Lokales

Welchen Wettbewerb wünschen Ärzte?

In der Endphase des Wahlkampfes wurde im Nürtinger Schlachthof ein gesundheitspolitischer Strauß ausgefochten: Der Nürtinger Medi-Praxisverbund hatte seine Mitglieder zu einer von Dr. Werner Baumgärtner moderierten Podiumsdiskussion geladen.

NÜRTINGEN Vor rund 30 Anwesenden vertraten Michael Hennrich (CDU), Rainer Arnold (SPD), Ellen Winkler-Oberman (FDP) und Petra Selg (Grüne) ihre Vorstellungen über die Perspektiven freiberuflich tätiger Fachärzte unter dem Gesichtspunkt der Öffnung der Krankenhausambulanzen.

Anzeige

Der eloquent moderierende Baumgärtner, ehemaliger Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg und Vorsitzender von Medi Deutschland, ließ es sich nicht nehmen, die Erwartungen von Ärzten an die Politik eindringlich vorzutragen und selbst bisweilen für seine Mitglieder Partei zu ergreifen. Den freiberuflich tätigen Fachärzten brannte die Frage unter den Nägeln, wie es um ihre Zukunft bestellt sein soll, wenn die im Sozialgesetzbuch intendierte Öffnung der Krankenhausambulanzen eine Verzerrung des Wettbewerbs zu Gunsten Letzterer nach sich zöge.

"In der Tat ist es eine problematische Frage, wie wir zum einen den Wettbewerb organisieren und zum anderen die Qualität der Versorgung

O:5080515.JP_ verbessern können", gestand Michael Hennrich. Er halte die freie Arztwahl weiterhin für wichtig, die Union wolle ohnehin an dem System der Koexistenz von Hausärzten, Fachärzten und Kliniken festhalten. Der im Ausschuss für Gesundheit und Soziales tätige Abgeordnete vertrat weiterhin die Auffassung, dass eine flächendeckende medizinische Versorgung nur durch Praxen geleistet werden könne. Deshalb sehe er keine Notwendigkeit dafür, dass die Politik die Einrichtung von Polikliniken oder Ärztezentren besonders fördere, schließlich habe der Patient ja die Wahl.

Dem sekundierte Ellen Winkler-Oberman mit Betonung liberaler Werte und sprach sich für die Herstellung gleicher Wettbewerbschancen aus: "Das Modell der Poliklinik ist ein großes wirtschaftliches Risiko für die öffentliche Hand, dort angestellte Ärtzte sind gegenüber den Freiberuflern bevorzugt, da sie dieses Risiko nicht mittragen." Die niedergelassenen Mediziner garantierten überhaupt die preisgünstigste und optimale Versorgung der Patienten, da sie diese oftmals über lange Jahre begleiten.

"Die Öffnung der Krankenhäuser nimmt niemandem etwas weg", proklamierte Petra Selg. Die Grünen-Parlamentarierin, die in Friedrichshafen kandidiert, kam für die dienstreisende Dr. Uschi Eid und forderte mit ihren Beiträgen die Gegenwehr der anwesenden Medi-Ärzte heraus. Man solle nicht immer an die eigenen Kosten denken, mahnte die pflegepolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion, die Verzahnung von ambulanter mit stationärer Behandlung sei nur zum Wohle des Patienten.

Die gelernte Krankenschwester, die auch auf Sachvorhalte des Moderators immer auf ganz anderen Erfahrungen bestehen wollte, behauptete letzten Endes, dass Ärzte gar keinen Wettbeweb wünschten, sondern in ihrem abgeschotteten Bereich alles wie bisher belassen wollten. Sie halte die Vergütung zwar für gering, aber die Ärzte verdienten nach wie vor gut.

In ein ähnliches Horn stieß auch Rainer Arnold, der die Befürchtungen der Ärzteschaft als überzogen kennzeichnete: "Es wird ja nur eine Teil-Öffnung geben, deshalb werden nicht alle Fachärzte gleich vor den Konkursrichter ziehen müssen." Es gehe keinesfalls darum, das zweigegliederte System abzuschaffen, vielmehr würden die Neuerungen den Patienten zum Wohle gereichen. "Wenn ich die Wahl hätte, ich würde immer ein Ärztezentrum bevorzugen", bekannte der SPD-Abgeordnete freimütig.

Im weiteren Verlauf des Abends kamen noch zwei hauptsächlich für Mediziner bedeutsame Themen zur Sprache, nämlich der Barmer-Integrationsvertrag und die Honorierung ärztlicher Leistungen.

nz