangenen Herbst zur württembergischen Weinkönigin gekürt worden war und am kommenden Freitag in Neustadt an der Weinstraße zur Wahl der Deutschen Weinkönigin antritt, übernahm selbst die Führung durch die Weinberge. Gut "bereift" mit Gummistiefeln und in Arbeitskluft plauderte die Winzerin über die Aufwärtsentwicklung im württembergischen Weinbau und die spezielle Situation am Weilheimer Bürrle, wo sie regelmäßig mit Hand anlegt, wenn es ums Anschneiden, Ausdünnen, "Einnetzen" und Lesen geht. "Um hier weiter Weinbau betreiben zu können, müssen wir unbedingt Wasser herbekommen", betonte Christine Warth. Gedacht ist an eine Anlage zur Tröpfchenberegnung, mit deren Hilfe Trockenperioden überbrückt werden können. Dass es sich lohnt, in den Weinbau am Egelsberg zu investieren, bewies ein herumgereichtes Weilheimer "Prachtexemp-lar" zuckersüßer Dornfelder-Trauben gleichzeitig ein kleiner Vorgeschmack auf den Tropfen des Jahrgangs 2004.

Seinem Vorgänger mit bis zu 106 Öchsle wird der 2004er zwar nicht das Wasser reichen können, doch lässt der Blick durchs Refraktometer durchweg auf ein ordentliches Ergebnis hoffen: 78 Öchsle bei Müller-Thurgau und Portugieser, 77 Öchsle beim Silvaner, 75 Öchsle beim Dornfelder, so die am Morgen von Kurt Bög, Vorsitzender des Vereins der Weilheimer Weinbergbesitzer, gemessenen taufrischen Werte. Bis zum Beginn der Lese in der kommenden Woche wird wohl noch das eine oder andere Öchsle dazukommen. Das zu erwartende Bukett dürfte vor feinen Kennernasen bestehen: "Ausschlaggebend ist die physikalische Reife", erklärte Werner Kauderer, Mitglied im Aufsichtsrat der Weingärtnergenossenschaft Neuf-fen-Teck. Und mit der ist der Wengerter mehr als zufrieden: "Die Farbe der Beeren stimmt und das Laub verfärbt sich bereits." Nachts kühl, tagsüber warm mit viel Sonnenschein, so sähe das optimale Wetter in den nächsten Tagen aus, ginge es nach dem Willen der Winzer. "Mit dem Beginn der Lese Mitte Oktober liegen wir im langjährigen Mittel", betonte der gastgebende Bürgermeister Hermann Bauer, bevor er mit den Teilnehmern des Rundgangs auf den neuen Wein anstieß.

Ob Christine Warth am Freitagabend gar Grund hat, die Korken knallen zu lassen, kann man von 20.15 Uhr an im Südwest-Fernsehen verfolgen. In Weilheim werden der sympathischen Winzerin jedenfalls die Daumen gehalten zunehmender Termindruck hin oder her.Fotos: Jean-Luc Jacques