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Weltrekordversuch an der Jesinger Allee

Kirchheim hat seine Leichtathletik-Veranstaltung: Nach intensiven Verhandlungen ist es Marc Kochan gelungen, kurzfristig einen hochklassig besetzten Stabhochsprung-Wettkampf im Stadion an der Jesinger Allee zu installieren. Für die am heutigen Samstag Abend unter Flutlicht stattfindende Premiere ist sogar ein Weltrekordversuch angesagt.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Ihr Name ist in Leichtathletikkreisen längst mit unzähligen Weltrekorden verbunden: Yelena Isinbayeva, 23-jährige Stabhochspringerin aus Russland, sorgt seit rund zwei Jahren für Sensations-Schlagzeilen. Zuletzt im August 2005, als sie als erste Frau der Welt die Fünf-Meter-Marke (5,01 m) überquerte und damit ihren eigenen Weltrekord zum x-ten Mal verbesserte. Nun will sich der Superstar in der schwäbischen Provinz in schwindelnde Höhen schrauben dank des Einsatzes von Marc Kochan, der die Olympiasiegerin und Weltmeisterin unter die Teck locken konnte.

"Eigentlich wollten wir ja ein Sprintevent in Kirchheim aufziehen", sagt Kochan, "aber ein Stabhochsprungmeeting ist natürlich auch eine feine Sache, zumal Yelena ihr Kommen fest zugesagt hat." Der ehemalige Nationalsprinter Kochan kennt die russische Ausnahmeathletin aus gemeinsamen Stunden im Wartezimmer des Orthopäden Dimitr Jontschew in Uhingen. "Sie war zur selben Zeit bei ihm in Behandlung, wie ich", erinnert sich Kochan. Das war vor gut drei Jahren, beide blieben in Kontakt. Inzwischen entwickelte sich Isinbayeva zum weibliche Pendant des Ukrainers Sergej Bubka, der in den neunziger Jahren als "Mister Stabhochsprung" reihenweise die Sechs-Meter-Marke überquerte und mit 6,14 m immer noch den Weltrekord hält. Darüber hinaus ist Bubka das große Vorbild von Yelena Isinbayeva, die laut Kochan Feuer und Flamme war, als dieser ihr den Vorschlag machte, fernab der Leichtathletik-Metropolen ihren ersten Freilufteinsatz 2006 zu absolvieren. "Sie und ihr Management wollen sie zunehmend auch in Deutschland bekannt machen", so Kochan, "und nachdem man in Russland immer noch von der Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart schwärmt, hatten wir natürlich gute Karten."

Trotz der freundschaftlichen Verbundenheit zu Kochan erwiesen sich der Spring-Floh (1,73 m) und ihr Manager als zähe Verhandlungspartner. "Klar, nur für ein Butterbrot kommt die nicht nach Kirchheim", so Kochan, der laut eigener Aussagen innerhalb kürzester Zeit einen Sponsoren-Pool an Land ziehen konnte. "Wer, wird aber nicht verraten", so der 27-Jährige augenzwinkernd, "ebenso wenig, wie der Betrag, den Yelena für ihren Auftritt bekommt."

Deren Name besitzt offenbar Zugkraft: Nachdem er die Zusage des russischen Topstars am vergangenen Montag hatte, stand Kochans Telefon nicht mehr still. "Die gesamte deutsche Stabhochsprungelite hat irgendwie Wind von der Sache bekommen und wollte natürlich mit ins Boot." Resultat: Neben Lokalmatador Fabian Schulze (Kornwestheim) werden morgen auch Tim Lobinger, Danny Ecker und Lars Bögerling ihr Können unter Beweis stellen. Bei den Frauen werden neben Isinbayeva, Yvonne Buschbaum und Silke Spiegelburg an den Start gehen mit diesen sieben Stabhochspringern erscheint das Teilnehmerfeld auf den ersten Blick zwar klein, aber Kochan konnte den Athleten ein neues Konzept schmackhaft machen. "Statt drei Versuchen pro Höhe, hat jeder Springer insgesamt sechs Versuche, die er frei verteilen kann." Ein Modus, der vor allem Yelena Isinbayeva entgegenkommt die Russin hat bereits angekündigt, heute in Kirchheim Weltrekordhöhe (5,02 m) auflegen zu lassen. "Sie hat sich das für diese Saison sowieso zum Ziel gesetzt", so Kochan, "warum also nicht gleich beim ersten Wettkampf?"

Dieser beginnt um 18.30 Uhr nur eineinviertel Stunden nach dem Verbandsligakick des VfL Kirchheim gegen Kirchentellinsfurt. "Wunderbar", freut sich Kochan, "dann bleiben die Zuschauer vielleicht noch im Stadion." Da der Eintritt zum Meeting ohnehin frei ist, kommt auf die Fußballgucker auch kein Extra-Obolus zu.