Lokales

Weiterer Verdächtiger festgenommen

BERND WINCKLER

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STUTTGART/WEILHEIM Seit fast drei Wochen verhandelte die 7. Große Strafkammer des Landgerichts gegen sechs Männer, von denen der Hauptbeschuldigte, ein 35-jähriger Bosnier aus Schorndorf, als Organisator der jetzt festgestellten 19 nächtlichen Diebesfahrten galt. Er hatte seine Helfer zu den nächtlichen Touren eingeteilt, wobei einer der Angeklagten sogar seinen Lastkraftwagen benutzte.

Die Metalle, darunter meist Kabelrollen und Profil-Bleche, aber auch Kupferstangen, Kupfer-Kabel und Glasfaser-Kabel sowie Aluminium im Gesamtwert von über 260 000 Euro, wurden nach den richterlichen Feststellungen mit dem Lkw eines 49-jährigen ebenfalls Verurteilten jeweils von einer Firma in Weilheim tonnenweise abtransportiert und verwertet.

Aus dem Gelände einer Baustelle in Kirchheim holten die Täter nach seiner Anweisung 25 Tonnen Bleirohre. Am 31. Juli letzten Jahres wurden zwei der Diebe beim Aufladen von Stahlrohren an einer Weilheimer Baustelle festgenommen.

Aufgekauft wurden die Metalle vom Betreiber eines Schrott-Verwertungsplatzes in Neckarweihingen, der zunächst nicht als Beteiligter an den Diebstählen galt und gegen den bislang auch kein Verfahren lief. Doch im Laufe des Prozesses erhellte sich durch Zeugenaussagen und durch die Ermittlungen einiger der Verteidiger, dass der Schrottplatz-Betreiber zumindest als wissentlicher Hehler tätig war. Gegen ihn ist deswegen vor vier Tagen überraschend Haftbefehl erlassen worden. Sein Prozess am Stuttgarter Landgericht wird im Oktober beginnen.

Die sechs Angeklagten, vier Bosnier, ein Deutscher und ein Türke, hatten vor der 7. Strafkammer jetzt Geständnisse abgelegt und sich dadurch moderate Strafen eingehandelt. Die ausgesprochenen Einzelstrafen wegen schweren Diebstahls und Verabredung zu Verbrechen, versuchten Diebstahls und in einem Fall Fahren ohne Fahrerlaubnis, bewegen sich von eindreiviertel Jahren für einen 30-Jährigen über zwei Jahre und elf Monate für jeweils drei Mitläufer bis hin zu vierdreiviertel Jahren für den Bandenboss und dreidreiviertel Jahre für den letzten Angeklagten.

Der Vorsitzende Richter Heinz Layher betonte in dem Urteil, dass die Metalldiebstähle eine "Marktentwicklung mit illegaler Auswirkung" darstellten, die in dieser Art und Weise vor 15 Jahren nicht möglich und sinnlos gewesen wären, weil da der Altmetall-Preis auf einem unattraktiven Stand war.