Lokales

Weitere Absage für eine Fußgängerzone

Sämtliche Argumente ausgetauscht und alles beim Alten belassen das ist das Ergebnis der Debatte um die Erweiterung der Fußgängerzone in der Dettinger Straße, die der Kirchheimer Gemeinderat auf Antrag der SPD und der Grünen Alternativen geführt hat. Einzige Neuerung: Künftig soll das Radfahren zwischen Alleenstraße und Einmündung Walkstraße erlaubt sein.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Für die Grünen-Fraktion erläuterte zunächst Sabine Bur am Orde-Käß, warum die Fußgängerzone in der Dettinger Straße bis zur Höhe Ziegelstraße verlängert werden sollte: Als das Thema vor fünf Jahren zum bislang letzten Mal auf der Tagesordnung stand, hätten sich bei einer Umfrage immerhin zwei Drittel der Anwohner zwischen Walk- und Ziegelstraße für eine Fußgängerzone ausgesprochen. "Die Gehwegflächen in der Dettinger Straße sind zu schmal, Außenbewirtung und Parkplätze stören", sagte die Grünen-Stadträtin. Wenn die Fußgänger dann auf die Fahrspur auswichen, zögen sie sich den Unmut der Autofahrer zu. Um die Stadt auch für Fremde attraktiver zu machen, schlug sie vor, "das Flair der historischen Altstadt auch in die Dettinger Straße zu transportieren".

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Wenn Geschäftsleute die Ausweitung der Fußgängerzone ablehnten, fühle er sich an seine ersten demokratischen Erfahrungen erinnert, bemerkte Andreas Kenner (SPD). Als es vor über 30 Jahren um die Einführung der Fußgängerzone in der Marktstraße ging, habe es geheißen: "In wirtschaftlich schwieriger Zeit würde eine Fußgängerzone den Geschäften den Garaus machen." Inzwischen würden die Geschäftsleute in der Marktstraße keine Autos mehr haben wollen, meint Kenner. Was aus seiner Sicht für die verlängerte Fußgängerzone spricht, ist "die chaotische Situation" zwischen Walkstraße und Ziegelstraße. Dort werde nicht Schrittgeschwindigkeit gefahren. Außerdem tue die Fußgängerzone den "attraktiven Ladenzeilen" und der Außenbewirtung gut.

Unabhängig von seiner Fraktion machte sich CDU-Mann Dietmar Hoyler ebenfalls für die Fußgängerzone stark: "Die Straße ist absolut zu schmal für Begegnungsverkehr und mit Regenschirm und Einkaufstaschen hat man zwischen der Häuserzeile und den parkenden Autos keinen Platz." In Relation zur Verkaufsfläche würden die 13 gekennzeichneten Parkplätze ohnehin nicht viel bringen, sagte Michael Holz (Grüne Alternative). Verkaufsständer vor einem Laden hält er für wesentlich attraktiver als "zwei, drei parkende Autos". Außerdem sei die Dettinger Straße alles andere als eine verkehrsberuhigte Zone: "Da geht's zu wie im Taubenschlag."

Ganz anderer Meinung war Birgit Müller von der Frauenliste: "Die verkehrsberuhigte Zone funktioniert eigentlich. Die Dettinger Straße ist für Autofahrer ja auch gar nicht attraktiv." Ganz ähnlich stellte Reinhold Ambacher für die Fraktion der Freien Wähler fest, dass es mit der derzeitigen Regelung "keinerlei Probleme" gebe und dass sich die Fußgängerzone später immer noch realisieren lasse bei einer insgesamt "verbesserten Parkplatzsituation".

Seitens der CDU-Fraktion verwies Siegfried Pöschl auf ältere Leute, "die nicht mehr gut zu Fuß sind, aber noch Auto fahren können". Diese kämen in der Dettinger Straße zum jetzigen Zeitpunkt wesentlich besser zurecht als in einer Fußgängerzone. Sein Fraktionskollege Gregor Küstermann ging auf denselben Vorteil ein: "Da kann man auch mal kurz vor ein Geschäft fahren, was abgeben oder schnell einkaufen." Die Umwandlung in eine Fußgängerzone würde die Geschäftslage verschlechtern und diesen Teil der Dettinger Straße weniger attraktiv machen.

Wolfgang Schuler (CIK) sprach sich ebenfalls dafür aus, die Autos weiterhin zu dulden: "Ich sehe im Moment nicht die Dringlichkeit für eine Fußgängerzone. Da bräuchte es attraktivere Geschäfte." Bei der Frage, ob das Radfahren in der bestehenden Fußgängerzone in der Dettinger Straße (bis zur Walkstraße) erlaubt sein soll, wich er allerdings von der Meinung der Verwaltung ab: "Dort ist es zu schmal, wegen dem Bächle und den Bäumen."

Mit 19 zu 13 Stimmen ist der Kirchheimer Gemeinderat schließlich dem Verwaltungsvorschlag gefolgt und hat dem Thema Fußgängerzone bis zur Ziegelstraße eine weitere Absage erteilt. Die Radfahrer hingegen brauchen in Bälde zwischen Walkstraße und Altem Haus nicht einmal mehr theoretisch abzusteigen: Dem Antrag, das Radfahren an dieser Stelle künftig zu gestatten, stimmte der Gemeinderat bei sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mit großer Mehrheit zu.