Lokales

Weiterhin Vollgas mit Porsche-Diesel

"Ich will Spaß, ich geb' Gas", sang Markus einst in den Achtzigern. Diesen Song der Neuen Deutschen Welle scheint die Mehrheit des Notzinger Gemeinderats verinnerlicht zu haben. Sie hat sich gegen ein Tempolimit auf der K 1205 ausgesprochen.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Die Frauen waren sich einig, die Männer bis auf wenige Ausnahmen auch: Während sich die Gemeinderätinnen und einige wenige Mitstreiter darunter auch Bürgermeister Flogaus für ein Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde auf der kurvenreichen K 1205 zwischen Notzingen und Kreisel aussprachen, war die klare Mehrheit gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung. "Also kann ich weiterhin mit meinem Porsche-Diesel Vollgas fahren", freute sich Hobby-Landwirt Herbert Hiller nach der Abstimmung.

"Ein Tempolimit bringt auf der Straße gar nichts. Die jungen Autofahrer probieren es so oder so wer schafft die Kurve mit 90, wer mit 100", ist Günter Barz überzeugt. Er will sich nicht vorschreiben lassen, künftig nur noch mit 70 Kilometern pro Stunde auf der Strecke unterwegs sein zu dürfen. "Sonst kauft sich halt jeder einen Porsche-Diesel und dann fahren alle 20", bemühte auch er dieses legendäre Gefährt aus den 50er-Jahren, das selbst Porsche-Chef Wiedeking sein Eigen nennt.

Jochen Flogaus ließ sich nicht entmutigen, weiterhin für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf dieser unfallreichen Strecke zu plädieren. "Vielleicht schrecken wir mit dieser Maßnahme den einen oder anderen ab", hofft der Schultes. Dieser Meinung ist auch Helga Merz. "Ich bin absolut dafür, auf dieser Straße das Tempo zu begrenzen", sagte sie. Nur wenige Tage vor der Sitzung war ein 27-Jähriger mit seinem Auto ins Schleudern gekommen, hatte sich mehrmals überschlagen und eine Gehirnerschütterung zugezogen. "An der S-Kurve nach dem Kreisverkehr könnte man eine Zählmaschine aufstellen, so viele sind dort schon gerade aus gefahren und im Weizenfeld gelandet", bestätigte Eduard Bosch. Seiner Ansicht nach hätte man im Zuge der Arbeiten des Kreisverkehrs, diesen unfallträchtigen Bereich gleich mit entschärfen können. "Auf die 100 Meter wäre es nicht angekommen", vertrat er die Auffassung.

Diesbezüglich nahm Jochen Flogaus das Straßenbauamt in Schutz. "Der Kreisel wurde im Zuge des Ausbaus der L 1207 gebaut. Kreis- und Landesstraßen werden aus unterschiedlichen Töpfen gezahlt", erklärte er. Damit der Kreisverkehr ohne Gefälle angelegt werden konnte, mussten Höhen angeglichen werden. Nur deshalb wurde die K 1207 so weit ausgebaut.

In diesem Zusammenhang kam der Schultes auch auf den schlechten Zustand der Bankette auf der Kreisstraße zu sprechen. "Die K 1205 war Ausweichstrecke während des Umbaus der L 1207. Weil die Straße so schmal ist, wurden die Bankette bei Ausweichmanövern stark in Mitleidenschaft gezogen", so Jochen Flogaus. Schon Anfang April habe die Verwaltung dieses Thema beim Straßenbauamt angesprochen, bislang sei jedoch nichts geschehen. Darüber ist auch Eduard Bosch überrascht. "An manchen Stellen geht es zehn bis zwölf Zentimeter runter", schätzt er. Wer sich da in der Kurve verziehe, komme nicht wieder auf die Straße. "Es ist mir unverständlich, warum in dieser Sache nichts passiert", so der Gemeinderat.

Dass die Bankette an der L 1207 etwas abgesetzt sind, hat laut Henning Hoyler, Leiter des Straßenbauamtes, Sinn. "Sie sind eingesät. Immer wieder kommt auch Schmutz von der Fahrbahn auf das Bankett und mit dem Gras zusammen wächst der Streifen dann in die Höhe. Ist es zu hoch, läuft bei Regen das Wasser auf die Straße", begründet er diese Vorgehensweise. Wie tief die Bankette abgesetzt sind, lässt sich nicht auf den Zentimeter genau sagen, normalerweise sind es etwa zwischen drei und fünf Zentimeter. "Zehn Zentimeter dürften es aber nicht sein", räumt Henning Hoyler ein.