Lokales

Weinqualität steuert auf Jahrgang 2003 zu

In den Esslinger Weinlagen wächst ein guter und vereinzelt sogar ein sehr guter Jahrgang heran. Wenn das Wetter in den nächsten Wochen mitspielt, könnten einige Sorten sogar das Niveau des Spitzenjahrgangs 2003 erreichen.

CHRISTIAN DÖRMANN

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ESSLINGEN Manchem Beobachter mag es merkwürdig vorkommen, wenn er in diesen Tagen beobachtet, wie die Wengerter ihre Rebstöcke kräftig ausdünnen. Bis zu 50 Prozent der angesetzten Reben fallen der Schere zum Opfer, damit sich die Kraft in den verbliebenen Trauben sammelt. Klasse statt Masse lautet das Gebot, zumal der Markt diesen Weg ausdrücklich honoriert: Die Verbraucher sind sehr wohl geneigt, für ein Spitzenprodukt aus heimischen Lagen ein oder zwei Euro mehr auf den Tisch zu legen. Überhaupt beobachten die Wengerter einen Trend der Rückbesinnung auf die Stärken des regionalen Weinanbaus, zumal Spitzenerzeugnisse aus deutschen Landen vielfach preiswerter zu erstehen sind, als Premium-Produkte aus Frankreich oder Italien.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, womit keinesfalls nur die Erzeuger aus unseren Nachbarländern oder aus Übersee gemeint sind. Der Osten rückt zunehmend in den Blickpunkt. Selbst in Aderbaidschan rüstet man sich für den großflächigen Weinanbau und setzt dabei auf die Erfahrung deutscher Weinbauern. "Das Problem ist nicht der Kollege um die Ecke", betont Selbstvermarkter Hans Kusterer.

"Die Kunden sind verwöhnt", sagt Albrecht Sohn, Vorsitzender der Weingärtner Esslingen. Dabei spielt er vor allem auf den 2003er an, dessen Bestände sich nun so langsam dem Ende zuneigen. Doch wenn es um Lemberger, Zweigelt oder Spätburgunder geht, dürfen sich die Kunden laut Sohn für den 2006er auf ein ähnliches Qualitätsniveau einstellen, wie es der "Jahrhundertsommer" im Jahr 2003 hervorgebracht hat.

Die zurückliegenden heißen Wochen haben das Wachstum begünstigt, der momentane Regen sorgt noch einmal für einen kräftigen Schub, und wenn sich demnächst wieder Sonnenschein einstellen sollte, sind die äußeren Umstände nahezu perfekt. Momentan liegt die Vegetation etwa eine Woche vor dem Soll. Damit könnte die Lese früher Sorten wie Müller-Thurgau Ende September oder Anfang Oktober beginnen.

Trotz anstehender Mehrwertsteuer-Erhöhung und gestiegener Energiekosten sehen Sohn und seine Kollegen keinen Platz für große Preissprünge. "Da wird sich nicht viel ändern", meint Kusterer, und auch Bayers Kalkulation ist einfach: "Die Mehrwertsteuer muss drauf, ansonsten bleiben die Preise gleich."

Hans Kusterer hat schon im Frühjahr die ersten Triebe ausgeschnitten, derzeit stehen noch einige "kosmetische Eingriffe" an. "Die Trauben sind kerngesund", freut er sich. Die Qualität werde wohl in Richtung 2003 gehen, "doch nun ist erst einmal die Natur am Zuge". Mit dem Anbau von 80 Prozent Rot- und 20 Prozent Weißwein setzt Kusterer einen deutlichen Akzent, wobei ihm besonders der Lemberger und Spätburgunder am Herzen liegen. 70 zu 30 Prozent beträgt das Verhältnis bei den anderen Esslinger Weingärtnern.