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Wenn der Aufwind streikt

Nichts los im schwedischen Eskilstuna: So war's zuletzt. Die Wettbewerbsflüge mussten neutralisiert werden. Die Segelflug-Weltmeisterschaft wird zum Geduldspiel.

LOTHAR SCHWARK

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ESKILSTUNA Segelflieger müssen Geduld mitbringen: Das Wartenkönnen auf eine Startfreigabe ist eine Eigenschaft, über die Segelflieger unbedingt verfügen sollten. Nur so kann man Geduldsproben überstehen, wenn wechselhaftes Wetter, wie zuletzt bei der WM im schwedischen Eskilstuna, Aufwindjäger zum tagelangen Warten zwingt. Hochs und Tiefs bestimmen den Kreislauf einer Meisterschaft, wie Wolf-Hirth-Flieger Holger Karow dies schon oft erlebte.

"Mit Flugpausen muss man als Segelflieger einfach leben", sagte der zweifache Weltmeister nach der neuesten Neutralisation eines Wertungsfluges. Ursache war ein ansonsten bei den Segelfliegern beliebtes Hochdruckgebiet, das an seiner Nordseite immer wieder Wolkenfelder über Schweden hinwegfegen ließ.

"Flugtage gehen an die Substanz", sagt Karow. Weil die Piloten bei Aufgaben bis acht Stunden ins enge Cockpit gezwängt sind, ist ein ausreichender Wasservorrat von Bedeutung. Untersuchungen belegten, dass Piloten bei hohen Temperaturen bis zu fünf Liter Flüssigkeit während eines Fluges verlieren können.

Wettbewerbstage beginnen in den frühen Morgenstunden. Dann muss das Flugzeug mit Wasserballast betankt und an Übergangsstellen vom Rumpf zum Flügel mit Spezialband abgeklebt werden: Das verhindert schädliche Luftwirbel. Je nachdem, woher der Wind bläst, werden die Segelflugzeuge an den entsprechenden Startplätzen aufgestellt. Um 10 Uhr ruft die Wettbewerbsleitung dann zum Briefing, um die genauen Tagesaufgaben bekannt zu geben. Diese werden flugs ins GPS-Bordsystem eingespeichert, um eine genaue Navigation zu erreichen. Ein Logger zeichnet dabei den Flug penibel auf, um die genaue Einhaltung der sportlichen Regeln zu dokumentieren. Es folgt die Teambesprechung, bei der die jeweilige Flugtaktik vorgegeben wird. Bis zu zwölf Motorflugzeuge stehen danach bereit, um die Segelflugzeuge durch das Hochschleppen schleunigst zu den ersten Aufwinden zu befördern.

Eine Stunde herrscht in den Lüften über Eskilstuna beim Startvorgang Hochbetrieb, wenn die Himmelstraktoren ihre Arbeit verrichten. Danach legt sich für Stunden Ruhe über das Fluggelände. Gegen 17 Uhr kehren die Segelflugzeuge meist zurück. Für die Piloten heißt es dann, die Flugdaten abzugeben und mit dem Team den Flug zu analysieren. Danach geht's an Putzen. Mit dem Leder wird das Segelflugzeug von lästigen Mücken befreit, um später, vielleicht mit der Familie, noch ein gemeinsames Abendessen zu schaffen.