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Wenig Spaß auf dem Weg zur Funbox

Holzmadener Jugendliche stoßen mit ihrem Wunsch nach einem Skaterplatz vielfach auf Unverständnis

Der Wunsch von Jugendlichen in Holzmaden nach einem Treff in Form eines Skaterplatzes erhitzt derzeit in der Schiefergemeinde die Gemüter. Es geht um Geld, den richtigen Standort und Generationen, die sich nicht grün sind. Da hat Holzmadens Bürgermeister Jürgen Riehle mit seiner Devise, möglichst allen gerecht zu werden, keinen einfachen Stand.

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richard umstadt

Holzmaden. Holzmaden ist als Schiefergemeinde weithin bekannt und für junge Familien attraktiv. Nicht nur wegen der kurzen Wege in die freie Natur, auf die Alb und wegen der guten verkehrlichen Anbindungen an Mittelzentren und die Landesmetropole. Es gibt ein gutes Angebot der Kirchen und Vereine, engagierte Bürger, ein aufgeschlossenes Gemeindewesen mit moderner Infrastruktur, und die Kindergärten sowie die Grundschule genießen einen hervorragenden Ruf. Vor allem ist Holzmaden, sehr zur Freude von Familienministerin Ursula von der Leyen, die einzige Kommune im Landkreis, die mit einem Geburtenüberschuss aufwarten kann. Was jetzt in dieser familienfreundlichen Gemeinde noch fehlt, ist ein offener Jugendtreff, eventuell auch in Form einer Skateranlage, wie sie in Nachbargemeinden gang und gäbe sind. Zumindest sehen dies Jugendliche und ihre Eltern so. Seit Jahren sind sie deshalb mit Bürgermeister Jürgen Riehle und den Bürgervertretern im Gespräch.

Der Schultes selbst war es, der vor zwei Jahren das Thema, das sich allmählich zur unendlichen Geschichte auswächst, aufgriff und auf Markus Ocker von der oja, Offene Jugendarbeit, zuging. Die oja unterstützt die Holzmadener Jugendlichen in ihrem Anliegen, einen geeigneten Jugendtreff-Skaterplatz zu erhalten, zumal sie in den öffentlichen Straßen und Gassen der Gemeinde mit ihren rollenden Brettern nicht gerne gesehen sind. Im April und Mai 2008 traf sich Markus Ocker mit interessierten Jugendlichen, Eltern und Gemeinderäten zu Informationsveranstaltungen über das Thema. Im Juni startete die Kommune im Mitteilungsblatt eine Umfrage unter den Jugendlichen, um zu erfahren, wie viele tatsächlich eine Skateranlage in der Schiefergemeinde nutzen würden. Insgesamt 88 Stimmen meldeten sich, davon 39 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 11 und 19 Jahren.

Im Verlauf der Diskussion kristallisierte sich immer mehr ein Gelände an der Sport- und Freizeitanlage Brühl heraus. Damit hat jedoch die Vorstandschaft des größten örtlichen Vereins, des TSV Holzmaden, ihre Probleme. Vorsitzender Bernd Stark sieht Schwierigkeiten mit dem Bolzplatz als Ausweichmöglichkeit, sollte der Hartplatz saniert werden. „Wir müssen das in der nächsten Ortsbegehung mit dem Gemeinderat besprechen“, meinte er gegenüber dem Teckboten.

Im Oktober besichtigten die Bürgervertreter den favorisierten Platz am Sport- und Freizeitgelände. Dazu Markus Ocker: „Ich hatte den Eindruck, jetzt kippt die Stimmung.“ In der Sitzung nach dem Vororttermin beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, durch eine erneute Umfrage die Meinung der Bürger zu einer Skateranlage beziehungsweise einer Alternative für Jugendliche einzuholen. Die Umfragebögen sollen bis zum kommenden Wochenende zurück ins Rathaus flattern. Außerdem sollte Bürgermeister Jürgen Riehle weitere offene Fragen zum Bau eines Skaterplatzes klären. Vergleichende Informationen über Skaterplätze in umliegenden Gemeinden wie Kirchheim, Bissingen, Lenningen, Dettingen und Baltmannsweiler stellte der Verwaltungschef Ende Januar dem Gemeinderat vor. Im Haushalt 2009 plante die Gemeinde 10 000 Euro für die Planung und für ein Gutachten zum Bau des Skaterplatzes ein. Freilich ist noch alles offen – bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 2. März. Dann sind die Fragebögen ausgewertet, wurde der Wunsch der Vereine nach einer erneuten Ortsbesichtigung eines möglichen Platzes für die Skateranlage am Sport- und Freizeitgelände erfüllt.

Ob sich dabei auch der Wunsch der Jugendlichen nach einem Treff auf dem Skaterplatz oder einer ähnlichen Einrichtung erfüllt, bleibt abzuwarten, denn auch die Kosten spielen dabei eine Rolle, wie Heike Schwarz von der Liste der Freien Wähler in Holzmaden sagt. Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Beträge um die 100 000 Euro für die Anlage geistern durch die Schiefergemeinde. „Da werden einfach ins Blaue hinein Kosten genannt und Stimmung gemacht“, ist Gemeinderat und zweiter ehrenamtlicher Bürgermeister Gert Hauschild nicht einverstanden mit der unsachlichen Auseinandersetzung, wie sie zurzeit in Holzmaden geführt wird. Markus Ocker spricht von 30 000 bis 35 000 Euro brutto, wobei sich die Summe durch Eigenleistungen, Spenden und Sponsoren verringern lasse. Ebenso weist er darauf hin, dass es um eine „Jugendtreff-Skateranlage“ geht, also um einen multifunktionalen Platz, auf dem sich genauso Jugendliche mit ihren Inlinern, BMX-Rädern und Skooter-Rollern treffen können.

Der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen KJR, Kurt Spätling, kennt diese Bedürfnisse der Mädchen und Jungs in einem bestimmten Alter auch von anderen Orten im Landkreis. „In Aichwald sind zum Beispiel 80 Prozent der Jugendlichen in Vereinen, die meisten im Sportverein, und trotzdem wollen sie einen Skatertreff.“ Ein solcher Platz und eine gute Vereinsjugendarbeit müssen sich nicht ausschließen. „Dass sich eine Clique mal außerhalb eines Vereins treffen will, ist doch normal“, sagt der KJR-Geschäftsführer, der eine Skateranlage auch deshalb für sinnvoll hält, weil es dabei um Eigenleistung, Verantwortungsbewusstsein und sportliche Betätigung geht.

Auch der evangelische Pfarrer von Holzmaden, Andreas Taut, sieht die Chance gegeben, Jugendliche in die Verantwortung zu nehmen. „Ich hätte mir gewünscht, dass gesagt wird, toll, dass es so eine Initiative gibt.“ Schade findet es Pfarrer Taut, wenn das Thema dazu führt, das gute gegenseitige Einvernehmen in der Gemeinde zu beschädigen. Holzmadens Bürgermeister Jürgen Riehle ist daher nicht zu beneiden. Sein Ziel ist es, „so gut wie möglich allen gerecht zu werden“. Er kennt die Argumente der Befürworter und Gegner und hat für beide Seiten Verständnis, wie er sagt. Um die Angebote für Jugendliche in der Gemeinde zu ergänzen, wirbt er für einen Kompromiss in Form eines Platzes, der neben der Sport- und Freizeitanlage in Richtung Gewerbegebiet Zeller Straße liegt. Weit genug von den nächsten Wohnungen entfernt, sodass lärmende Jugendliche gar nicht erst in Verruf kommen.