Lokales

Wellinger müssen Wasser abkochen

Nach der großen Aufregung am Sonntag kam gestern die Entwarnung: Der Schnelltest ergab, dass sich weder koliforme Bakterien noch Kolibakterien im Wellinger Eigenwasser befanden. Allerdings weist einiges auf eine organische Belastung des Wassers hin. Aus Sicherheitsgründen müssen die Wellinger auch noch in den nächsten Tagen ihr Trinkwasser abkochen.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Als am Sonntagnachmittag einige Wellinger ihren Wasserhahn aufdrehten stieg ihnen ein süß-modriger Geruch in die Nase. Auch Wassermeister Kuppinger stellte bei seiner routinemäßigen Kontrollmessung Veränderungen fest und reagierte prompt. Die mittlere Quelle stellte er sofort ab, da sie in der Nähe eines Bachlaufes liegt und deshalb schnell auf Verschmutzungen reagiert. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon verunreinigtes Wasser in den Hochbehälter gelangt und somit auch in die Hausanschlüsse.

"Beim Trinkwasser ist der Qualitätsanspruch immens hoch. Deshalb haben wir veranlasst, den Chlorgehalt im Wasser hochzufahren und den Wellingern empfohlen, ihr Trinkwasser abzukochen. Wir sind hier im Vorsorgebereich und veranlassen aus Sicherheitsgründen lieber mehr als vielleicht erforderlich ist", erklärte Dr. Walter Kontner vom Gesundheitsamt Esslingen. Die Freiwillige Feuerwehr Notzingen hatte deshalb auch viel zu tun. Über Lautsprecher rief sie mehrmals am Sonntag die Anwohner dazu auf, ihr Trinkwasser abzukochen. Zudem wurde der Hochbehälter und die Drucksteigerungsanlage vom Netz genommen, weshalb in den hohen Lagen von Wellingen das Wasser nicht mit dem gewohnten Druck aus der Leitung kommt. Der Ortsteil Wellingen wird nun mit Landeswasser von Notzingen her versorgt. Auch dafür wurden die Floriansjünger gebraucht. Mit desinfizierten Feuerwehrschläuchen wurde die Strecke zwischen den beiden Hydranten überbrückt.

"Ich bin froh, dass der Hochbehälter nun gereinigt ist. Jetzt füllen wir ihn wieder mit Eigenwasser und chloren das Wasser in einer höheren Dosis", sagte gestern Dr. Kontner. Von dieser "Mischung" wurden wieder Proben entnommen, deren Ergebnisse vorraussichtlich heute vorliegen werden. Fallen die Werte zufriedenstellend aus, wird das Wasser wie gewohnt chloriert und nochmals Proben gezogen. "Wir gehen davon aus, dass bis Donnerstag vorsorglich das Wasser abgekocht werden sollte, das fürs Kochen oder Getränke verwendet wird. Duschen ist bedenkenlos möglich", so Dr. Kontner.

Gestern Nachmittag lag das Ergebnis der Proben vom Sonntag vor. Selbst ein Schelltest dauert etwa 24 Stunden. Um Zeit zu gewinnen, fuhr Notzingens Bürgermeister Flogaus selbst die Wasserproben nach Langenau. Die Experten der Landeswasserversorgung konnten Entwarnung geben. Koliforme Bekaterien und Kolibakterien sind nicht im Wasser gefunden worden. "Es gibt also keine Belastung mit Fäkalien nach der erhöhten Chlorierung", erläuterte Dr. Kontner. Bei den Messungen wurde jedoch festgestellt, dass eine erhöhte organische Belastung vorliegt. "Das deutet auf eine Güllebelastung hin", vermutet Dr. Kontner.

Allerdings stehen die Verantwortlichen vor einem Rätsel. Wassermeister Kuppinger hatte sofort den Einzugsbereich der drei Quellen, insbesondere der mittleren, inspiziert und keine Flächen mit Gülle entdeckt. Auch rund um den Hochbehälter war alles in Ordnung. Trotzdem hält es Bürgermeister Flogaus für möglich, dass ein Landwirt der Verursacher des Problems ist. Am 15. November tritt die Gülleverordnung in Kraft. Bis Mitte Februar dürfen außer Festmist keine landwirtschaftlichen Fäkalien auf Äcker und Wiesen ausgebracht werden. "Es kann durchaus sein, dass jemand seine Gülle in den Bach gekippt hat. Dafür spricht, dass das verunreinigte Wasser konzentriert gekommen ist. Es kam schnell und es ging schnell", so Jochen Flogaus.