Lokales

„Weiße Nacht“ zum Jahreswechsel

Den Jahresbeginn in Kirchheim und Umgebung prägen Schnee, Dunst und Pulverdampf

Weitgehend ruhig ist der Jahreswechsel 2015 in Kirchheim und Umgebung verlaufen: Das Feuerwerk machte den Eindruck, als sei es weniger intensiv gewesen als in den Jahren zuvor. Auch Polizei und Feuerwehr melden für die Region rund um die Teck keine besonderen Vorkommnisse aus den ersten Stunden des Jahres 2015.

Silvester auf der bastion, Feuerwerk
Silvester auf der bastion, Feuerwerk

Andreas Volz

Anzeige

Kirchheim. „Weiße Nächte“ sind im Sommer berühmt – vom 57. Breitengrad an aufwärts, besonders aber in Sankt Petersburg, Dostojewski sei Dank. Nun liegt Kirchheim mit 48,6 Grad nördlicher Breite zwar deutlich unterhalb des 57. Breitengrads. Über einen Besuch Dostojewskis in der Teckstadt wäre sicher jedes Detail bekannt, hätte er denn je stattgefunden, und außerdem herrscht derzeit Winter. Aber „weiß“ war die Silvesternacht in Kirchheim trotzdem, und wie! Schnee allenthalben: Was man sich eigentlich für Weihnachten wünscht, sorgt auch in der Nacht zu Neujahr für eine ganz eigene Atmosphäre. Manch ein Silvesterfeuerwerker zeigte sich deshalb auch flexibel und verzichtete darauf, die obligatorische leere Sektflasche zur Raketenabschussbasis umzufunktionieren. Ein Haufen Schnee tut es schließlich auch: Rakete in die weiße Pracht stecken, anzünden, kurz warten – und schon entfaltet sich die schönste Farbenpracht am dunklen Nachthimmel.

Wäre der nur dunkel gewesen: Dunstig zeigte sich der Himmel rund um die Teck in den letzten Stunden des Jahres 2014. Er erschien dadurch eher weiß als schwarz. Und den Rest besorgten schließlich die Kracher und Raketen: Als „same procedure as every year“ greifen kurz nach Mitternacht verlässlich die Rauchschwaden um sich und füllen somit die Luft vom Boden aus mit Pulverdampf. Weißer Rauch steigt also auf – und macht in diesem Fall die „Weiße Nacht“ perfekt. Einziges Problem: Die Sicht war durch den diesigen Himmel und durch die Pulverschwaden stark eingeschränkt. Vielleicht war auch das der Grund dafür, warum das Feuerwerk über Kirchheim nicht so stark und eindrücklich wirkte wie sonst.

Vielleicht war es vielen Nachtschwärmern auch einfach zu kalt, um ihr Feuerwerk eine ganze Stunde lang abzubrennen, und vielleicht vergeht dem einen oder anderen auch die Lust an der Knallerei – allein deshalb, weil sie in der Kirchheimer Innenstadt schon seit mehreren Jahren nicht mehr erlaubt ist. Natürlich hindert dieses Verbot nicht alle Freunde des Feuerwerks daran, ihrem Silvesterhobby auch in der historischen Altstadt zu frönen. Aber insgesamt zeichnet sich doch die erfreuliche Tendenz ab, dass die Anordnung als sinnvoll verstanden wird. Rein optisch bleibt es an Silvester über der Innenstadt weitgehend dunkel, und auch die Hinterlassenschaften des Feuerwerks sind an der Alleenstraße und ihren Zufahrten wesentlich üppiger als beim Blick in die Markt- oder in die Max-Eyth-Straße.

Friedlich ist übrigens nicht nur das Feuerwerk in und um Kirchheim verlaufen, sondern auch der restliche Jahreswechsel: Die Polizei meldet aus dem Kreis Esslingen Brände von Markisen, Müllbehältern und Balkonen in Esslingen, Echterdingen und  Wolfschlugen. In Leinfelden muss es auch anderweitig noch hitzig hergegangen sein: „Wegen Nichtigkeiten“ sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen drei Männern gekommen, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei zu Silvester. Ein 48-Jähriger ist mit Gesichtsverletzungen per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Damit war der Fall aber noch nicht erledigt: „Bei den polizeilichen Ermittlungen wurden die Beamten von dem erheblich alkoholisierten 17-jährigen Beschuldigten und dessen Familienangehörigen angegriffen. Erst mit Unterstützung weiterer Streifen konnte der Beschuldigte festgenommen und die Lage unter Kontrolle gebracht werden.“

Auch aus Nürtingen meldet die Polizei eine Schlägerei. Gegen 2.45 Uhr seien in einer Bar in der Neckarsteige zehn Personen aneinandergeraten. „Zwei 26- und 28-Jährige wurden mit Verletzungen zur ärztlichen Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Die polizeilichen Ermittlungen dauern noch an.“ Der Anlass für die Schlägerei war der Polizei bis gestern noch nicht bekannt.

Nicht direkt mit den Silvesterfeiern hängt ein Einbruch in Dettingen zusammen: Am 31. Dezember haben unbekannte Täter zwischen 4 Uhr und 13.45 Uhr die Eingangstür einer Gaststätte in der Kirchheimer Straße aufgehebelt. Im Gastraum brachen sie drei Spielautomaten auf und entwendeten das darin befindliche Geld. Die genaue Höhe des Schadens muss erst noch ermittelt werden.

Witterungs-, nicht feierbedingt, hatte es bereits am Dienstag mehrere Unfälle gegeben. In Owen war ein 24-jähriger Dettinger in der Schießhüttestraße ins Rutschen geraten und gegen einen VW Caddy gefahren. Sachschaden: circa 1 600 Euro. In der Kirchheimer Wilhelmstraße hat sich das Dienstrad einer 48-jährigen Briefzustellerin auf leicht abschüssigem Gehweg selbständig gemacht und einen Ford Focus beschädigt. Zwischen Ohmden und Jesingen gab es am Dienstagnachmittag gleich zwei Unfälle auf schneeglatter Fahrbahn. Die Polizei schreibt dazu: „So rutschte zunächst ein VW  Tiguan und später ein Ford Mondeo von der Straße, wobei insgesamt Schaden in Höhe von circa 10 000 Euro entstand.“ Nicht jeder dürfte sich also in gleicher Weise an der weißen Pracht erfreuen.

Silvester auf der bastion, Feuerwerk
Silvester auf der bastion, Feuerwerk
Silvester vorder Bastion, Feuerwerk, Glückwusche für 2015
Silvester vorder Bastion, Feuerwerk, Glückwusche für 2015